Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen
Wenn die Bronchien immer wieder empfindlich reagieren
Nächtlicher Husten, pfeifende Atmung beim Toben oder plötzliches Luftschnappen nach dem Rennen: Dahinter kann ein Asthma bronchiale stecken – eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter.
Bei Asthma reagieren die Atemwege überempfindlich auf Virusinfekte, Allergene, kalte Luft, körperliche Belastung oder Luftschadstoffe. Dabei spielen die persönliche Veranlagung, das Immunsystem und die Lebensumstände zusammen.
Asthma ist heute sehr gut behandelbar! Die meisten Kinder können mit der richtigen Therapie beschwerdefrei aufwachsen, Sport treiben und ein ganz normales Leben führen.
Warum Husten und Atemnot immer wiederkommen
... wenn die kleinen Luftwege zu eng werden
Stellen Sie sich die Bronchien wie ein verzweigtes System kleiner, elastischer Luftschläuche vor.
Bei Asthma ist ihre innere Schleimhaut dauerhaft überempfindlich und entzündungsbereit – auch wenn das Kind gerade keine Beschwerden hat.
Bei bestimmten Auslösern schwillt die Schleimhaut an, es entsteht vermehrt Schleim und die Bronchialmuskulatur verkrampft sich. Die Luftwege werden enger, besonders das Ausatmen fällt schwer.
Typisch sind pfeifende Atmung, nächtlicher Husten, längere Hustenphasen nach Erkältungen oder Atembeschwerden beim Sport. Dazwischen fühlen sich viele Kinder völlig gesund.
Gerade im Kleinkindalter ist die Abgrenzung zur infektbedingten obstruktiven Bronchitis nicht immer einfach. Diese tritt häufig nur bei Erkältungen auf und kann sich mit zunehmendem Wachstum zurückbilden.
Gut zu wissen:
Das eigentliche Problem bei Asthma ist die chronische Entzündungsbereitschaft der Bronchien – genau hier setzt die moderne Behandlung an.
Allergien und Umwelt – was reizt die Bronchien?
Hausstaubmilben, Pollen, Tierallergene und Schimmelpilze können bei allergischem Asthma Beschwerden auslösen. Häufig bestehen gleichzeitig Heuschnupfen oder Neurodermitis.
Aber auch Virusinfekte, Tabakrauch, Luftverschmutzung und kalte Luft können die Bronchien reizen.
Deshalb gehören die persönliche Lebensweise, eine rauchfreie Umgebung, regelmäßige Bewegung und die Vermeidung bekannter Auslöser immer zur Behandlung.
Wie erkennen wir Asthma?
Neben einem ausführlichen Gespräch über Beschwerden und Auslöser ist die Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie) besonders wichtig.
Dabei messen wir, wie gut die Luft durch die Bronchien strömt und ob sich die Atmung nach Salbutamol verbessert. Bei Bedarf ergänzen wir Allergietests. Bei jüngeren Kindern beurteilen wir vor allem die Beschwerden, den Verlauf und das Ansprechen auf eine gezielte Behandlung.
Die Behandlung
Entzündung beruhigen, Bronchien öffnen
Salbutamol – schnelle Hilfe
Salbutamol entspannt die Bronchialmuskulatur und erweitert die Atemwege innerhalb weniger Minuten. Es hilft bei akuten Beschwerden entsprechend dem persönlichen Therapieplan.
Inhalatives Kortison – langfristiger Schutz
Kortisonhaltige Inhalationsmedikamente behandeln die Entzündung der Bronchialschleimhaut und verhindern viele Asthmaanfälle.
Ihre Wirkung entwickelt sich über Tage bis Wochen. Bei einer verordneten Dauertherapie müssen sie deshalb auch an beschwerdefreien Tagen regelmäßig angewendet werden.
Müssen wir vor Kortison Angst haben?
Inhalative Kortikosteroide gehören zu den wirksamsten und am besten untersuchten Asthmamedikamenten. Anders als Kortisontabletten wirken sie in niedriger Dosierung überwiegend direkt in den Atemwegen. Sie sind meist gut verträglich und können schwere Asthmaanfälle verhindern.
Wir achten auf die niedrigste wirksame Dosis, die richtige Inhalationstechnik und regelmäßige Kontrollen von Lungenfunktion und Wachstum.
Nach der Inhalation sollte der Mund ausgespült werden.
Die Asthma-Stufentherapie
... so viel wie nötig, so wenig wie möglich
Die Behandlung richtet sich nach Alter, Beschwerden und Schwere der Erkrankung.
- Stufe 1: Seltene Beschwerden – bedarfsorientierte Behandlung mit einem altersgerechten Therapieplan.
- Stufe 2: Häufigere Beschwerden – regelmäßige niedrig dosierte Kortisoninhalation.
