Haarausfall bei Kindern und Jugendlichen

... wenn plötzlich mehr Haare in der Bürste bleiben

Haare im Waschbecken, auf dem Kopfkissen oder beim Bürsten: Wenn Kinder und Jugendliche plötzlich vermehrt Haare verlieren, sind die Sorgen oft groß. Besonders in der Pubertät kann das sehr belastend sein.

Dabei ist Haarausfall nicht automatisch ein Zeichen einer Erkrankung. Unsere Haare unterliegen einem natürlichen Wachstumszyklus. Hormonelle Veränderungen, Wachstumsschübe, Jahreszeiten, Infekte oder körperliche Belastungen können diesen Rhythmus vorübergehend beeinflussen.

Die gute Nachricht: In den meisten Fällen wächst das Haar wieder nach. Manchmal stecken allerdings behandelbare Ursachen dahinter, die wir in unserer Praxis gezielt abklären können.

Warum fallen Haare aus?

... ein ständiger Wechsel zwischen Wachsen und Ruhen

Jedes einzelne Haar durchläuft einen eigenen Lebenszyklus: Es wächst mehrere Jahre, legt anschließend eine Ruhepause ein und fällt schließlich aus. Gleichzeitig wächst aus derselben Haarwurzel bereits ein neues Haar nach. Deshalb verlieren auch gesunde Menschen täglich Haare – häufig etwa 50 bis 100, mit erheblichen individuellen Schwankungen.

Manchmal wechseln vorübergehend besonders viele Haarwurzeln gleichzeitig in die Ruhephase. Dann fallen einige Wochen bis Monate später auffallend viele Haare aus. Medizinisch sprechen wir von einem telogenen Effluvium.

Typische Auslöser sind:

  • Wachstum und hormonelle Umstellungen, besonders in der Pubertät
  • fieberhafte Infekte oder andere körperliche Belastungen
  • psychischer Stress und Schlafmangel
  • ausgeprägte Ernährungsumstellungen oder Gewichtsverlust
  • möglicherweise auch jahreszeitliche Schwankungen

Die Haare werden dabei meist am gesamten Kopf gleichmäßig dünner, ohne dass einzelne kahle Stellen entstehen.

Gut zu wissen:

Häufig zeigt sich der vermehrte Haarausfall erst zwei bis drei Monate nach einem Infekt oder einer Belastung. Sobald sich der Haarzyklus normalisiert, wachsen die Haare meistens von selbst wieder nach. Das braucht allerdings Geduld.

Wenn dem Körper etwas fehlt

... mögliche Ursachen erkennen und gezielt behandeln

Manchmal ist vermehrter Haarausfall ein Hinweis darauf, dass der Stoffwechsel oder die Versorgung der Haarwurzeln beeinträchtigt ist. Zu den möglichen Ursachen gehören insbesondere:

  • Eisenmangel, manchmal auch ohne ausgeprägte Blutarmut
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen, beispielsweise eine Unterfunktion
  • Zinkmangel oder andere relevante Nährstoffdefizite
  • einseitige Ernährung, Essstörungen oder deutlicher Gewichtsverlust
  • bestimmte Medikamente oder chronische Erkrankungen

Bei Jugendlichen können außerdem hormonelle Veränderungen und eine familiäre Veranlagung zu einer allmählichen Ausdünnung der Haare führen.

Wie untersuchen wir das in unserer Praxis?

Wir beurteilen zunächst das Haarwachstum, die Kopfhaut und den zeitlichen Verlauf. Besonders wichtig sind vorausgegangene Infekte, die Ernährung, mögliche Medikamente und die familiäre Veranlagung.

Bei entsprechendem Verdacht ergänzen wir gezielte Laboruntersuchungen, beispielsweise Blutbild, Ferritin, Schilddrüsenwerte oder Zink.

Unser Grundsatz:

Erst die Ursache suchen, dann behandeln. Nahrungsergänzungsmittel und Haarwuchspräparate sind ohne nachgewiesenen Mangel nicht sinnvoll.

Kreisrunder Haarausfall – Alopecia areata

... wenn plötzlich kahle Stellen entstehen

Anders als beim allgemeinen Haarausfall entstehen bei der Alopecia areata meist plötzlich eine oder mehrere rundliche, scharf begrenzte kahle Stellen. Die Kopfhaut sieht dabei gewöhnlich gesund aus: Sie ist glatt, ohne auffällige Schuppen oder Entzündungen.

