Insektenstiche bei Kindern

Kleine Stiche, große Aufregung

Insektenstiche gehören zum Familienalltag im Sommer fast dazu. Meist sind sie harmlos und klingen nach einigen Stunden oder wenigen Tagen wieder ab. Typisch sind eine kleine Rötung, Juckreiz, eine Schwellung und manchmal auch etwas Schmerz. Wichtig ist vor allem, normale lokale Reaktionen von seltenen, aber gefährlichen allergischen Reaktionen zu unterscheiden.

Für Eltern beruhigend: 
Ein gewöhnlicher Mückenstich oder auch ein einzelner Wespen- oder Bienenstich ist bei sonst gesunden Kindern meistens unangenehm, aber nicht bedrohlich. Entscheidend sind gute Erste Hilfe, etwas Geduld und ein klarer Blick auf Warnzeichen.

Woran erkennt man einen normalen Insektenstich?

Normale Insektenstiche verursachen meist eine örtlich begrenzte Reaktion. Die Haut wird rot, juckt oder brennt, manchmal entsteht eine kleine Quaddel. Bei Bienen- oder Wespenstichen kann die Stelle zusätzlich deutlich schmerzen. Gerade an Lidern, Lippen oder Ohren sehen Schwellungen oft dramatischer aus, als sie medizinisch sind.

Bei Kindern kommt noch etwas hinzu: Sie kratzen häufiger. Dadurch entzündet sich ein Stich leichter, wird stärker gerötet, nässt oder verkrustet. Dann ist nicht mehr der Stich selbst das Hauptproblem, sondern die gereizte oder bakteriell besiedelte Haut.

Welche Insekten stechen besonders häufig?

Bei Kindern sehen wir vor allem Mückenstiche, Bienen- und Wespenstiche sowie Zecken. Mücken verursachen meist juckende Quaddeln. Bienen und Wespen stechen schmerzhaft, bei der Biene bleibt oft ein Stachel zurück. Zecken fallen oft erst später auf, weil der Stich selbst meist nicht schmerzt. Gerade deshalb lohnt es sich nach Wald, Wiese oder hohem Gras, die Haut in Ruhe abzusuchen.

Typische Stichmuster

Nicht immer sieht man das Tier. Die Haut verrät es aber oft:

  • Mücke
    juckende Quaddel, oft mehrere Stiche
    meist an Armen, Beinen, Gesicht
  • Wespe / Biene
    plötzlich starker Schmerz
    deutliche Schwellung
    bei Biene oft Stachel sichtbar
  • Bremse
    erst unauffällig, später starker Juckreiz
    oft größere, „blutig-zerkratzte" Stelle
  • Grasmilben (Herbstmilben)
    viele kleine, stark juckende Punkte, typisch an Knöcheln, Beinen, Unterarme, Hände
    Beißender Juckreiz, der oft Stunden nach dem Stich auftritt und mehrere Tage anhält
  • Flöhe
    mehrere Stiche in Reihe oder Gruppe
    oft an Beinen oder Bauch
  • Spinne
    selten, oft zwei kleine Einstichpunkte, manchmal schmerzhaft
    bevorzugt unter Kleidungsstücken, Leisten- oder Achselregion, oft als "Bissstrasse" zu verfolgen
  • Eichenprozessionsspinner
    starker Juckreiz, rote Flecken oder kleine Knötchen
    oft nach Kontakt mit Raupenhaaren
    teilweise auch Atemwegsreizungen möglich

Erste Hilfe

Das Wichtigste ist einfach: Ruhe bewahren

Dann hilft:

  • Kühlen (feuchter Waschlappen, Coolpack im Tuch)
  • Stachel entfernen (bei Biene, wenn sichtbar)
  • Stich sauber halten, z.B. Octenisept-Spray
  • juckreizlindernde Cremes Sprays (Polidocanol, Fenistil)
  • frische Zwiebelscheibe auflegen
  • Kratzen möglichst vermeiden: Ablenkung statt Kratzen
  • kurze Fingernägel, um Aufkratzen zu vermeiden

Merke:
Kühlen ist die wichtigste und wirksamste Sofortmaßnahme

So schützen Sie Ihr Kind vor Stichen

Insekten sind vor allem am späten Nachmittag und Abend aktiv.

