Zusatzstoffe in Medikamenten & Impfstoffen
Streng geprüft – bis in kleinste Mengen
Wer einen Beipackzettel aufmerksam liest, findet neben dem eigentlichen Wirkstoff zahlreiche weitere Substanzen. Begriffe wie Aluminium, Formaldehyd, Polysorbat oder Konservierungsmittel können dabei zunächst verunsichern.
Bei Arzneimitteln lohnt jedoch ein genauer Blick: Zusammensetzung, Reinheit und zulässige Mengen unterliegen strengen gesetzlichen und pharmazeutischen Vorgaben. Dabei wird nicht nur der eigentliche Wirkstoff bewertet. Auch Hilfsstoffe, Verunreinigungen und mögliche Rückstände aus dem Herstellungsprozess werden berücksichtigt.
Dabei gilt ein Grundprinzip der Toxikologie: nicht die Substanz selbst ist entscheidend, sondern vor allem die Dosis, chemische Form und Aufnahmeweg.
Warum braucht ein Medikament Hilfsstoffe?
Viele Medikamente wären ohne Hilfsstoffe gar nicht zuverlässig anwendbar. Sie sorgen beispielsweise dafür, dass ein Wirkstoff löslich und stabil bleibt, richtig dosiert werden kann oder über die vorgesehene Haltbarkeit seine Qualität behält.
Dazu gehören je nach Arzneimittel beispielsweise Salze und Zucker, Emulgatoren, Stabilisatoren oder Konservierungsmittel.
Für Hilfsstoffe mit bekannten Wirkungen bestehen in der Europäischen Union besondere Deklarations- und Warnpflichten. Alle Hilfsstoffe müssen in der Packungsbeilage aufgeführt werden; für bestimmte Präparate gelten darüber hinaus Kennzeichnungspflichten auf der Verpackung.
Auch Verunreinigungen werden bewertet
Besonders streng ist die Arzneimittelherstellung bei Stoffen, die gar nicht Bestandteil des fertigen Medikamentes sein sollen.
Internationale ICH-Richtlinien legen beispielsweise Anforderungen für Restlösungsmittel und elementare Verunreinigungen wie Schwermetalle fest. Dabei werden toxikologisch begründete Grenzwerte – sogenannte Permitted Daily Exposures – und der jeweilige Aufnahmeweg berücksichtigt.
Hersteller müssen mögliche Quellen solcher Verunreinigungen analysieren, bewerten und gegebenenfalls kontrollieren.
Das unterscheidet Arzneimittel wesentlich von vielen unkontrollierten Umweltbelastungen: Wir wissen sehr genau, was enthalten sein darf – und in welcher Menge.
Impfstoffe – komplexe biologische Arzneimittel
Auch Impfstoffe bestehen nicht ausschließlich aus dem eigentlichen Impfantigen. Je nach Impfstoff können Stabilisatoren, Puffersubstanzen oder Adjuvanzien erforderlich sein. Daneben können technisch unvermeidbare Spuren einzelner Substanzen aus dem Herstellungsprozess verbleiben.
Gerade bei Impfstoffen werden deshalb Ausgangsstoffe, Herstellungsprozess, Reinheit, Wirksamkeit und Sicherheit detailliert geprüft. Auch nach der Zulassung wird die Sicherheit fortlaufend überwacht.
Aluminium – gezielt eingesetzt
Aluminiumsalze werden seit Jahrzehnten in bestimmten Impfstoffen als Adjuvanzien eingesetzt. Sie verstärken die gewünschte Immunantwort auf das Impfantigen und ermöglichen bei manchen Impfstoffen erst eine ausreichend zuverlässige Immunisierung.
Aluminium ist hier also keine zufällige Verunreinigung, sondern ein funktioneller Bestandteil des Impfstoffes. Menge, Qualität und Verwendung werden entsprechend kontrolliert.
Formaldehyd – mögliche Spur aus der Herstellung
Formaldehyd kann bei der Herstellung bestimmter Impfstoffe benötigt werden, beispielsweise um Toxine oder Erregerbestandteile zu inaktivieren. Anschließend wird es weitgehend entfernt; im fertigen Impfstoff können lediglich geringe Restmengen verbleiben.
Hier ist die Unterscheidung besonders wichtig: Eine mögliche gesundheitliche Gefährdung durch hohe Formaldehydkonzentrationen lässt sich nicht auf die sehr kleinen Restmengen eines kontrolliert hergestellten Arzneimittels übertragen.
Quecksilber – heute kaum noch ein Thema
Thiomersal ist eine quecksilberhaltige Verbindung, die früher vor allem als Konservierungsmittel in Mehrdosenbehältnissen verwendet wurde.
Die regulären Kinderimpfstoffe in Deutschland werden seit vielen Jahren ohne Thiomersal als Konservierungsmittel eingesetzt. Ein Zusammenhang zwischen thiomersalhaltigen Impfstoffen und Autismus oder Entwicklungsstörungen konnte in epidemiologischen Untersuchungen nicht bestätigt werden.
Die Dosis entscheidet
Eine Substanz kann in hoher Konzentration gesundheitsschädlich sein und gleichzeitig in einer wesentlich geringeren Menge sicher verwendet werden. Zudem macht es einen Unterschied, in welcher chemischen Verbindung ein Element vorliegt und ob es eingeatmet, gegessen oder injiziert wird.
Deshalb sind einfache Vergleiche wie „Aluminium ist ein Nervengift“ oder „Formaldehyd ist krebserregend“ für die Beurteilung eines Arzneimittels wissenschaftlich nicht ausreichend.
Eine Risikobewertung fragt vielmehr: Welche Verbindung? Welche Dosis? Welcher Aufnahmeweg? Wie häufig? Und welcher medizinische Nutzen steht dem möglichen Risiko gegenüber?
Bei Arzneimitteln wird Sicherheit nicht dadurch hergestellt, dass grundsätzlich jede chemische Substanz vermieden wird. Sicherheit entsteht durch definierte Zusammensetzung, geprüfte Reinheit, kontrollierte Dosierung, verbindliche Grenzwerte und eine fortlaufende Überwachung.
Besonders wichtig bei Kindern
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Körpergewicht, Stoffwechsel und Organreifung unterscheiden sich erheblich. Deshalb müssen bei der Bewertung von Arzneimitteln Alter, Dosierung und besondere Risiken im Kindesalter berücksichtigt werden.
Auch die europäischen Vorgaben zu bestimmten Hilfsstoffen enthalten ausdrücklich besondere Warnhinweise und Schwellenwerte, wenn dies beispielsweise für Neugeborene, kleine Kinder oder Schwangere relevant ist.
Im täglichen Leben ist es sinnvoll, unnötige Chemikalien und Umweltbelastungen zu reduzieren. Bei einem medizinisch notwendigen Arzneimittel oder einer Impfung gilt das ebenso. Hier sind die Inhaltsstoffe bekannt, ihre Funktion definiert und ihre Qualität regulatorisch kontrolliert. Auch mögliche Rückstände und Verunreinigungen unterliegen wissenschaftlich begründeten Vorgaben.
Deshalb sollte nicht ein chemisch klingender Name auf dem Beipackzettel entscheiden, sondern die medizinisch entscheidende Frage: welchen Nutzen hat das Medikament oder die Impfung für mein Kind – und wie ist das tatsächliche Risiko in der verwendeten Dosis einzuschätzen?
Genau diese Nutzen-Risiko-Abwägung gehört für uns zu einer verantwortungsvollen Kinder- und Jugendmedizin.