Hyposensibilisierung

Allergien an der Ursache behandeln

Antihistaminika, Nasensprays oder Asthmamedikamente lindern allergische Beschwerden. Die Hyposensibilisierung – medizinisch Allergen-Immuntherapie (AIT) – setzt einen Schritt früher an: Sie trainiert das Immunsystem über längere Zeit, das auslösende Allergen zunehmend zu tolerieren.

Damit ist sie die wichtigste ursächliche und krankheitsmodifizierende Behandlung IgE-vermittelter Atemwegsallergien. Besonders gut untersucht ist sie bei Gräser- und Baumpollen sowie Hausstaubmilben. Auch bei einer schweren Bienen- oder Wespengiftallergie ist die Immuntherapie von zentraler Bedeutung.

Erst genau diagnostizieren

Eine Hyposensibilisierung sollte nicht allein aufgrund eines positiven Allergietests begonnen werden. Entscheidend ist, dass Beschwerden, Jahreszeit bzw. Exposition und Allergiediagnostik zusammenpassen.

Hier hilft uns zunehmend die molekulare Komponentendiagnostik: Sie kann echte Primärsensibilisierungen gegen relevante Hauptallergene von Kreuzreaktionen unterscheiden. Gerade wenn ein Kind im Blut gegen zahlreiche Pollen positiv reagiert, können wir so genauer entscheiden, welches Allergen tatsächlich behandelt werden sollte.

Wie läuft die Behandlung ab?

Vor Beginn klären wir zunächst genau, welches Allergen die Beschwerden verursacht. Anschließend wählen wir ein geeignetes, möglichst gut untersuchtes Therapiepräparat.

Bei der SCIT beginnt die Behandlung mit einer Aufdosierungsphase. Die Allergendosis wird schrittweise bis zur vorgesehenen Erhaltungsdosis gesteigert. Danach erfolgen die Injektionen meist in größeren regelmäßigen Abständen.

Eine vollständige Hyposensibilisierung dauert in der Regel etwa drei Jahre. Geduld lohnt sich: Ziel ist nicht nur die nächste Pollensaison, sondern eine möglichst nachhaltige Veränderung der allergischen Immunreaktion.

Gräserpollen

sehr gute Voraussetzungen

Die Gräserpollenallergie gehört zu den klassischen und am besten untersuchten Einsatzgebieten der Hyposensibilisierung. Sowohl SCIT als auch verschiedene SLIT-Präparate können Beschwerden und Medikamentenbedarf deutlich reduzieren.

Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist eine frühzeitige Behandlung interessant: Eine über drei Jahre durchgeführte AIT bei ausgeprägter Gräser- oder Birkenpollenallergie kann neben der langfristigen Besserung des Heuschnupfens auch einen präventiven Effekt auf die Entwicklung von Asthmasymptomen haben.

Birke, Erle, Hasel

die Frühblüher

Auch bei einer ausgeprägten Frühblüherallergie ist die Hyposensibilisierung sehr gut etabliert. Besonders wichtig ist hier die genaue Diagnostik, weil Birke, Erle und Hasel eng verwandte Allergene besitzen.

Die molekulare Allergiediagnostik kann helfen zu erkennen, ob tatsächlich eine relevante Primärsensibilisierung gegen die Frühblüher vorliegt oder positive Testergebnisse vorwiegend durch Kreuzreaktionen entstehen.

Hausstaubmilben

– ganzjährige Beschwerden

Anders als Pollen begleiten Hausstaubmilben Kinder das ganze Jahr. Typisch sind eine chronisch verstopfte Nase, morgendliches Niesen, Husten oder ein milbengetriggertes Asthma.

Bei eindeutig nachgewiesener klinisch relevanter Milbenallergie kann eine AIT sinnvoll sein. Für Hausstaubmilben stehen sowohl SCIT als auch SLIT zur Verfügung; die Evidenz unterscheidet sich nach Alter, Erkrankung und verwendetem Präparat.

Zusätzlich bleiben einfache Maßnahmen zur Verringerung der Milbenbelastung sinnvoll – die Immuntherapie ersetzt nicht vollständig ein vernünftiges Schlaf- und Wohnumfeld.

Schimmelpilze

 – nur sehr gezielt

Bei Schimmelpilzallergien ist die Situation deutlich differenzierter. Eine Hyposensibilisierung ist hier keine Standardtherapie für „Schimmel“ allgemein.

