Kopfläuse

Kopfläuse gehören zu den häufigsten „Mitbringseln“ des Kindesalters. Fast jede Familie kommt im Laufe der Kindergarten- oder Schulzeit einmal mit ihnen in Berührung. Und dennoch lösen die winzigen Parasiten bis heute große Verunsicherung aus. Viele Eltern erschrecken zunächst, fühlen sich unwohl oder schämen sich sogar. Das ist vollkommen unnötig.

Kopfläuse haben nichts mit mangelnder Körperpflege oder Unsauberkeit zu tun. Im Gegenteil: Läuse fühlen sich auch auf frisch gewaschenen Haaren sehr wohl. Entscheidend für die Verbreitung ist vor allem der enge Kontakt spielender Kinder - beim Kuscheln, Toben, Vorlesen oder gemeinsamen Sitzen. Über Mützen, Kämme oder Kuscheltiere ist eine Übertragung möglich, aber deutlich seltener.

Woran erkenne ich Kopfläuse?

Typisch sind Juckreiz, Kratzen am Kopf, manchmal kleine rote Stellen hinter den Ohren, im Nacken oder an den Schläfen. Sicher ist der Befund erst, wenn lebende Läuse oder entwicklungsfähige Eier nahe der Kopfhaut gefunden werden.

Nissen, die mehr als etwa 1 cm von der Kopfhaut entfernt sitzen, sind meist alt oder leer. Wichtig ist deshalb die gründliche Kontrolle mit Pflegespülung und feinem Läusekamm.

Die Entwicklung der Kopflaus

Kopfläuse sind nur etwa 2 bis 3 Millimeter groß - ungefähr so groß wie ein Streichholzkopf. Mit bloßem Auge erscheinen sie grau-bräunlich und bewegen sich erstaunlich flink zwischen den Haaren.

Die Laus ist ein hoch spezialisierter Parasit des Menschen. Sie kann ausschließlich auf behaarten menschlichen Köpfen überleben. Haustiere spielen keine Rolle. Außerhalb des Kopfes trocknen Läuse rasch aus und verhungern. Ohne Blutmahlzeit sterben sie meist innerhalb von 2 bis 3 Tagen.

Die weiblichen Läuse legen täglich mehrere Eier. Diese werden in stabile Eihüllen - die sogenannten Nissen - verpackt und fest am Haaransatz verklebt. Besonders häufig findet man sie:

  • hinter den Ohren
  • im Nacken
  • an den Schläfen

Die Eier benötigen Körperwärme zur Entwicklung. Deshalb sitzen frische Nissen immer sehr nahe an der Kopfhaut.

Nach etwa 8 bis 10 Tagen schlüpfen junge Läuse aus den Eiern. Die leeren Nissenhüllen bleiben dabei weißlich schimmernd am Haar zurück. Sie werden oft noch Wochen später entdeckt, obwohl der Befall bereits erfolgreich behandelt wurde.

Die moderne Behandlung der Kopfläuse

Besonders bewährt: Präparate mit Dimeticon.

Es handelt sich um ein medizinisches Silikonöl, das die Atemöffnungen der Läuse und Larven verschließt. Die Parasiten trocknen dadurch aus und sterben ab.

Vorteil:

  • gute Verträglichkeit
  • keine nervengiftartige Wirkung
  • kaum Resistenzentwicklung
  • meist auch für kleinere Kinder geeignet

Wichtig:
Dimeticon-Präparate sind leicht entflammbar. Haare während der Behandlung daher unbedingt von offenem Feuer, Kerzen, Föhn oder Glätteisen fernhalten.

Entscheidend: Die richtige Anwendung

Die häufigste Ursache für einen Misserfolg ist nicht das Arzneimittel - sondern eine unvollständige Anwendung.

Wichtig sind:

Ausreichende Menge

Je nach Haarlänge werden meist benötigt:

  • kurzes Haar: etwa 50 ml
  • mittellanges Haar: etwa 75 ml
  • langes oder sehr dichtes Haar: etwa 100 ml

Das Haar muss vollständig und gleichmäßig benetzt sein.

Richtige Einwirkzeit

Die jeweilige Einwirkzeit des Herstellers muss exakt eingehalten werden. Zu kurzes Einwirken reduziert die Wirksamkeit deutlich.

Zweite Behandlung nicht vergessen

Kein Mittel beseitigt zuverlässig alle Eier. Darum ist die Wiederholungsbehandlung entscheidend.

Das bewährte Behandlungsschema

Eine erfolgreiche Behandlung kombiniert ein zugelassenes Läusemittel mit sorgfältigem nassem Auskämmen. Wichtig sind ausreichende Menge, richtige Einwirkzeit und Wiederholung, sonst überleben nachgeschlüpfte Jungläuse.

  • Tag 1
    Behandlung mit Läusemittel
    anschließend sorgfältiges nasses Auskämmen
  • Tag 5
    Kontrolle und nasses Auskämmen mit Pflegespülung
  • Tag 8 bis 10
    zweite Behandlung mit Läusemittel
    erneutes Auskämmen
  • Tag 13 bis 14
    abschließende Kontrolle

Gut zu wissen

Kein Läusemittel tötet immer zuverlässig alle Eier ab. Darum ist die zweite Behandlung nach 8 bis 10 Tagen so wichtig. Sie erwischt die nachgeschlüpften Läuse, bevor diese selbst wieder Eier legen können.

Praktische Tipps

  • Pflegespülung großzügig ins nasse Haar geben, nicht ausspülen.
  • Strähne für Strähne vom Haaransatz bis zur Spitze kämmen.
  • Den Kamm nach jeder Strähne auf Küchenpapier abstreifen.
  • Ein guter Läusekamm hat sehr enge Zinken, maximal 0,2 mm.
  • Für langes oder dickes Haar genug Zeit einplanen, oft 30 Minuten oder mehr.

Was muss zu Hause gereinigt werden?

Kopfläuse überleben außerhalb des Kopfes nur kurz. Große Desinfektionsaktionen sind unnötig.

Sinnvoll:

  • Bürsten und Kämme reinigen
  • Bettwäsche, Handtücher, Mützen waschen
  • Kuscheltiere ggf. 3 Tage luftdicht verpacken (Plastiktüte)
  • Fahrradhelme und Kopfstützen kontrollieren
  • Familienmitglieder untersuchen

Insektensprays in der Wohnung sind nicht sinnvoll und belasten unnötig die Atemwege.

Kita und Schule

Nach dem Infektionsschutzgesetz müssen Eltern die Gemeinschaftseinrichtung informieren.

Nach einer korrekt durchgeführten Erstbehandlung dürfen Kinder meist bereits am nächsten Tag wieder Kindergarten oder Schule besuchen. Ein ärztliches Attest ist beim ersten Befall normalerweise nicht erforderlich, kann aber bei wiederholtem Befall verlangt werden.

Kopfläuse sind kein Drama, sondern eine Organisationsaufgabe. Mit zugelassenem Mittel, gutem Läusekamm, Nachkontrollen und offener Information an Kita, Schule und Kontaktfamilien ist der Befall meist rasch wieder beendet. Entscheidend ist die zweite Behandlung, nicht die perfekte Wohnungsreinigung.

Print