Schultestungen

Stärken erkennen – Förderung gezielt planen

Nicht jedes Kind entwickelt sich in allen Bereichen gleich schnell. Manche Kinder sind sprachlich sehr stark, tun sich aber mit Zahlen schwer. Andere denken hervorragend logisch, benötigen jedoch mehr Zeit beim Lesen, Schreiben oder bei konzentriertem Arbeiten.

Mit standardisierten Entwicklungstests können wir solche Stärken und Teilleistungsschwächen objektiver einordnen. In unserer Praxis nutzen wir dafür insbesondere BUEVA-III vor der Einschulung und BUEGA-II im Grundschulalter. Beide Verfahren vergleichen die Leistungen des einzelnen Kindes mit alters- bzw. klassengerechten Normwerten.

BUEVA-III – vor der Einschulung

Die Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter (BUEVA-III) ist für Kinder von 4;0 bis 6;5 Jahren entwickelt worden. Sie hilft, den Entwicklungsstand und die Schulreife einzuschätzen und mögliche Risiken für spätere Lernprobleme frühzeitig zu erkennen. Die aktuellen Normwerte beruhen auf 3.875 Kindergartenkindern und sind in Vierteljahresschritten altersbezogen.

Untersucht werden unter anderem:

▪️ verbale und nonverbale Intelligenz
▪️ Sprachverständnis und sprachlicher Ausdruck
▪️ Zahlen- und Mengenverständnis
▪️ phonologische Bewusstheit – wichtig für den späteren Schriftspracherwerb
▪️ Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis
▪️ Visuomotorik und Körperkoordination
▪️ Artikulation

So entsteht kein einzelner „Schulreife-Wert“, sondern ein differenziertes Entwicklungsprofil mit persönlichen Stärken und möglichen Förderbereichen.

BUEGA-II – im Grundschulalter

Die BUEGA-II ist für Kinder von 6;6 bis 11;5 Jahren bzw. der 1. bis 5. Klasse vorgesehen. Sie untersucht wichtige schulische Teilleistungen und kann Hinweise auf umschriebene Entwicklungs- und Lernstörungen geben. Die Normierung umfasst 4.596 Kinder.

Erfasst werden:

▪️ verbale und nonverbale Intelligenz
▪️ rezeptive und expressive Sprache
▪️ Lesen und Rechtschreiben
▪️ Rechnen
▪️ Aufmerksamkeit

Gerade die gemeinsame Testung verschiedener Bereiche ist hilfreich: Die Leistungen wurden innerhalb desselben Testsystems normiert und können dadurch gut miteinander verglichen werden. So lässt sich beispielsweise erkennen, ob ein Kind insgesamt Schwierigkeiten hat oder ob eine einzelne Teilleistung deutlich von seinen übrigen Fähigkeiten abweicht.

Was bedeutet das Testergebnis?

Die Gauß-Kurve macht Leistungen sichtbar

Die Ergebnisse werden als standardisierte T-Werte dargestellt. Der Mittelwert gleichaltriger Kinder liegt bei T = 50, eine Standardabweichung entspricht 10 T-Wert-Punkten. Damit Eltern die Testergebnisse leichter einordnen können, rechnen wir die ermittelten T-Werte in anschauliche Standardwerte um.

Dabei gilt:

▪️ 100 = genau durchschnittliche Leistung
▪️ 85–115 = durchschnittlicher Bereich
▪️ über 115 = überdurchschnittliche Leistung
▪️ unter 85 = unterdurchschnittliche Leistung
▪️ ab 130 = weit überdurchschnittlicher Bereich

Die Gaußsche Glockenkurve macht dies sichtbar: Die meisten Kinder liegen im breiten Bereich um 100. Je weiter ein Wert davon abweicht, desto seltener kommt diese Leistung bei gleichaltrigen Kindern vor.

Ein praktisches Beispiel

Ein Kind erreicht beim Denken 110, bei der Sprache 105, bei der Aufmerksamkeit 98, aber beim Rechnen nur 75.

Das bedeutet: Die allgemeinen Fähigkeiten liegen im normalen bis guten Bereich – das Rechnen fällt im Vergleich dazu deutlich ab.

Gerade solche Unterschiede zwischen den einzelnen Fähigkeiten sind für uns besonders wichtig. Sie zeigen, wo die Stärken eines Kindes liegen und wo gezielte Unterstützung sinnvoll ist.

Gut zu wissen

Besonders interessant ist nicht nur die Höhe eines einzelnen Wertes, sondern das Profil der verschiedenen Fähigkeiten.

Ein Kind kann beispielsweise beim logischen Denken im guten Durchschnitt liegen, beim Lesen oder Rechnen aber deutlich darunter. Gerade solche Unterschiede können wichtige Hinweise geben, wo gezielte Förderung sinnvoll ist.

Vom Testergebnis zur Förderung

BUEVA und BUEGA sollen Kinder nicht in „gut“ oder „schlecht“ einteilen. Sie helfen uns vielmehr zu verstehen: Was kann dieses Kind gut – und wo braucht es Unterstützung?

Die Ergebnisse betrachten wir deshalb immer gemeinsam mit Entwicklung, Schulverlauf, Beobachtungen von Eltern und Lehrkräften sowie der kinderärztlichen Untersuchung. Bei auffälligen Befunden können anschließend gezielte Förderung, weitere Diagnostik oder therapeutische Maßnahmen geplant werden.

Jedes Kind hat sein eigenes Leistungsprofil. BUEVA und BUEGA helfen, dieses Profil sichtbar zu machen – Stärken ebenso wie Bereiche, in denen Unterstützung hilfreich sein kann.

Je früher relevante Schwierigkeiten erkannt werden, desto früher können wir gemeinsam gegensteuern. Ziel ist dabei nicht ein möglichst perfektes Testergebnis, sondern Lernen wieder leichter zu machen und dem Kind Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu geben.

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