Zecken, Borreliose und FSME
Zecken gehören inzwischen fast selbstverständlich zu Frühling, Sommer und Herbst. Für Eltern ist das unangenehm, aber kein Grund zur Panik.
Die meisten Zeckenstiche bleiben folgenlos. Wichtig ist, Zecken rasch zu entfernen, die Hautstelle einige Wochen zu beobachten und die FSME-Impfung in Risikogebieten rechtzeitig zu planen.
Die wichtigste Zeckenart bei uns ist der Gemeine Holzbock, Ixodes ricinus. Zecken leben nicht nur im Wald, sondern auch an Waldrändern, in hohem Gras, Gebüsch, Parks und Gärten. Sie brauchen Feuchtigkeit und milde Temperaturen.
In milden Wintern können sie deutlich früher aktiv sein; Zecken gehen schon bei niedrigen Plusgraden auf Wirtssuche.
Zecken können vor allem zwei Infektionen übertragen:
die bakterielle Lyme-Borreliose und die virale FSME.
- Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, sie ist aber meist gut mit Antibiotika behandelbar.
- Gegen FSME gibt es keine ursächliche Therapie, dafür aber eine wirksame Schutzimpfung.
Die STIKO empfiehlt die FSME-Impfung für Personen, die in Risikogebieten Zecken ausgesetzt sind; Kinderimpfstoffe sind ab dem 1. Geburtstag zugelassen.
Warum Kinder besonders häufig Zecken mitbringen
Zecken fallen nicht von Bäumen. Sie sitzen meist auf Grashalmen, niedrigen Pflanzen und Sträuchern und werden beim Vorbeigehen abgestreift. Besonders häufig finden sie sich später an warmen, dünnhäutigen Körperstellen:
Kniekehlen, Leisten, Achseln, Bauchnabel, hinter den Ohren, am Haaransatz und bei Kindern auch am Kopf.
Kinder spielen näher am Boden, krabbeln durchs Gras, bauen Hütten, verstecken sich im Gebüsch und merken einen Stich fast nie.
Der Zeckenspeichel betäubt die Einstichstelle. Deshalb ist die wichtigste Schutzmaßnahme nicht Angst, sondern Routine:
nach dem Spielen draußen einmal gründlich absuchen.
Schutz vor Zecken
Vor Ausflügen in Wald, Wiesen und hohes Gras helfen einfache Maßnahmen:
- helle, lange Kleidung
- geschlossene Schuhe
- Hosenbeine in die Socken stecken
- Repellentien altersgerecht anwenden
- nach dem Heimkommen Kleidung ausschütteln
- Kinder am ganzen Körper absuchen
- Babys im Freien möglichst auf heller Decke krabbeln lassen
- Auch Haustiere können Zecken mitbringen. Deshalb lohnt sich bei Hund und Katze ebenfalls ein kurzer Zeckencheck.
Zecke entdeckt, was jetzt?
Bitte die Zecke möglichst rasch entfernen. Je kürzer sie saugt, desto geringer ist besonders das Risiko einer Borrelienübertragung, da Borrelien im Darm der Zecke sitzen und meist erst mit zunehmender Saugdauer übertragen werden. FSME-Viren sitzen dagegen bereits im Speichel der Zecke und können früher übertragen werden.
So geht es richtig:
- Zecke mit feiner Pinzette, Zeckenkarte oder Zeckenzange hautnah greifen
- langsam und gleichmäßig herausziehen
- nicht quetschen
- kein Öl, Kleber, Alkohol oder andere Hausmittel verwenden
- Einstichstelle desinfizieren
- Datum notieren und Stelle beobachten
Ein kleiner roter Punkt direkt nach dem Stich ist häufig nur eine lokale Reaktion.
Entscheidend ist, ob sich in den folgenden Tagen bis Wochen eine größer werdende Rötung entwickelt.
Wann in die Praxis?
