Sparen – aber an den richtigen Stellen

Warum unser Gesundheitswesen Reformen braucht ...

… und unsere Kinder geschützt werden müssen

Unser Gesundheitswesen wird immer teurer. Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung steigen – und trotzdem reicht das Geld nicht aus.

Dass wir etwas verändern müssen, steht für mich außer Frage.

Als Kinderarzt mit 30 Jahren Praxiserfahrung sehe ich viele Strukturen, die unnötig kompliziert und teuer geworden sind. Deshalb halte ich Reformen für richtig. Aber wir sollten sehr genau überlegen, wo wir sparen – und wo Sparen am Ende sogar teurer werden kann.

Nicht bei Kindern sparen!

Unser Gesundheitssystem kann effizienter werden

Deutschland hat mehr als 90 gesetzliche Krankenkassen mit jeweils eigenen Verwaltungen und Strukturen. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann hat deshalb vorgeschlagen, die Zahl der Krankenkassen deutlich zu reduzieren.

Auch an anderen Stellen gibt es Einsparpotenzial

  • Bürokratie bindet in Praxen und Kliniken enorme Arbeitszeit.
  • Untersuchungen werden teilweise doppelt durchgeführt.
  • Patienten landen in Notaufnahmen, obwohl sie ambulant behandelt werden könnten.
  • Und unser Nebeneinander von Arztpraxen, Kliniken und Krankenkassen ist häufig unnötig kompliziert.

Hier anzusetzen halte ich für richtig: Strukturen vereinfachen, Bürokratie abbauen und vorhandenes Geld besser einsetzen.

Wenn Beitragsgelder verloren gehen

Wie wichtig dabei gute Kontrolle ist, zeigt ein aktuelles Beispiel.

Bei mehreren gesetzlichen Krankenkassen stecken rund 1,1 Milliarden Euro Beitragsgelder in problematischen Finanzanlagen. . Ende 2025 waren bereits etwa 400 Millionen Euro verloren ("wertberichtigt").

Das sollte man weder dramatisieren noch kleinreden. Krankenkassen müssen Rücklagen verwalten und dürfen diese auch anlegen. Aber es sind die Beiträge von Versicherten und Arbeitgebern. Deshalb müssen für solche Anlagen besonders hohe Anforderungen an Sicherheit, Kontrolle und Transparenz gelten.

Mein Appell: Bevor wir notwendige medizinische Leistungen einschränken, sollten wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, unser vorhandenes Geld sicherer und effizienter einzusetzen.

Die großen Strukturen in den Blick nehmen

Auch die Verteilung der Gesundheitsausgaben verdient einen genaueren Blick.

Der größte einzelne Ausgabenbereich der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Krankenhäuser. Das bedeutet nicht, dass wir bei Kliniken einfach kürzen sollten – im Gegenteil: Wir brauchen leistungsfähige Krankenhäuser für schwer kranke Menschen.

Aber nicht jede medizinische Behandlung braucht ein Krankenhaus.

Eine starke ambulante Medizin kann viele Erkrankungen wohnortnah, persönlich und häufig kostengünstiger behandeln. Gute Arztpraxen sind deshalb nicht nur ein Kostenfaktor – sie können ein wichtiger Teil der Lösung sein.

Ausgerechnet bei unseren Kindern sparen?

Genau hier sehe ich einen Widerspruch.

Mit dem neuen GKV-Spargesetz werden ab 2027 auch die finanziellen Möglichkeiten der Arztpraxen stärker begrenzt. Davon werden sogar Vorsorgen, und Prävention betroffen sein.

Dabei sind Kinder nicht die Ursache der Finanzprobleme unseres Gesundheitswesens.

Vorsorgeuntersuchungen werden nicht beliebig durchgeführt. Ein Kind erhält seine jeweilige U-Untersuchung einmal im vorgesehenen Alter. Impfungen erfolgen nach klaren medizinischen Empfehlungen.

Hier wird nicht unnötig Medizin produziert – hier wird sinnvoll vorgebeugt.

Und Prävention wirkt langfristig: Eine früh erkannte Entwicklungsstörung, eine verhinderte Infektionskrankheit oder eine rechtzeitig behandelte chronische Erkrankung kann einem Kind viel Leid ersparen – und unserem Gesundheitssystem später erhebliche Kosten.

Deshalb unser Appell an die Politik: Vorsorge, Impfungen und ambulante Kindermedizin von den Sparmaßnahmen ausnehmen.

Nicht bei Kindern sparen!

Sparen und gute Medizin gehören zusammen

Wir Ärztinnen und Ärzte wollen nicht, dass immer mehr Geld in ein ineffizientes System fließt. Wir arbeiten wirtschaftlich und effektiv – jeden Tag.

Deshalb fordern wir Reformen

  • die Verwaltung vereinfachen,
  • Doppelstrukturen beseitigen,
  • Finanzrisiken der Krankenkassen kontrollieren,
  • Bürokratie reduzieren und
  • ambulante Versorgung stärken.

Falsch sind pauschale Sparmassnahmen dort, wo unmittelbar behandelt und vorgebeugt wird.

Denn eine vermeintliche Einsparung heute kann zur teuren Behandlung von morgen werden.
 

Gemeinsam für eine vernünftige Gesundheitspolitik

Es geht um ein Miteinander von Ärzten, Krankenkassen und Krankenhäusern. Wir brauchen alle. Es geht darum, die vorhandenen Beiträge möglichst sinnvoll für die Gesundheit der Menschen einzusetzen.

Und dabei sollten wir eines nicht vergessen: Kinder sind kein Sparposten.

Eine gute medizinische Versorgung in den ersten Lebensjahren ist eine Investition in Gesundheit, Entwicklung und Zukunft.

Unser Gesundheitswesen muss sparen. Aber bitte an den richtigen Stellen – und nicht auf dem Rücken unserer Kinder.

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