Ein paar einfache Regeln helfen:

  • leichte, lange Kleidung
  • Schuhe im Gras
  • Getränke abdecken
  • keine hektischen Bewegungen bei Wespen
  • Moskitonetz im Bett oder Kinderwagen

Der beste Schutz: helle, eher lockere, den Körper bedeckende Kleidung, Schuhe im Gras, Mückengitter oder Moskitonetze und umsichtiges Verhalten beim Essen im Freien. Süße Getränke, Fallobst, offene Gläser und hektisches Herumfuchteln locken Wespen eher an. Bei kleinen Kindern sind Trinkhalme, verschließbare Flaschen und ein kurzer Blick ins Glas oft Gold wert.

Insektenabwehrsprays (Repellentien) können zusätzlich helfen. Die wirksamsten Mittel gegen Mücken und teilweise auch gegen Zecken enthalten Icaridin und DEET. Sie sollen nach Packungsangabe, altersgerecht und sparsam auf freie Hautstellen aufgetragen werden, nicht auf Hände, nicht in die Nähe von Augen und Mund und nicht auf gereizte Haut. Sonnenschutz kommt zuerst, Repellent danach.

Pflanzliche Duftstoffe wie Lavendel, Zitrone oder Zedernöl sind insbesondere bei Babys/Kleinkindern geeignet, verträglich aber etwas weniger wirksam.

Wann ist es eine Allergie?

Eine große Schwellung direkt um die Stichstelle herum ist noch nicht automatisch eine gefährliche Allergie. Kritisch wird es, wenn Beschwerden fernab der Stichstelle auftreten: zum Beispiel Quaddeln am ganzen Körper, Übelkeit, Erbrechen, Husten, Heiserkeit, Atemnot, Schwindel oder Kreislaufprobleme. Das sind Zeichen einer systemischen allergischen Reaktion bis hin zur Anaphylaxie. Die deutsche Anaphylaxie-Leitlinie beschreibt genau diese Kombination aus Haut-, Atemwegs-, Magen-Darm- und Kreislaufzeichen als Warnsignal.

Bei Kindern sind Bienen- und Wespenstiche klassische Auslöser einer Insektengiftallergie. Besteht ein solcher Verdacht, sollte die Diagnostik allergologisch erfolgen. Die aktuelle Leitlinie zur Bienen- und Wespengiftallergie empfiehlt dann je nach Schweregrad, Risiko und Vorgeschichte ein individuelles Notfallset und gegebenenfalls eine spezifische Immuntherapie, also Hyposensibilisierung.

Alarmzeichen einer Anaphylaxie

  • Quaddeln am ganzen Körper
  • Schwellung von Lippen oder Augenlidern
  • Husten, Heiserkeit, Atemnot
  • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
  • Schwindel, Blässe, Schwäche, Kollaps

Was tun bei Verdacht auf eine allergische Reaktion?

Nicht abwarten. Notruf 112.
Kind ruhig lagern, weitere Stiche vermeiden und das verordnete Notfallset anwenden, wenn vorhanden.

  • Antihistaminikum (Cetirizin, Fenistil)
  • Kortison (Prednisolon)
  • Adrenalin-Autoinjektor / -Nasenspray. (bei schwerer Reaktion)

Familien mit bekanntem Risiko sollten den Umgang damit praktisch üben.

Die meisten Insektenstiche sind harmlos und heilen schnell ab. Mit einfachen Maßnahmen wie Kühlen, Schutz vor Kratzen und etwas Geduld kommen Kinder gut durch die „Stichzeit“.
Ihr Kind soll draußen spielen, die Natur entdecken und Sommer erleben dürfen. Mit ein wenig Aufmerksamkeit bleiben Insektenstiche dabei ein kleines Problem.
Wenn Sie unsicher sind, wie Sie einen Stich einschätzen sollen oder ob eine Behandlung nötig ist, melden Sie sich gerne über den PraxisChat oder in der Sprechstunde.

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