Bitte melden Sie sich, wenn nach einem Zeckenstich eines der folgenden Zeichen auftritt:
- eine größer werdende Rötung, besonders über 5 cm
- ringförmige oder wandernde Rötung
- Fieber, Kopfschmerzen, ausgeprägte Müdigkeit
- Nackensteifigkeit
- starke Schmerzen, Nervenschmerzen
- Gesichtslähmung
- Gelenkschwellung, besonders am Knie
Die typische Wanderröte entsteht meist nach einem freien Intervall von 3 bis 30 Tagen, breitet sich langsam aus und gilt ab etwa 5 cm Durchmesser als wichtiger Hinweis auf Borreliose. Sie kann aber auch untypisch aussehen.
Borreliose
Die Lyme-Borreliose wird durch Bakterien verursacht. Sie kommt in Deutschland deutlich häufiger vor als FSME.
Die häufigste Frühform ist die Wanderröte, das Erythema migrans. Weitere mögliche Zeichen sind ein Borrelien-Lymphozytom, bei Kindern gerne am Ohrläppchen, oder neurologische Beschwerden wie eine Gesichtsnervenlähmung.
Die gute Nachricht: Früh erkannt ist Borreliose sehr gut behandelbar. Bei Hautmanifestationen gelten Amoxicillin oder Doxycyclin als gut wirksame Standardantibiotika; bei Kindern wird die Auswahl alters- und situationsgerecht getroffen. Für einfache Frühformen reicht meist eine Behandlung über 10 bis 14 Tage, bei ausgeprägteren oder disseminierten Formen länger.
Gut zu wissen
Eine vorbeugende Antibiotikagabe nach jedem Zeckenstich ist in Deutschland nicht empfohlen. Sinnvoller ist: Zecke rasch entfernen, Hautstelle beobachten und bei Wanderröte oder Beschwerden frühzeitig ärztlich vorstellen.
FSME
FSME ist eine Virusinfektion. Sie ist insgesamt seltener als Borreliose, kann aber das Nervensystem betreffen.
Typisch ist ein zweiphasiger Verlauf: zunächst grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen;
nach einer beschwerdearmen Pause kann es zu Hirnhaut- oder Gehirnentzündung kommen. Kinder erkranken meist milder als Jugendliche und Erwachsene, schwere Verläufe sind aber möglich.
Eine ursächliche Behandlung gegen FSME gibt es nicht. Deshalb ist die Impfung der entscheidende Schutz.
FSME-Risiko in Augsburg und Bayern
Bayern ist inzwischen fast vollständig FSME-Risikogebiet. Nach Angaben des Bayerischen LGL sind aktuell 95 von 96 bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten als FSME-Risikogebiete eingestuft; nur die kreisfreie Stadt Schweinfurt gilt derzeit noch nicht als Risikogebiet. Auch Augsburg gilt als FSME-Risikogebiet.
FSME-Impfung
Die FSME-Impfung ist ab dem 1. Geburtstag zugelassen. Sie ist besonders sinnvoll für Kinder, die in Risikogebieten leben oder dort regelmäßig draußen spielen, wandern, zelten, im Garten unterwegs sind oder Haustiere haben, die Zecken mitbringen können. Für einen vollständigen Schutz sind in der Regel zwei Impfungen nötig; nach einem Jahr und nach fünf Jahen folgen Auffrischimpfungen.
Bitte planen Sie die Impfung rechtzeitig vor der Zeckensaison oder vor Reisen in Risikogebiete.
Was Eltern selbst tun können
Zeckenschutz ist kein einzelner Handgriff, sondern eine kleine Familienroutine:
- vor dem Ausflug schützen
- nach dem Ausflug absuchen
- Zecken rasch entfernen
- Einstichstelle beobachten
- bei Wanderröte oder Krankheitssymptomen melden
- FSME-Impfstatus prüfen lassen
Das ist wirksame Prävention ohne Panik.
Zecken gehören heute zum Alltag unserer Kinder. Die meisten Stiche sind harmlos. Entscheidend ist, dass Eltern ruhig und sicher handeln: Zecke entfernen, Stelle beobachten, Warnzeichen kennen und in FSME-Risikogebieten an die Impfung denken. Bei Unsicherheit helfen wir gerne in der Praxis oder über den PraxisChat weiter.