Mundsoor bei Babys und Kleinkindern

Weiße Beläge im Mund

– meist harmlos und gut behandelbar

Weiße Beläge auf der Zunge, an den Wangen oder am Gaumen gehören zu den häufigsten Auffälligkeiten im Säuglingsalter. Die gute Nachricht: Mundsoor ist in den allermeisten Fällen eine harmlose und gut behandelbare Pilzinfektion der Mundschleimhaut.

Typisch sind weißliche, teils krümelige Beläge auf Zunge, Wangenschleimhaut, Lippeninnenseite oder Gaumen. Manche Babys trinken etwas schlechter oder wirken beim Stillen unruhiger, viele zeigen jedoch kaum Beschwerden.

Warum entsteht Mundsoor?

Verursacher ist meist der Hefepilz Candida albicans. Dieser kommt natürlicherweise auf Haut und Schleimhäuten vieler gesunder Menschen vor. Im Babyalter befindet sich die natürliche Mund- und Darmflora noch im Aufbau. Dadurch können sich Candida-Pilze vorübergehend leichter vermehren.

Da Mundhöhle, Darm und Windelbereich eng miteinander verbunden sind, beobachten wir nicht selten gleichzeitig Mundsoor und Windelsoor.

Warum Babys besonders häufig betroffen sind

In den ersten Lebensmonaten befindet sich die natürliche Besiedlung von Haut, Mund und Darm noch im Aufbau. Die schützende bakterielle Flora ist noch nicht vollständig entwickelt und das Immunsystem befindet sich gewissermaßen in der „Ausbildung“.

Diese physiologische Unreife macht es den Candida-Pilzen leichter, sich vorübergehend zu vermehren.

Milchzunge oder Mundsoor?

MerkmalMilchzungeMundsoor
LokalisationNur auf der ZungeZunge, Wangen, Lippen oder Gaumen
HaftungLocker aufliegendHaftet fest an der Schleimhaut
Schleimhaut darunterRosigOft gerötet
BeschwerdenKeineMöglich
TrinkverhaltenNormalHäufig empfindlich oder unruhig
BehandlungNicht notwendigMeist sinnvoll

Gut zu wissen

Ein weißer Belag nur auf der Zunge ist im Säuglingsalter meist harmlos und entsteht durch Milchreste, Speichel und die normale Mundflora. Verdächtig auf Mundsoor werden die Beläge vor allem dann, wenn sie auch an den Wangen, an der Lippeninnenseite oder am Gaumen haften, sich nur schwer entfernen lassen und Ihr Baby beim Trinken Beschwerden zeigt.

Merke

👉 Milchzunge = nur Zunge
👉 Mundsoor = Zunge plus Wangen, Lippen oder Gaumen

Behandlung des Mundsoors

– konsequent und ausreichend lange

Mundsoor lässt sich meist rasch und zuverlässig behandeln. Wichtig ist vor allem die regelmäßige Anwendung (in der Regel fünfmal täglich) und eine ausreichend lange Therapiedauer.

Die Behandlung sollte in der Regel mindestens drei Tage über das vollständige Verschwinden der sichtbaren Beläge hinaus fortgeführt werden.

Tropfen oder Haftgel

Tropfen oder Suspensionen verteilen sich in der Mundhöhle und werden anschließend geschluckt. Sie können dadurch zusätzlich im oberen Magen-Darm-Trakt wirken. Die Gabe erfolgt idealerweise vor einer Mahlzeit.

Haftgele bleiben länger auf den betroffenen Schleimhautstellen haften und wirken besonders intensiv direkt vor Ort. Sie werden am besten nach einer Mahlzeit aufgetragen.

Entscheidend ist weniger die Wahl des Präparates als die konsequente Anwendung.

Nicht jeder Belag braucht Medikamente

So wirksam Antimykotika bei einem echten Mundsoor sind, so wenig sinnvoll ist ihr vorbeugender oder dauerhafter Einsatz. 
Viele Babys haben lediglich eine harmlose Milchzunge. Antimykotika sollten deshalb gezielt eingesetzt werden:

  • bei gesichertem Mundsoor
  • in ausreichender Dosierung (5 x tägl.)
  • über die empfohlene Behandlungsdauer

Ein unnötiger oder wiederholter Einsatz ohne klare Diagnose ist meist nicht sinnvoll.

Gut zu wissen

Das Ziel der Behandlung ist nicht die vollständige Keimfreiheit der Mundhöhle. Candida-Pilze kommen bei vielen gesunden Menschen natürlicherweise vor. Ziel ist vielmehr, die übermäßige Vermehrung zurückzudrängen und das natürliche Gleichgewicht von Mundflora, Schleimhaut und Immunsystem wiederherzustellen. Dies gelingt meist innerhalb weniger Tage zuverlässig.

Vorbeugung

– die natürliche Flora stärken

Die beste Vorbeugung besteht nicht in möglichst viel Desinfektion, sondern im Aufbau einer gesunden Mund- und Darmflora.

Hilfreich:

  • Stillen, wenn möglich
  • unnötige Antibiotikatherapien vermeiden
  • altersgerechte Ernährung
  • normale Umweltkontakte zulassen
  • übertriebene Hygiene vermeiden

Prä- oder Probiotika können nach Antibiotikatherapien oder bei wiederkehrenden Pilzproblemen im Einzelfall sinnvoll sein.

Immunstärkung

Bei einer Pilzinfektion gelten andere Regeln

Während eines akuten Mundsoors sollten Schnuller, Sauger, Stillhütchen und Beißringe regelmäßig gereinigt werden. Bei gestillten Kindern sollten auch die Brustwarzen der Mutter kontrolliert und gegebenenfalls mitbehandelt werden.

Nach erfolgreicher Behandlung darf anschließend wieder ein normaler und entspannter Umgang mit Hygiene erfolgen.

Merke:

Eine gesunde Keimflora entsteht nicht durch Sterilität, sondern durch ein natürliches Gleichgewicht der Mikroorganismen

Während einer akuten Pilzinfektion sind gezielte Hygienemaßnahmen sinnvoll – dauerhaft übertriebene Desinfektion hingegen meist nicht.

Mundsoor gehört zu den häufigsten Pilzinfektionen im Säuglingsalter. Ursache ist meist nicht mangelnde Hygiene, sondern die noch unreife Mund- und Darmflora. Die Erkrankung ist harmlos, gut behandelbar und heilt bei konsequenter Therapie meist rasch ab.

Wie so oft in der Kinderheilkunde ist nicht Keimfreiheit das Ziel, sondern ein gesundes Gleichgewicht der natürlichen Mikroorganismen.

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