Sparen auf dem Rücken unserer Kinder?

Was das neue GKV-Spargesetz für Familien bedeutet

Das neue GKV-Spargesetz soll die Ausgaben im Gesundheitswesen begrenzen. Ab 2027 trifft das auch die ambulante Versorgung – also Hausarzt-, Facharzt- und Kinderarztpraxen.

Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sollen den Praxen 2027 rund drei Milliarden Euro weniger zur Verfügung stehen. Das entspricht rechnerisch einer Kürzung von etwa 46 Millionen Behandlungsfällen.

Was nach unbedeutender Gesundheitspolitik klingt, wird ganz praktische Folgen haben – auch für unsere Familien.

Sparen – aber an den richtigen Stellen
  

Das Wichtigste vorweg:

Akut kranke Kinder und medizinische Notfälle werden wir selbstverständlich weiterhin versorgen. Aber wir werden unser zusätzliches Termin- und Leistungsangebot stärker daran anpassen müssen, was die gesetzlichen Krankenkassen tatsächlich finanzieren.

Vorsorgen sind keine Kostentreiber

Prävention ist eine der sinnvollsten Investitionen überhaupt: 
Was wir früh in Gesundheit, Prävention und Entwicklung investieren, zahlt sich oft ein Leben lang aus. Dass die neuen Sparmassnahmen auch Vorsorgen und Prävention treffen sollen ist fatal. 

Vorsorgeuntersuchungen werden ja nicht beliebig häufig durchgeführt. Es ist gesetzlich festgelegt, dass edes Kind die altersgemäße Vorsorgeuntersuchung nur einmal im vorgesehenen Alter erhält. Auch Impfungen erfolgen nach klaren medizinischen Empfehlungen.

Kinder-Vorsorgen sind keine Kostentreiber – sondern gute Kindermedizin. 
  

Mehr leisten - weniger bekommen? 😯

Eine Besonderheit der neuen gesetzlichen Regelung: Behandelt eine Praxis mehr Patienten als im Vorjahr, können bei zusätzlichen Leistungen Vergütungsabschläge greifen.

Für eine Kinderarztpraxis ist das schwierig. 

Eine Infektions- oder Grippewelle, ein Anstieg der Geburtenzahl oder die Schließung einer anderen Praxis können die Patientenzahl innerhalb kurzer Zeit deutlich erhöhen.

Gleichzeitig entstehen für uns reale Mehrkosten: mehr Personal, mehr Arbeitszeit, mehr Räume und mehr Organisation.

Wir können einem kranken Kind aber nicht sagen: „Dieses Jahr haben wir schon zu viele Kinder behandelt.“

Fatal. Die bewusste Begrenzung zusätzlicher Leistungen trifft große und leistungsstarke Praxen besonders.
  

Unser Rundum-Service

Viele Familien kennen uns seit Jahren und wissen, dass wir mehr als die klassische Sprechstunde anbieten.

Ein gutes Beispiel ist unser sehr beliebter Praxis-Chat. Dort beantworten wir täglich medizinische Fragen, beurteilen Beschwerden und können Familien häufig schnell weiterhelfen. Eine eigene Finanzierung für diesen zusätzlichen Service gibt es nicht.

Ähnlich ist es bei den zahlreichen Fragen, die eigentlich andere Fachgebiete betreffen: Hautprobleme, Augenbeschwerden, orthopädische Fragen, HNO-Probleme und vieles mehr. Wir wissen, dass Familien auf einen Facharzttermin stets lange warten müssen. Deshalb versuchen wir auch hier unkompliziert und rasch weiterzuhelfen.

Für diese zusätzlichen Hilfen gibt es keine eigene angemessene Vergütung. Bisher haben wir diesen Service trotzdem gerne angeboten. Unter zunehmendem finanziellen Druck wird es schwieriger, diesen Rundum-Service in seinem bisherigen Umfang aufrechtzuerhalten.

Unser Service ist bedroht

Wir möchten nicht an der Qualität der Behandlung sparen. Wenn aber weniger Versorgung finanziert wird, während unsere Kosten weiter steigen, müssen wir an anderer Stelle reagieren.

Das kann bedeuten, dass es weniger zusätzliche Termine für planbare Anliegen gibt, Vorsorgetermine früher vereinbart werden müssen und wir stärker danach unterscheiden müssen, welche Anliegen wirklich einen kurzfristigen Arztkontakt benötigen. Auch freiwillige Zusatzleistungen und fachfremde Beratungen werden wir möglicherweise nicht mehr immer im gewohnten Umfang übernehmen können.

Das fällt uns schwer, weil genau diese unkomplizierte Rundumversorgung unsere Praxis über viele Jahre ausgezeichnet hat.

Wir brauchen Ihr Verständnis

Wir informieren Sie darüber bewusst frühzeitig. Wenn ein gewünschter Termin einmal nicht möglich ist oder wir bei einer zusätzlichen Leistung Grenzen setzen müssen, bedeutet das nicht weniger Hilfsbereitschaft.

Besonders helfen Sie uns, wenn Sie Vorsorgetermine früh vereinbaren, nicht benötigte Termine absagen und mehrere Fragen möglichst bündeln.

Und eine Bitte ist uns besonders wichtig
Lassen Sie möglichen Ärger über fehlende Termine bitte nicht an unseren Mitarbeiterinnen aus. Unser Team versucht jeden Tag, für unsere Familien Lösungen zu finden. Die politischen Rahmenbedingungen entstehen nicht an unserer Anmeldung.

Seit 30 Jahren steht unsere Praxis für eine Kinder- und Jugendmedizin mit Zeit, Sorgfalt und persönlicher Zuwendung. Wir werden auch unter schwierigeren Bedingungen dafür kämpfen, eine hochwertige Kinder- und Jugendmedizin zu erhalten.

Deshalb bitten wir Sie, unsere Familien, um Verständnis und Solidarität, und ein klares Votum gegenüber Politik und Krankenkassen: Gerechtes Honorar für gute Medizin. Zeit für Kinder. 

… für eine Kinderarztpraxis, die auch morgen noch zuverlässig für ihre Familien da ist.

Sparen ja – aber an den richtigen Stellen!

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