Hausstaubmilbenallergie bei Kindern

... wenn das eigene Bett die Nase reizt

Ihr Kind wacht morgens mit verstopfter Nase auf, muss häufig niesen oder hustet nachts immer wieder? Vielleicht sind die Beschwerden im Winter besonders ausgeprägt, obwohl gar keine Erkältung vorliegt?

Dahinter kann eine Hausstaubmilbenallergie stecken – eine der häufigsten Allergien im Kindes- und Jugendalter.

Die winzigen Hausstaubmilben leben praktisch in jedem Haushalt. Sie sind harmlos und haben nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun. Allerdings kann das Immunsystem empfindlicher Kinder auf ihre Ausscheidungen allergisch reagieren. Mit einigen gezielten Veränderungen im Schlafzimmer und einer passenden Behandlung lassen sich die Beschwerden meist deutlich lindern.

Unsichtbare Mitbewohner in unserem Zuhause

... was sich in Matratzen, Teppichen und Kuscheltieren versteckt

Hausstaubmilben sind mikroskopisch kleine Spinnentiere, die sich von abgestorbenen menschlichen Hautschuppen ernähren.

Sie lieben ein warmes, feuchtes Klima und fühlen sich deshalb besonders in Matratzen, Bettdecken, Kopfkissen und Polstermöbeln wohl. Nicht die Milben selbst verursachen die Allergie, sondern vor allem Eiweißbestandteile aus ihren Ausscheidungen. Diese vermischen sich mit dem Hausstaub und gelangen beim Bewegen der Bettwäsche oder beim Staubsaugen in die Atemluft.

Bei allergischen Kindern verwechselt das Immunsystem diese eigentlich harmlosen Eiweiße mit Eindringlingen. Es setzt Botenstoffe wie Histamin frei – die Schleimhäute schwellen an und produzieren vermehrt Sekret.Die Folge sind Schnupfen, Niesen, Augenjucken und manchmal auch Husten oder Atembeschwerden.

Gut zu wissen:

Hausstaubmilbenallergien bestehen meist ganzjährig. Besonders auffällig sind die Beschwerden häufig nachts, morgens nach dem Aufstehen und während der Heizperiode.

Das Kinderzimmer

... hilfreiche Maßnahmen

Da Kinder viele Stunden im Bett verbringen, beginnen wir mit den wichtigsten Maßnahmen im Schlafzimmer.

Unsere Empfehlungen:

  • Matratze, Kopfkissen und Bettdecke: Bei nachgewiesener Allergie können spezielle milbendichte Schutzbezüge (Encasings) die Allergenbelastung vermindern.
  • Bettwäsche: Möglichst regelmäßig bei 60 °C waschen.
  • Kuscheltiere: Waschbare Lieblingskuscheltiere bevorzugen und regelmäßig reinigen.
  • Raumklima: Schlafzimmer eher kühl halten, regelmäßig lüften und dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit vermeiden.
  • Staubfänger: Teppiche, schwere Vorhänge und überflüssige Polstermöbel nach Möglichkeit reduzieren.
  • Reinigung: Feucht Staub wischen und möglichst einen Staubsauger mit geeignetem HEPA-Filter verwenden.

Dabei kommt es auf ein vernünftiges Maß an. Sie müssen weder das gesamte Kinderzimmer ausräumen noch täglich eine Großreinigung veranstalten.

Encasings

– ein guter Schutz für Allergiker

Encasings sind spezielle milbendichte Schutzbezüge für Matratzen, Kopfkissen und Bettdecken. Sie reduzieren den Kontakt mit Milbenallergenen und können so die Beschwerden lindern.

Unsere Empfehlung: Besonders bei älteren, stark mit Milben belasteten Matratzen lohnt es sich, gleichzeitig in eine neue, gut belüftete Kaltschaummatratze und waschbare Allergiker-Bettwäsche zu investieren. So schaffen Sie möglichst günstige Voraussetzungen für ein allergenarmes Bett. Encasings sind allerdings auch bei älteren Matratzen wirksam.

Bei nachgewiesener Hausstaubmilbenallergie übernehmen viele gesetzliche Krankenkassen die Kosten für Encasings ganz oder teilweise. Die entsprechenden Anträge und Verordnungen erhalten Sie in unserer Praxis.

