Obstruktive Bronchitis

– wenn die Bronchien zu eng werden

... das überempfindliche Bronchialsystem

Husten, pfeifende Atmung und manchmal sogar Atemnot: Gerade Säuglinge und Kleinkinder reagieren bei Erkältungen häufig mit einer vorübergehenden Verengung der Bronchien. Medizinisch sprechen wir von einer obstruktiven Bronchitis oder einem hyperreagiblen (überempfindlichen) Bronchialsystem.

Ursache ist ein Zusammenspiel aus noch unreifen Atemwegen, häufigen Virusinfekten und Umwelteinflüssen wie Feinstaub, Luftschadstoffen oder Tabakrauch. Auch eine familiäre Veranlagung kann eine Rolle spielen.

Diese Überempfindlichkeit ist im Kleinkindalter häufig und bildet sich bei vielen Kindern mit zunehmendem Wachstum wieder zurück.

  

Warum werden die Bronchien eng?

... kleine Luftwege, große Wirkung!

Stellen Sie sich die Bronchien wie ein verzweigtes System aus kleinen, weichen Luftschläuchen vor.

Bei einem Virusinfekt passieren drei Dinge:

  • Die Schleimhaut schwillt an – die Luftwege werden enger.
  • Es entsteht vermehrt Schleim – der zusätzlich Platz wegnimmt.
  • Die Bronchialmuskulatur verkrampft sich – die Luftschläuche ziehen sich zusammen.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Bronchien ohnehin sehr schmal. Schon eine geringe Schwellung kann deshalb die Atmung erheblich erschweren.

Besonders das Ausatmen wird mühsam. Die Luft strömt durch die verengten Bronchien und verursacht das typische Pfeifen oder Giemen.

Gut zu wissen

Ein überempfindliches Bronchialsystem bedeutet nicht automatisch, dass Ihr Kind Asthma hat!

Woran erkennen Eltern eine obstruktive Bronchitis?

Typische Anzeichen sind:

  • hartnäckiger, oft anfallsartiger Husten
  • pfeifendes oder brummendes Atemgeräusch
  • verlängertes, erschwertes Ausatmen
  • schnellere oder angestrengte Atmung
  • deutliche Verschlechterung bei Infekten, häufig auch nachts

Warum wird der Husten nachts oft schlimmer?

Im Schlaf verändern sich die natürliche Regulation der Bronchien und der Schleimtransport. Bei ohnehin empfindlichen Atemwegen können deshalb Husten und Bronchienverengung nachts stärker auffallen.

Wichtig:

Nicht jeder nächtliche Husten bedeutet eine Obstruktion. Auch Schleim aus Nase und Rachen kann nachts heftigen Husten auslösen.

Die Inhalationstherapie

Zwei Medikamente haben unterschiedliche Aufgaben:

1. Salbutamol – öffnet die Bronchien

Salbutamol entspannt die verkrampfte Bronchialmuskulatur.

Die verengten Luftwege werden dadurch wieder weiter. Das Atmen fällt leichter, Pfeifen und Husten können nachlassen.

Die Wirkung beginnt meist innerhalb weniger Minuten und hält ungefähr vier bis sechs Stunden an.

Bei einem ärztlich empfohlenen Inhalationsversuch kann eine deutliche Besserung den Verdacht auf eine Bronchienverengung unterstützen.

Eine fehlende Besserung schließt diese jedoch nicht sicher aus.

2. Inhalatives Kortison – beruhigt die Entzündung

Kortisonhaltige Inhalationsmedikamente wirken anders:

  • Sie vermindern die Entzündung der Bronchialschleimhaut.
  • Sie reduzieren Schwellung und Überempfindlichkeit.
  • Sie können erneuten Verengungen vorbeugen.

Wichtig: Inhalatives Kortison ist kein Medikament zur sofortigen Erweiterung der Bronchien. Die Wirkung entwickelt sich über Tage bis Wochen.

Bei häufig wiederkehrenden oder ausgeprägten Beschwerden kann eine zeitlich begrenzte oder längerfristige Behandlung sinnvoll sein.

Die Entscheidung treffen wir individuell.

In der empfohlenen Dosierung gelangt der Wirkstoff überwiegend direkt in die Atemwege. Wir achten dabei auf die niedrigste wirksame Dosis und kontrollieren bei längerer Behandlung auch das Wachstum.

Gut zu wissen

Salbutamol öffnet – Kortison beruhigt!

Salbutamol hilft rasch gegen die Verkrampfung. Inhalatives Kortison behandelt die zugrunde liegende Entzündung.

Beide Medikamente ergänzen sich, wenn sie entsprechend verordnet wurden.

Richtig inhalieren

– der Spacer macht den Unterschied!

Gerade Kleinkinder können ein Asthmaspray noch nicht gezielt einatmen. Deshalb verwenden wir eine Inhalierhilfe (Spacer) mit einer passenden Gesichtsmaske oder – sobald möglich – einem Mundstück.

So funktioniert es:

  1. Kind möglichst aufrecht und ruhig halten.
  2. Dosieraerosol schütteln und in den Spacer stecken.
  3. Maske dicht über Mund und Nase setzen.
  4. Einen Sprühstoß auslösen.
  5. Ihr Kind etwa 5–6 ruhige Atemzüge machen lassen.
  6. Bei weiteren Sprühstößen den Vorgang jeweils einzeln wiederholen.