Ursache ist eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems. Die körpereigene Abwehr richtet sich vorübergehend gegen die Haarwurzeln und unterbricht deren Wachstum. Eine familiäre Veranlagung und andere Autoimmunerkrankungen können eine Rolle spielen. Auch psychische Belastungen werden gelegentlich als Auslöser beschrieben, sind aber keineswegs die alleinige Ursache.

Wichtig für Eltern: Die Haarwurzel wird normalerweise nicht dauerhaft zerstört. Deshalb können die Haare wieder nachwachsen.

Behandlung kahler Stellen (Alopecia areata)

Bei kleineren Stellen beginnt häufig innerhalb einiger Monate eine spontane Erholung des Haarwachstums.

Je nach Ausprägung und Verlauf kommen entzündungshemmende Medikamente, insbesondere kortisonhaltige Lösungen oder Cremes, infrage. Bei ausgeprägtem Haarausfall stehen in spezialisierten Hautkliniken weitere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Manchmal verläuft die Erkrankung allerdings schubweise und kann erneut auftreten. Alopecia areata ist kein Zeichen mangelnder Pflege. Gerade bei älteren Kindern und Jugendlichen nehmen wir auch die seelische Belastung ernst.

Haarausfall durch Hautpilze

... häufig bei Kindern und gut behandelbar

Eine wichtige und gut behandelbare Ursache umschriebenen Haarausfalls ist die Tinea capitis, eine Pilzinfektion der Kopfhaut. Sie kommt besonders im Kindergarten- und Grundschulalter vor und kann durch Kontakt zu anderen Kindern oder infizierten Tieren übertragen werden.

Typische Zeichen:

  • rundliche Stellen mit abgebrochenen Haaren
  • schuppige, manchmal gerötete Kopfhaut
  • gelegentlich Juckreiz oder kleine Pusteln
  • bei stärkerer Entzündung schmerzhafte Schwellungen

Eine Pilzinfektion der Kopfhaut ist gut behandelbar. Wir setzen in unserer Praxis zunächst häufig spezielle pilzhemmende Lösungen für die Kopfhaut ein, mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben. Bei einer nachgewiesenen Tinea capitis mit Befall der Haarwurzeln sind zusätzlich Pilzmedikamente zum Einnehmen notwendig, da äußerliche Lösungen allein die Erreger nicht zuverlässig beseitigen. Die Diagnose sichern wir durch eine Untersuchung von Haaren und Hautschuppen auf Pilzerreger.

Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig, weil ausgeprägte Entzündungen zu bleibenden Haarschäden führen können.

Was können Sie zuhause tun?

Vor allem: Ruhe bewahren! Vermehrter Haarausfall bedeutet nicht zwangsläufig, dass Ihr Kind krank ist. Eine abwechslungsreiche Ernährung, ausreichend Schlaf und ein möglichst entspannter Alltag unterstützen die allgemeine Gesundheit und damit auch das Haarwachstum.

Unsere Tipps:

  • Haare sanft pflegen und nicht unnötig stark ziehen.
  • Sehr straffe Zöpfe und belastende Frisuren vermeiden.
  • Auf aggressive Haarbehandlungen verzichten.
  • Keine hoch dosierten Nahrungsergänzungsmittel ohne nachgewiesenen Mangel einnehmen.
  • Bei sichtbaren kahlen Stellen oder anhaltendem Haarverlust die Ursache ärztlich abklären lassen.

Stellen Sie Ihr Kind zeitnah vor, wenn kahle Stellen entstehen, die Kopfhaut gerötet oder schuppig ist, Haare büschelweise ausfallen oder weitere Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtsverlust oder Leistungsknick hinzukommen.

Haarverlust bedeutet nicht gleich Haarerkrankung! Unsere Haare unterliegen einem natürlichen Wechselspiel aus Wachstum, Ruhe und Erneuerung. Gerade bei Kindern und Jugendlichen können körperliche Entwicklung, hormonelle Veränderungen oder vorausgegangene Infekte diesen Rhythmus vorübergehend beeinflussen.
Die meisten Formen des diffusen Haarausfalls sind vorübergehend und bilden sich wieder zurück.
Bei stärkerem oder länger anhaltendem Haarverlust prüfen wir in unserer Praxis mögliche Ursachen wie Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen oder andere Stoffwechselveränderungen.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) und einer Pilzinfektion der Kopfhaut (Tinea capitis), da beide Erkrankungen unterschiedlich behandelt werden.

Keine Panik. Mit einer gezielten Untersuchung, etwas Geduld und gegebenenfalls der richtigen Behandlung lässt sich vielen Kindern gut helfen.

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