Medikamente

die Schleimhäute zur Ruhe bringen

Wenn die Allergie den Schlaf, die Nasenatmung oder den Alltag beeinträchtigt, stehen gut wirksame Medikamente zur Verfügung.

Antihistaminika können Niesen, Nasenlaufen und Augenjucken lindern. Sie sind als altersgerechte Tropfen, Säfte oder Tabletten erhältlich.

Bei einer dauerhaft verstopften Nase sind kortisonhaltige Nasensprays häufig besonders wirksam. Sie behandeln direkt die allergische Entzündung der Nasenschleimhaut und sind bei richtiger Anwendung meist gut verträglich.

Auch Kochsalz-Nasensprays oder Nasenspülungen können die Schleimhäute pflegen und Allergene entfernen.

Entscheidend ist, dass wir die Behandlung an den Beschwerden Ihres Kindes ausrichten.

Hyposensibilisierung

– die Allergie an der Wurzel behandeln

... das Immunsystem kann umlernen

Während Medikamente vor allem die Beschwerden lindern, setzt die allergenspezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) direkt an der Ursache an. Dabei wird das Immunsystem über einen längeren Zeitraum wiederholt mit genau dosierten Mengen des auslösenden Allergens konfrontiert. Es soll lernen, auf die eigentlich harmlosen Milbenbestandteile gelassener zu reagieren. Die Behandlung dauert gewöhnlich drei Jahre und kann die allergischen Beschwerden langfristig vermindern.  Das Allergen wird in kontrollierter Dosierung unter die Haut gespritzt. Die Behandlung erfolgt regelmäßig in unserer Praxis und wird ärztlich überwacht.

Wann die Behandlung sinnvoll ist, hängt vom Alter, den Beschwerden, der Allergiediagnostik und der persönlichen Situation ab. Gerade bei ausgeprägten, ganzjährigen Beschwerden oder begleitendem allergischem Asthma prüfen wir frühzeitig, ob eine Hyposensibilisierung infrage kommt.

Gut zu wissen:

Eine Hyposensibilisierung kann nicht nur die Beschwerden lindern, sondern bei geeigneten Patienten auch den Bedarf an Allergiemedikamenten verringern. Sie ist allerdings nicht bei jedem Kind notwendig oder gleichermaßen wirksam.

Hausstaubmilbenallergie und Asthma bronchiale

... frühzeitig behandeln, die Bronchien schützen!

Nase und Bronchien bilden ein zusammenhängendes Atemwegssystem. Deshalb kann eine Hausstaubmilbenallergie nicht nur Schnupfen, sondern auch eine chronische Entzündung der Bronchien (Asthma bronchiale) auslösen oder verstärken.

Eine frühzeitige und konsequente Allergiebehandlung ist deshalb besonders wichtig! Die Reduktion der Milbenbelastung, eine wirksame Behandlung der allergischen Entzündung und gegebenenfalls eine Hyposensibilisierung können Beschwerden lindern und zur besseren Asthmakontrolle beitragen.

Wenn Ihr Kind nachts häufig hustet, beim Sport pfeifend atmet oder schnell außer Atem gerät, sollten wir auch die Bronchien untersuchen.

Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen

Gut zu wissen:

Gerade bei Kindern mit allergischem Asthma kann eine gezielte Behandlung der Hausstaubmilbenallergie ein wichtiger Bestandteil der langfristigen Asthmatherapie sein.

Hausstaubmilben gehören zu unserer natürlichen Wohnumgebung. Wir können und müssen sie nicht vollständig beseitigen. Entscheidend ist, die Allergenbelastung sinnvoll zu reduzieren, die entzündeten Schleimhäute zu behandeln und bei ausgeprägten Beschwerden eine Hyposensibilisierung zu erwägen. Mit gezielten Maßnahmen im Schlafzimmer, modernen Allergiemedikamenten und einer individuell abgestimmten Betreuung lässt sich eine Hausstaubmilbenallergie meist gut kontrollieren.

Unser Rat: Keine übertriebene Hygiene, sondern einige wirksame Veränderungen, die sich dauerhaft in den Familienalltag integrieren lassen. Unser Ziel: Ein Kind, das nachts ruhig schläft, morgens frei durchatmet und seinen Alltag möglichst ohne Allergiebeschwerden genießen kann.

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