Krätzmilbe, Skabies

... wenn es nachts juckt

Die Diagnose Skabies, umgangssprachlich „Krätze", erschreckt viele Eltern. Dabei ist wichtig zu wissen: Skabies hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Die Krätzmilbe nutzt einfach das, was Familien ausmacht – Nähe, Kuscheln, gemeinsames Schlafen und engen Körperkontakt. Gerade deshalb breitet sie sich bei Kindern oft innerhalb der Familie oder in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten und Schule aus.

Die gute Nachricht: Skabies ist zwar lästig und hoch ansteckend, aber gut behandelbar. Entscheidend ist ein konsequentes Vorgehen mit gleichzeitiger Behandlung aller engen Kontaktpersonen.

Der quälende Juckreiz entsteht nicht durch die Milbe selbst. Er ist vor allem eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf Milbenbestandteile und Ausscheidungen. Deshalb kann der Juckreiz nach erfolgreicher Behandlung noch einige Wochen anhalten. Das bedeutet nicht, dass die Behandlung versagt hat. Entscheidend ist, ob neue Milbengänge, neue typische Knötchen oder neue Erkrankungen in der Familie auftreten.

Was ist Skabies?

Die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei) ist ein winziges Spinnentier, das sich in die oberste Hautschicht eingräbt. Dort legt das Milbenweibchen Eier ab. Unser Immunsystem reagiert auf die Milben, Eier und Ausscheidungen mit einer Entzündungsreaktion der Haut.

Typisch sind:

  • starker nächtlicher Juckreiz
  • kleine rote Knötchen
  • Kratzspuren
  • ekzemartige Hautentzündungen

Besonders nachts im warmen Bett wird der Juckreiz oft quälend. Viele Kinder schlafen dadurch schlecht, wirken gereizt oder unruhig.

Wie erfolgt die Ansteckung?

Die Übertragung geschieht meist durch längeren engen Hautkontakt – etwa beim Kuscheln, gemeinsamen Schlafen, Tragen oder Pflegen kleiner Kinder. Ein kurzer Händedruck reicht normalerweise nicht aus.

Auch Bettwäsche, Kleidung, Schlafsäcke oder Kuscheltiere können kurzfristig eine Rolle spielen. 

Gut zu wissen: 

Die Milbe überlebt außerhalb des Körpers nur wenige Tage. Deshalb geht es zuhause nicht um übertriebene Desinfektion, sondern um gezielte Hygienemaßnahmen.

Beachte:

Bei Kindern sieht Skabies nicht immer typisch aus. Häufig denken Eltern zunächst an Neurodermitis, trockene Haut oder eine Allergie. 
Hellhörig sollte man werden, wenn:

  • mehrere Familienmitglieder jucken
  • der Juckreiz nachts besonders stark ist
  • Fingerzwischenräume oder Handgelenke betroffen sind
  • Kinder sich wund kratzen oder schlecht schlafen

Wichtigste Behandlungsregel:

Immer alle Kontaktpersonen gleichzeitig behandeln

Das ist entscheidend für den Erfolg der Therapie. Wird nur das betroffene Kind behandelt, stecken sich Familienmitglieder häufig gegenseitig erneut an.

Deshalb sollten gleichzeitig mitbehandelt werden:

  • Eltern
  • Geschwister
  • enge Betreuungspersonen
  • Partner bei Jugendlichen

Merke: „Immer die gesamte Familie behandeln, auch beide Eltern!"

Praxismerkblatt Skabies

Permethrin-Creme

Standardtherapie bei Kindern ist meist Permethrin 5 % - Creme. Sie wird sorgfältig auf die Haut aufgetragen und bleibt gewöhnlich über Nacht einwirken.

Wichtig ist die gründliche Anwendung:

Die Creme darf nicht nur auf sichtbare Hautstellen aufgetragen werden. Auch unauffällige Hautbereiche müssen mitbehandelt werden, da sich dort bereits Milben befinden können.

