Schwindel bei Kindern u. Jugendlichen

Wenn der Kreislauf nicht mitspielt

Ihr Kind steht morgens auf und plötzlich wird ihm schwindelig? Vielleicht wird ihm kurz schwarz vor Augen, es fühlt sich schwach, hat weiche Knie oder muss sich wieder hinsetzen? Gerade bei Schulkindern und Jugendlichen erleben wir solche Kreislaufbeschwerden recht häufig.

Die beruhigende Nachricht: Meist steckt dahinter eine harmlose, vorübergehende Störung der Blutdruckregulation. Besonders während der Pubertät, wenn der Körper rasch wächst und sich hormonell verändert, kann das Kreislaufsystem empfindlich reagieren.

Mit einigen einfachen Veränderungen im Tagesablauf lässt sich der Kreislauf häufig erstaunlich gut stabilisieren.

Warum wird meinem Kind schwindelig?

Unser Körper muss den Blutdruck ständig anpassen. Wenn wir vom Liegen oder Sitzen aufstehen, versackt durch die Schwerkraft zunächst etwas Blut in den Beinen und im Bauchraum. Normalerweise reagiert der Körper sofort: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, das Herz schlägt etwas schneller und das Gehirn wird weiterhin ausreichend mit Blut versorgt.

Bei manchen Kindern und Jugendlichen funktioniert diese automatische Regulation noch nicht schnell genug. Der Blutdruck fällt kurzzeitig ab oder der Puls steigt ungewöhnlich stark an. Für einige Sekunden wird das Gehirn etwas weniger durchblutet – es entstehen Schwindel, Schwarzwerden vor Augen, Herzklopfen oder ein Schwächegefühl.

Wir sprechen von einer orthostatischen Dysregulation oder orthostatischen Intoleranz.

Besonders während der Pubertät kann das Zusammenspiel zwischen Wachstum, Blutgefäßen und vegetativem Nervensystem vorübergehend instabil sein. Viele Jugendliche neigen außerdem zu einem eher niedrigen Blutdruck, der für sich genommen noch keine Krankheit darstellt.

Warum besonders morgens?

Nachts trinken wir über viele Stunden nichts. Morgens ist der Kreislauf noch auf Ruhe eingestellt, und beim schnellen Aufstehen muss sich der Blutdruck plötzlich anpassen.

Wer dann unter Zeitdruck aus dem Bett springt, ohne Frühstück zur Schule eilt und wenig trinkt, macht es seinem Kreislauf unnötig schwer.

Auch Schlafmangel, warme Räume, langes Stehen, Bewegungsmangel und größere Wachstumsschübe können die Beschwerden begünstigen.

Typisch ist, dass sich der Schwindel nach wenigen Sekunden wieder bessert – besonders, wenn sich das Kind hinsetzt oder hinlegt.

Das hilft: den Kreislauf trainieren!

Die wichtigste Behandlung besteht darin, den Kreislauf im Alltag zu unterstützen und seine Regulation zu trainieren.

Unsere bewährten Tipps:

  • Morgens etwas früher aufstehen: Planen Sie 10–15 Minuten mehr Zeit ein. Erst im Bett strecken, die Füße bewegen, dann langsam aufsetzen und aufstehen.
  • Morgengymnastik: Einige Kniebeugen, Zehenstand, Wadenübungen oder ein paar Minuten Bewegung bringen die Muskelpumpe in Schwung.
  • Ausreichend trinken: Bereits morgens ein großes Glas Wasser trinken und über den Tag regelmäßig Wasser oder ungesüßten Tee anbieten.
  • Frühstücken: Ein kleines Frühstück mit Brot, Müsli oder anderen sättigenden Lebensmitteln hilft, gut in den Schultag zu starten.
  • Regelmäßig essen: Lange Essenspausen vermeiden. Ein Pausenbrot und eine Trinkflasche gehören in die Schultasche.
  • Täglich bewegen: Radfahren, Schwimmen, Spaziergänge und Sport trainieren Herz, Gefäße und Beinmuskulatur.

Bei ausgeprägter Neigung zu niedrigem Blutdruck kann nach ärztlicher Rücksprache auch eine etwas höhere Salzzufuhr sinnvoll sein. Entscheidend ist aber vor allem eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung.

Was tun bei einem Schwindelanfall?

Wird Ihrem Kind plötzlich schwindelig, sollte es sich sofort hinsetzen oder besser hinlegen und die Beine etwas hochlagern.

Ist Hinlegen gerade nicht möglich, können das Überkreuzen der Beine und kräftiges Anspannen der Bein- und Gesäßmuskulatur helfen, das Blut wieder zum Herzen zurückzutransportieren.

Bitte nicht versuchen, den Schwindel im Stehen auszuhalten. Sonst kann es zu einer kurzen Ohnmacht mit Sturzverletzung kommen.

Gut zu wissen

Ein niedriger Blutdruck ist bei Jugendlichen häufig kein Krankheitszeichen. Entscheidend ist, wie gut sich der Kreislauf beim Aufstehen anpasst.

Regelmäßiges Trinken, Bewegung, ausreichend Schlaf und ein entspannter Start in den Morgen helfen meist mehr als Medikamente.

Können Medikamente helfen?

In den meisten Fällen benötigen Kinder und Jugendliche keine Medikamente. Die wichtigste Therapie ist die Anpassung der Lebensgewohnheiten und ein regelmäßiges Kreislauftraining.

Ergänzend können im Einzelfall homöopathische Kombinationspräparate wie Vertigoheel eingesetzt werden. 

Bei ausgeprägten und anhaltenden Kreislaufproblemen stehen nach entsprechender Diagnostik weitere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Wann sollten wir genauer untersuchen?

Gelegentlicher kurzer Schwindel beim raschen Aufstehen ist meist harmlos. Häufen sich die Beschwerden, beeinträchtigen sie den Schulalltag oder kommt es zu einer Ohnmacht, sollten wir die Ursache ärztlich abklären.

Dabei überprüfen wir unter anderem Blutdruck und Puls im Liegen und Stehen. Je nach Beschwerden können ein EKG oder Blutuntersuchungen sinnvoll sein, beispielsweise zum Ausschluss einer Blutarmut oder eines Eisenmangels.

Wichtige Warnzeichen sind Ohnmacht während des Sports, Brustschmerzen, ausgeprägtes Herzrasen, Atemnot oder eine familiäre Vorgeschichte plötzlicher Herztodesfälle. Solche Beschwerden müssen zeitnah, bei akuten schweren Symptomen notfallmäßig abgeklärt werden.

Morgendlicher Schwindel gehört bei vielen Schulkindern und Jugendlichen zu den typischen Begleiterscheinungen des Wachstums und der Pubertät. Meist ist der Kreislauf gesund, benötigt aber noch etwas Unterstützung bei seiner Regulation.

Mit einem ruhigeren Start in den Tag, Morgengymnastik, regelmäßigem Essen und Trinken sowie ausreichend Bewegung lassen sich die Beschwerden häufig deutlich bessern.

Ermutigen Sie Ihr Kind, seinen Kreislauf selbst aktiv zu trainieren. So lernt es, die Signale seines Körpers besser zu verstehen und mit einfachen Maßnahmen darauf zu reagieren.

Wenn die Beschwerden häufiger auftreten oder Sie sich Sorgen machen, beraten wir Sie gerne in unserer Sprechstunde oder über unseren Praxis-Chat.

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