Nach kortisonhaltigen Sprays den Mund ausspülen beziehungsweise etwas trinken lassen und bei Maskenanwendung das Gesicht reinigen. Wichtig: Niemals mehrere Sprühstöße gleichzeitig in den Spacer geben. Und: Eine dicht sitzende Maske ist entscheidend! Die genaue Dosierung und Häufigkeit richten sich immer nach unserem individuellen Behandlungsplan.

Weitere Informationen zur Inhalationstechnik

Anleitung: Deutsche Atemwegsliga – richtig inhalieren

Was können Eltern zusätzlich tun?

  • Ruhe, Schlaf und liebevolle Zuwendung ermöglichen.
  • Regelmäßig Flüssigkeit anbieten.
  • Bei verstopfter Nase Kochsalzlösung verwenden.
  • Auf eine konsequent rauchfreie Umgebung achten.
  • Verordnete Medikamente zuverlässig und mit korrekter Technik inhalieren.

Heiße Dampfinhalationen sind wegen der Verbrühungsgefahr nicht geeignet.

Sonderform im Säuglingsalter:

Die akute Bronchiolitis

... wenn die allerkleinsten Atemwege entzündet sind

Die Bronchiolitis betrifft vor allem Babys im ersten Lebensjahr, besonders zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat.

Häufigster Auslöser ist das RS-Virus (RSV). Auch andere Erkältungsviren können eine Bronchiolitis verursachen.

Was passiert dabei?

Die feinsten Verzweigungen der Bronchien – die Bronchiolen – sind beim Baby kaum dicker als winzige Röhrchen.

Wenn ihre Schleimhaut anschwillt und sich Schleim ansammelt, kann schon ein wenig Entzündung diese kleinen Luftwege stark verengen oder verschließen.

Das Baby muss plötzlich viel mehr Kraft zum Atmen aufbringen.

Typische Anzeichen

Die Erkrankung beginnt meist mit einem gewöhnlichen Schnupfen. Nach einigen Tagen können hinzukommen:

  • schnelleres oder angestrengtes Atmen
  • feines Knistern oder pfeifende Atemgeräusche
  • Husten und zunehmende Erschöpfung
  • Schwierigkeiten beim Trinken
  • sichtbares Einziehen der Haut zwischen oder unter den Rippen

Die Beschwerden sind häufig am dritten bis fünften Krankheitstag am stärksten.

Warum behandeln wir Bronchiolitis anders?

Bei der klassischen Säuglingsbronchiolitis stehen Schleimhautschwellung und Schleimansammlung im Vordergrund – weniger die Verkrampfung der Bronchialmuskulatur.

Deshalb helfen Salbutamol und inhalatives Kortison bei einer typischen Bronchiolitis in der Regel nicht und werden nicht routinemäßig empfohlen.

Die wichtigste Behandlung besteht darin, die Atmung und die Flüssigkeitsaufnahme zu unterstützen.

Bei schwereren Verläufen können Sauerstoff, zusätzliche Flüssigkeit oder eine Behandlung im Krankenhaus notwendig werden.

Die gute Nachricht: Die meisten Babys überstehen eine Bronchiolitis vollständig. Gerade junge Säuglinge müssen jedoch besonders sorgfältig beobachtet werden.

Besonders wichtig bei Babys

Wenn Ihr Baby deutlich weniger trinkt, sehr schnell oder angestrengt atmet, ungewöhnlich schläfrig wirkt oder Atempausen auftreten, muss es umgehend ärztlich untersucht werden.

Atempausen, bläuliche Lippen oder schwere Atemnot sind Notfälle – 112 wählen!

Wann sollten Sie sich melden?

Bitte lassen Sie Ihr Kind ärztlich untersuchen, wenn:

  • es schneller oder deutlich angestrengter atmet,
  • die Haut zwischen den Rippen eingezogen wird,
  • die Inhalation nicht ausreichend hilft,
  • Ihr Kind schlecht trinkt oder ungewöhnlich erschöpft wirkt,
  • die Beschwerden zunehmen oder wiederholt auftreten.

Bei schwerer Atemnot, bläulichen Lippen, Atempausen oder Bewusstseinsstörungen sofort 112 anrufen.

Wächst sich das aus?

... und bedeutet das Asthma?

Viele Kleinkinder haben während der ersten Lebensjahre wiederholt eine infektbedingte Bronchienverengung.

Mit zunehmendem Alter werden die Atemwege größer und die Bronchien häufig weniger empfindlich. Bei vielen Kindern verschwinden die Beschwerden bis zum Schulalter.

Bei manchen Kindern entwickelt sich allerdings ein Asthma bronchiale.

Darauf achten wir besonders, wenn:

  • Husten oder Pfeifen auch ohne Infekt auftreten,
  • nächtliche Beschwerden häufig wiederkehren,
  • körperliche Belastung oder Lachen Husten auslösen,
  • Allergien oder Neurodermitis bestehen,
  • Asthma in der Familie vorkommt.

In diesen Fällen besprechen wir eine gezielte weitere Abklärung und gegebenenfalls eine antientzündliche Dauerbehandlung.

Nicht jeder pfeifende Husten ist Asthma!

Ein überempfindliches Bronchialsystem gehört bei vielen Kleinkindern zur vorübergehenden Entwicklung der Atemwege.

Mit der richtigen Behandlung, guter Beobachtung und etwas Geduld lassen sich die meisten Beschwerden gut beherrschen.

Wir begleiten Ihr Kind – im Praxis-Chat, in der Sprechstunde, damit aus kleinen Luftwegen wieder freie Atemwege werden.

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