Besonders sorgfältig behandelt werden:

  • Finger- und Zehenzwischenräume, Handgelenke, Achseln, Bauchnabel, Gesäßfalte und Genitalbereich.
  • Bei Babys und Kleinkindern zusätzlich oft auch:
    Kopfhaut, Hals, hinter den Ohren, Handflächen und Fußsohlen.
  • Nach dem Händewaschen müssen die Hände erneut eingecremt werden.

Wiederholung der Therapie nach etwa 7–14 Tagen, um nachgeschlüpfte Milben sicher zu erfassen.

Ivermectin

Ivermectin wird bei Kindern nicht beliebig eingesetzt. Üblich ist sie vor allem bei größeren Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Ausbrüchen, wiederholtem Therapieversagen oder wenn eine äußerliche Behandlung praktisch kaum durchführbar ist.

Bei Kindern unter 15 kg ist Ivermectin besonders sorgfältig zu prüfen und nicht als Standard zugelassen bzw. nur off-label zu betrachten. Die CDC weist darauf hin, dass die Sicherheit von Ivermectin bei Kindern unter 15 kg nicht ausreichend gesichert ist. Das pädiatrische Positionspapier nennt Ivermectin bei Kindern unter 15 kg ebenfalls als off-label-Situation.

Skabies bei Babys

Bei Babys stehen weniger sichtbare Milbengänge im Vordergrund, sondern eher:

  • Unruhe
  • schlechter Schlaf
  • Trinkprobleme
  • entzündete oder nässende Haut
  • starkes Kratzen am Kopf oder Gesicht

Wichtig: 

Bei Säuglingen können auch Kopfhaut, Gesicht, Hals, Handflächen und Fußsohlen betroffen sein. Die Creme muss besonders sorgfältig und altersgerecht angewendet werden. Augen und Mund werden ausgespart. Nach dem Waschen oder starkem Lutschen an den Händen muss dort oft erneut nachgecremt werden.

Die empfindliche Babyhaut reagiert nach der Therapie häufig noch längere Zeit trocken oder ekzemartig. Das ist meist Ausdruck der Hautheilung und nicht automatisch Zeichen einer weiterbestehenden Ansteckung.

Hygienemaßnahmen zuhause

Wichtig ist vor allem alles, was engen Körperkontakt hatte.

Bettwäsche, Schlafanzüge, Unterwäsche, Handtücher und Kuscheltextilien sollten möglichst bei 50–60 °C gewaschen werden. Nicht waschbare Gegenstände wie Kuscheltiere oder Schuhe können für mehrere Tage in einem verschlossenen Plastiksack gelagert werden.

Polstermöbel und Matratzen müssen nicht entsorgt werden. Gründliches Absaugen genügt. 

Praxismerkblatt Skabies

Kindergarten, Schule und Gemeinschaftseinrichtung

Bei Skabies gelten die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes § 34 IfSG. Kinder mit Verdacht auf oder gesicherter Skabies dürfen Gemeinschaftseinrichtungen zunächst nicht besuchen. Die Einrichtung muss informiert werden. Wann das Kind zurückkehren darf, entscheidet ärztlich bzw. nach den Vorgaben des Gesundheitsamtes.

Nach aktuellen Empfehlungen ist ein Besuch meist wieder möglich, wenn die erste ordnungsgemäße Behandlung abgeschlossen wurde, bei Tablettenbehandlung in der Regel 24 Stunden nach Einnahme, sofern keine Scabies crustosa vorliegt.

Eltern brauchen eine Bescheinigung und die Behandlungsanleitung der Praxis:

Praxismerkblatt Skabies

 

Skabies ist unangenehm, aber beherrschbar. Familien mit kleinen Kindern erleben die Erkrankung oft als belastend, weil Schlaf, Nähe und Alltag plötzlich verunsichert sind. Mit einer ruhigen medizinischen Strategie lässt sich die Krätzmilbe jedoch zuverlässig beseitigen.

Wichtig sind: die konsequente Mitbehandlung enger Kontaktpersonen, gezielte Hygienemaßnahmen und etwas Geduld bei der Hautheilung.

Bei Unsicherheiten stehen wir jederzeit zur Verfügung, im Praxis-Chat oder in der Sprechstunde

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