Würmer bei Kindern

Kleine ungebetene Gäste – meist harmlos und gut behandelbar

Ihr Kind kratzt sich nachts immer wieder am Po, schläft unruhig oder Sie entdecken plötzlich einen kleinen weißen Wurm in der Unterwäsche? Das ist für viele Eltern zunächst ein Schreck. Schnell entstehen Fragen: Woher kommen die Würmer? Ist das gefährlich? Und muss jetzt die ganze Familie behandelt werden?

Die beruhigende Nachricht: Wurminfektionen sind bei Kindern gut behandelbar und ungefährlich. Besonders häufig begegnen uns die kleinen Madenwürmer. Andere Wurmarten, beispielsweise Spulwürmer, kommen in Deutschland deutlich seltener vor.

Wichtig ist, die verschiedenen Wurmarten zu unterscheiden. Denn Ansteckung, Untersuchung und Behandlung sind nicht immer gleich.

Madenwürmer oder Spulwürmer – wo liegt der Unterschied?

Madenwürmer sind kleine, weiße, fadenförmige Würmchen, die meist nur wenige Millimeter bis etwa einen Zentimeter lang werden. Sie verursachen typischerweise nächtlichen Juckreiz am Po und verbreiten sich leicht innerhalb der Familie.

Spulwürmer sind dagegen wesentlich größer und können 15 bis 35 Zentimeter lang werden. Sie erinnern an dünne, helle Regenwürmer. Die Ansteckung erfolgt meist über verunreinigte Erde oder Lebensmittel. Spulwürmer sind bei Kindern in Deutschland deutlich seltener.

Beide Wurmarten leben im Darm, unterscheiden sich aber in ihrem Lebenszyklus und müssen deshalb unterschiedlich untersucht und behandelt werden.

Madenwürmer

– die häufigsten Würmer im Kindesalter

Madenwürmer (Enterobius vermicularis) leben im menschlichen Darm. Die Weibchen wandern vor allem nachts zum Darmausgang, um dort ihre winzigen Eier abzulegen.

Das erklärt das typische Beschwerdebild: starker Juckreiz am After, besonders nachts. Viele Kinder schlafen dadurch unruhig, kratzen sich häufig oder klagen über ein unangenehmes Gefühl am Po.

Manchmal lassen sich die kleinen weißen Würmchen sogar mit bloßem Auge erkennen. Andere Kinder haben kaum Beschwerden.

Wie steckt sich mein Kind an?

Die mikroskopisch kleinen Wurmeier gelangen über Hände, Fingernägel, Spielzeug oder andere Gegenstände in den Mund. Besonders in Kindergärten und Familien können sie sich deshalb leicht verbreiten.

Durch das nächtliche Kratzen bleiben die Eier unter den Fingernägeln haften und gelangen später erneut in den Mund. So entsteht ein Kreislauf, durch den sich Kinder immer wieder selbst anstecken können.

Wichtig: Madenwürmer sind kein Zeichen mangelnder Sauberkeit. Auch in sehr gepflegten Familien kommen sie vor.

Diagnostik – der Klebestreifentest

Der Nachweis gelingt am besten mit einem einfachen Klebestreifentest. Dabei wird morgens, möglichst vor dem Waschen und Toilettengang, ein durchsichtiger Klebestreifen kurz auf die Hautfalten rund um den After gedrückt und anschließend auf einen Objektträger geklebt.

Diesen können wir in unserer Praxis mikroskopisch untersuchen. Eine genaue Anleitung und einen Objektträger erhalten Sie bei uns. Manchmal sind mehrere Untersuchungen notwendig.

Therapie – Medikamente und Hygiene

Die Behandlung erfolgt mit einem geeigneten Wurmmittel, z.B. Vermox (Mebendazol) über 3 Tage oder Helmex (Pyrantel), Sirup ab 6 Monate, einmalig, abhängig vom Alter des Kindes. 
Wichtig: Wiederholung der Behandlung nach zwei Wochen, um neu herangewachsene Würmer zu erfassen.

Bei wiederholten Infektionen kann eine weitere Behandlung erforderlich sein. Da sich Madenwürmer leicht innerhalb der Familie verbreiten, wird häufig empfohlen, alle Haushaltsmitglieder gleichzeitig mitzubehandeln. Das konkrete Vorgehen stimmen wir mit Ihnen ab.

Hygiene – so verhindern Sie die erneute Ansteckung

Medikamente allein reichen nicht immer aus. Da die Wurmeier in der Umgebung eine Zeit lang überleben können, helfen einige einfache Hygienemaßnahmen, den Ansteckungskreislauf zu unterbrechen.