- Stufe 3: Unzureichende Kontrolle – Anpassung der Kortisondosis oder Kombination mit länger wirksamen Bronchienerweiterern.
- Weitere Stufen: Bei schwerem Asthma zusätzliche Medikamente, gegebenenfalls moderne Antikörpertherapien.
Die genaue Stufeneinteilung unterscheidet sich je nach Alter.
Unser Ziel: Ist das Asthma gut kontrolliert, versuchen wir nach ausreichender Stabilisierung die Behandlung wieder zu reduzieren.
Die richtige Inhalationstechnik
... macht den Unterschied
Asthma im Griff
mit unserem DMP und digitalem Tagebuch
... gemeinsam kontrollieren, rechtzeitig reagieren
Asthma benötigt eine regelmäßige Betreuung – auch wenn Ihr Kind sich gerade gesund fühlt.
Mit unserem Disease-Management-Programm (DMP Asthma) überprüfen wir in der Regel alle drei bis sechs Monate Beschwerden, Lungenfunktion, Medikamente und Inhalationstechnik. Die Teilnahme ist für gesetzlich versicherte Kinder kostenfrei.
Besonders hilfreich ist das Asthmatagebuch. Darin werden Husten, nächtliche Beschwerden, Belastbarkeit, Medikamentenbedarf und Peak-Flow-Werte dokumentiert.
Das Ampelschema
Asthma einfach selbst einschätzen
🟢 GRÜN – alles im Griff!
Kaum Beschwerden, ruhiger Schlaf und normale Belastbarkeit. Die vereinbarte Behandlung wird fortgeführt.
🟡 GELB – Vorsicht, die Bronchien reagieren!
Mehr Husten, nächtliche Beschwerden oder häufigerer Bedarf an Notfallmedikamenten. Jetzt nach dem persönlichen Asthma-Aktionsplan handeln und bei Bedarf Rücksprache mit uns halten.
🔴 ROT – Atemnot!
Deutlich erschwerte Atmung oder fehlende Besserung trotz Notfallmedikament. Sofortige ärztliche Hilfe – bei schwerer Atemnot 112.
Die persönlichen Grenzwerte und Behandlungsschritte legen wir gemeinsam fest.
Asthmatagebuch digital – direkt über unsere PraxisApp
Mit PädAssist können Sie das Asthmatagebuch bequem über unsere PraxisApp „Meine pädiatrische Praxis" führen.
So lassen sich Beschwerden und Messwerte über längere Zeit verfolgen. Wir können den Verlauf bei unseren Kontrollen gemeinsam beurteilen und die Therapie gezielt anpassen.
Dank unserer digitalen Möglichkeiten können wir viele Fragen und Therapieanpassungen unkompliziert über den PraxisChat klären – häufig ohne zusätzlichen Praxisbesuch.
Freie Bahn für Bewegung und Sport!
... auch mit Asthma bis an die Spitze!
Sport und Bewegung sind für Kinder mit Asthma besonders wichtig!
Regelmäßige körperliche Aktivität stärkt die Atemmuskulatur, verbessert Ausdauer und Fitness und unterstützt langfristig eine gesunde körperliche Entwicklung. Kinder sollen dabei Selbstvertrauen gewinnen, ihre Leistungsfähigkeit entdecken und lernen, selbstständig und sicher mit ihrer Erkrankung umzugehen.
Entscheidend ist eine gute medizinische Einstellung:
Ein Kind mit Asthma sollte nachts ruhig schlafen und beim Spielen, Toben oder Sport möglichst uneingeschränkt belastbar sein. Treten dabei regelmäßig Husten oder Atemnot auf, muss die Therapie überprüft und angepasst werden – nicht die Freude an der Bewegung!
💚 Gut zu wissen:
Selbst ambitionierter Leistungssport bis hin zum Spitzensport ist mit gut kontrolliertem Asthma möglich. Die Erkrankung muss kein Hindernis für sportliche Höchstleistungen sein.
Viele Kinder erleben zudem mit zunehmendem Wachstum, besonders während der Pubertät, eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden. Die Überempfindlichkeit der Bronchien kann allerdings bestehen bleiben.
Asthma muss die Kindheit nicht bestimmen!
Mit modernen Inhalationsmedikamenten, einer individuell angepassten Stufentherapie und regelmäßiger Kontrolle können die meisten Kinder mit Asthma beschwerdefrei leben. Unser DMP Asthma und das digitale Asthmatagebuch mit Ampelschema helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Behandlung gemeinsam mit den Familien sicher und alltagstauglich zu steuern.
💚 Unser Ziel: ein gesundes, aktives Kind, das sein Asthma im Alltag möglichst gar nicht spürt!