Die beste Evidenz besteht für Alternaria alternata; für andere Schimmelpilze ist die Datenlage wesentlich begrenzter. Vor einer Behandlung muss deshalb besonders sorgfältig geklärt werden, ob tatsächlich eine klinisch relevante Sensibilisierung gegen einen ausreichend standardisierbaren Schimmelpilz vorliegt.

Bei Schimmel in der Wohnung bleibt unabhängig davon die wichtigste Maßnahme: Feuchtigkeitsursache finden und Schimmel fachgerecht beseitigen.

Spritze oder Tablette?

Wir bevorzugen in unserer Praxis die subkutane Hyposensibilisierung (SCIT). Sie ist seit Jahrzehnten bewährt, wird regelmäßig ärztlich kontrolliert und die konsequente Durchführung ist durch die Praxistermine gut gesichert.

Die SLIT (Tablette/Tropfen) kann eine Alternative sein, erfordert jedoch eine tägliche Einnahme über Jahre. Nach unserer Erfahrung lässt die Therapietreue im Alltag dabei häufiger nach.

Unser Schwerpunkt: eine konsequent durchgeführte SCIT – kontrolliert, zuverlässig und individuell angepasst.

Insektengift

besonders wirksam und manchmal lebenswichtig

Eine ganz andere Bedeutung hat die Hyposensibilisierung bei einer Bienen- oder Wespengiftallergie.

Nach einer relevanten systemischen allergischen Reaktion kann die spezifische Immuntherapie vor erneuten schweren Reaktionen schützen. Sie ist die einzige ursächliche Therapie, die das Risiko weiterer systemischer Stichreaktionen gezielt vermindert.

Diagnostik, Indikationsstellung und Therapieablauf unterscheiden sich deshalb von einer normalen Pollenhyposensibilisierung. Bei entsprechenden Reaktionen erfolgt eine gezielte allergologische Abklärung und – je nach Schweregrad und Risikoprofil – die Einleitung einer Insektengift-Immuntherapie.

Tierhaare 

wesentlich zurückhaltender

Bei Katzen-, Hunde- und anderen Tierallergien ist eine Hyposensibilisierung deutlich schwieriger zu beurteilen. Die Studienlage und Standardisierung der Präparate sind nicht mit Gräser-, Frühblüher- oder Milbenallergenen vergleichbar.

Deshalb steht zunächst die Frage im Vordergrund, ob das betreffende Tier tatsächlich die Beschwerden verursacht und wie stark die Exposition reduziert werden kann. Eine Immuntherapie kommt nur in ausgewählten Fällen nach sorgfältiger allergologischer Abwägung infrage.

Nicht jede Allergie lässt sich gleich gut hyposensibilisieren

Sehr gut etabliert: Gräser- und Frühblüherpollen
Gut etabliert: Hausstaubmilben – abhängig von Präparat und Erkrankung
Besondere, sehr wirksame Indikation: Bienen- und Wespengift
Nur ausgewählt: Schimmelpilze, vor allem Alternaria
Zurückhaltend und individuell: Tierallergene

Sicherheit in der Praxis

Die Hyposensibilisierung führt dem Körper bewusst das Allergen zu, auf das er reagiert. Deshalb gehört besonders die SCIT in ärztliche Hände.

Leichte Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle sind häufig und meist harmlos. Systemische allergische Reaktionen sind selten, müssen aber erkannt und sofort behandelt werden können. Deshalb fragen wir vor jeder Injektion nach Infekten, Asthmabeschwerden und Reaktionen auf die vorherige Dosis und überwachen das Kind anschließend in der Praxis.

Bei unkontrolliertem Asthma darf eine AIT nicht einfach weitergeführt werden – eine gute Asthmakontrolle ist eine wichtige Voraussetzung für die Sicherheit.

Moderne Hyposensibilisierung bedeutet präzise Diagnostik, Auswahl des wirklich relevanten Allergens und eines wissenschaftlich geprüften Präparates sowie eine konsequente Behandlung über mehrere Jahre.

Am überzeugendsten ist die Datenlage bei Gräsern, Frühblühern und Hausstaubmilben. Bei Insektengift kann die Immuntherapie vor gefährlichen erneuten Reaktionen schützen. Bei Schimmelpilzen und Tierallergenen muss dagegen wesentlich differenzierter entschieden werden.

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