Unsere wichtigsten Tipps:

  • Hände gründlich waschen, besonders nach dem Toilettengang und vor dem Essen.
  • Fingernägel kurz halten und Nägelkauen möglichst vermeiden.
  • Morgens den Po gründlich waschen, um über Nacht abgelegte Eier zu entfernen.
  • Unterwäsche täglich wechseln und Schlafwäsche regelmäßig waschen.
  • Bettwäsche und Handtücher häufiger wechseln, möglichst bei 60 °C waschen.
  • Bettwäsche nicht ausschütteln, damit sich Wurmeier nicht weiter verteilen.

Eine übertriebene Desinfektion der gesamten Wohnung ist nicht notwendig. Normale, sorgfältige Haushaltshygiene genügt in der Regel.

Spulwürmer

Spulwürmer (Ascaris lumbricoides) unterscheiden sich deutlich von Madenwürmern. Die Ansteckung erfolgt durch die Aufnahme von Wurmeiern aus verunreinigter Erde, ungewaschenem Gemüse oder belastetem Wasser.

In Deutschland sind solche Infektionen seltener; häufiger kommen sie nach Aufenthalten in Ländern mit unzureichenden hygienischen Bedingungen vor.

Nach der Aufnahme wandern die Wurmlarven zunächst durch den Körper, unter anderem durch die Lunge, bevor sie sich im Dünndarm zu erwachsenen Würmern entwickeln.

Viele Infektionen verlaufen ohne größere Beschwerden. Gelegentlich treten Bauchschmerzen, Übelkeit, Husten oder Appetitlosigkeit auf. Bei starkem Befall können ernstere Komplikationen entstehen.

Diagnostik – Untersuchung einer Stuhlprobe

Anders als bei Madenwürmern erfolgt der Nachweis normalerweise durch eine Stuhluntersuchung auf Wurmeier.

Dazu erhalten Sie in unserer Praxis oder Apotheke ein geeignetes Stuhlgefäß. Die Probe wird anschließend im Labor untersucht.

In frühen Infektionsstadien können noch keine Wurmeier im Stuhl nachweisbar sein. Bei entsprechendem Verdacht sind deshalb manchmal weitere Untersuchungen notwendig.

Therapie – gezielte Wurmbehandlung

Spulwürmer werden mit geeigneten Wurmmitteln behandelt, beispielsweise mit Mebendazol oder Albendazol. Die Behandlung dauert abhängig vom verwendeten Medikament einen bis mehrere Tage.

Eine routinemäßige Wiederholung nach zwei Wochen ist bei Spulwürmern normalerweise nicht erforderlich.

Auch die gleichzeitige Behandlung aller Familienmitglieder ist hier nicht üblich: Spulwurmeier müssen zunächst in der Umwelt heranreifen, bevor sie ansteckend werden. Eine unmittelbare Übertragung von Mensch zu Mensch findet daher nicht statt.

Vorbeugend helfen gründliches Händewaschen, sorgfältig gewaschenes Obst und Gemüse sowie ein hygienischer Umgang mit Erde und Sand.

Gut zu wissen

Madenwürmer: Kleine weiße Würmchen, typischerweise nächtlicher Juckreiz am Po. Nachweis durch Klebestreifentest. Wiederholungsbehandlung und sorgfältige Hygiene sind wichtig.

Spulwürmer: Deutlich größere Würmer, gelegentlich Bauchbeschwerden. Nachweis meist durch Stuhluntersuchung. Andere Ansteckungswege und Behandlung.

Beide Infektionen sind in der Regel gut behandelbar.

Wann sollten wir Ihr Kind untersuchen?

Wenn Sie Würmer entdecken oder Ihr Kind wiederholt über nächtlichen Juckreiz am Po klagt, helfen wir Ihnen gerne bei der Diagnose und Behandlung.

Eine zeitnahe Untersuchung ist besonders wichtig bei starken oder anhaltenden Bauchschmerzen, wiederholtem Erbrechen, deutlicher Gewichtsabnahme oder wenn trotz Behandlung weiterhin Würmer auftreten. Bei starken Bauchschmerzen mit aufgeblähtem Bauch und Erbrechen ist eine sofortige Abklärung erforderlich.

Wenn möglich, fotografieren Sie einen sichtbaren Wurm oder bringen Sie ihn in einem geeigneten, verschlossenen Gefäß mit. Das erleichtert uns die Unterscheidung der verschiedenen Wurmarten.

Würmer bei Kindern sind unangenehm, aber meist kein Grund zur Sorge. Besonders Madenwürmer gehören zu den häufigen und gut behandelbaren Infektionen im Kindesalter.

Mit dem richtigen Medikament, etwas Geduld und konsequenter Alltagshygiene lässt sich der Ansteckungskreislauf meist zuverlässig unterbrechen.

Und bitte machen Sie Ihrem Kind keine Vorwürfe: Wurminfektionen haben nichts mit mangelnder Körperpflege zu tun.

Wenn Sie unsicher sind, welche Würmer Ihr Kind hat oder wie Sie die Behandlung durchführen sollen, helfen wir Ihnen gerne über unseren Praxis-Chat oder in unserer Sprechstunde.

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