Richtig inhalieren bei Kindern und Jugendlichen
... damit die Medikamente dort ankommen, wo sie wirken sollen!
Ob bei obstruktiver Bronchitis oder Asthma bronchiale: Inhalationsmedikamente können die Atmung erheblich erleichtern und entzündete Bronchien beruhigen.
Entscheidend ist jedoch die richtige Anwendung! Denn nur der Wirkstoff, der tatsächlich in den Bronchien ankommt, kann dort seine volle Wirkung entfalten.
Gerade bei kleinen Kindern ist das nicht selbstverständlich. Sie atmen schneller, haben kleinere Atemwege und können ihre Atmung noch nicht gezielt steuern.
Mit der passenden Inhalierhilfe und etwas Übung gelingt die Behandlung meist problemlos – auch bei Säuglingen und Kleinkindern.
Wie funktioniert das Inhalieren?
... ein feiner Nebel auf dem Weg in die Lunge
Inhalationsmedikamente werden als winzige Tröpfchen oder Pulverteilchen eingeatmet. Sie gelangen mit der Atemluft direkt in die Bronchien. Dort können sie die verkrampfte Muskulatur entspannen oder die Entzündung der Schleimhaut behandeln.
Der große Vorteil: Die Medikamente wirken gezielt in den Atemwegen. Deshalb benötigen wir meist deutlich geringere Wirkstoffmengen als bei einer Behandlung mit Tabletten oder Saft.
Allerdings hängt der Behandlungserfolg entscheidend davon ab, wie Ihr Kind inhaliert.
Das Dosieraerosol – der kleine Sprühstoß
... schnell und zuverlässig
Ein Dosieraerosol ist ein handliches Inhalationsspray. Bei jedem Druck auf den Wirkstoffbehälter wird eine genau abgemessene Medikamentenmenge freigesetzt.
Damit möglichst viel davon in der Lunge ankommt, muss der Sprühstoß mit der Einatmung abgestimmt werden.
Größere Kinder und Jugendliche können das nach entsprechender Anleitung erlernen:
- Spray vorbereiten und gegebenenfalls schütteln.
- Aufrecht sitzen oder stehen und ruhig ausatmen.
- Mundstück mit den Lippen fest umschließen.
- Sprühstoß auslösen und gleichzeitig langsam und tief einatmen.
- Den Atem möglichst 5–10 Sekunden anhalten, anschließend langsam ausatmen.
Gerade jüngeren Kindern fällt diese Abstimmung schwer. Deshalb empfehlen wir hier eine Inhalierhilfe.
Der Spacer – die wichtigste Hilfe für kleine Kinder
... ein kleiner Zwischenspeicher mit großer Wirkung
Ein Spacer ist eine Kunststoff- oder Metallkammer, die zwischen das Inhalationsspray und den Mund des Kindes gesetzt wird. Der Sprühstoß gelangt zunächst in diese Kammer. Von dort kann Ihr Kind das Medikament in Ruhe einatmen.
Das hat mehrere Vorteile: Die Anwendung wird einfacher, mehr Wirkstoff kann die Bronchien erreichen und weniger Medikament bleibt im Mund- und Rachenraum hängen.
Für Kinder bis etwa acht Jahre empfehlen wir bevorzugt ein Dosieraerosol mit Spacer. Kleine Kinder benötigen häufig eine weiche Gesichtsmaske. Sobald sie zuverlässig über ein Mundstück inhalieren können, sollte auf dieses umgestellt werden.
🐻 So inhalieren Sie richtig mit Spacer und Maske
- Spray schütteln und in den Spacer einsetzen.
- Ihr Kind möglichst aufrecht und ruhig halten.
- Maske dicht über Mund und Nase setzen.
- Einen einzigen Sprühstoß auslösen.
- Ihr Kind etwa 5–6 ruhige Atemzüge durch die Maske machen lassen.
- Bei einem weiteren Sprühstoß den Vorgang einzeln wiederholen.
Die Maske muss dicht anliegen. Andernfalls entweicht ein Teil des Medikaments.
Gut zu wissen:
Ihr Kind muss nicht besonders tief einatmen. Mehrere ruhige Atemzüge reichen bei einem passenden Spacer meist aus. Auch das Weinen möglichst vermeiden: Ein ruhiges Kind inhaliert deutlich wirksamer.
So klappt das Inhalieren mit kleinen Kindern
Entscheidend ist, dass die Inhalation ruhig und ohne Zwang erfolgt.
Setzen Sie Ihr Kind bequem auf den Schoß und halten Sie die Maske sanft, aber dicht vor Mund und Nase. Größere Kinder können meist bereits über ein Mundstück inhalieren.
Während der Inhalation darf Ihr Kind ganz normal atmen. Geschichten, Bilderbücher oder ein ruhiges Spiel helfen, die wenigen Minuten angenehm zu gestalten.
Anschließend sollten alle Geräteteile entsprechend den Herstellerangaben gereinigt und vollständig getrocknet werden. Eine unzureichende Hygiene kann dazu führen, dass Keime aus dem Vernebler eingeatmet werden.
Pulverinhalatoren – für größere Kinder und Jugendliche
... hier kommt es auf einen kräftigen Atemzug an!
Pulverinhalatoren enthalten das Medikament als feines Pulver. Dieses wird durch die eigene Einatmung aus dem Gerät gelöst und in die Atemwege transportiert. Anders als beim Dosieraerosol muss hier rasch, kräftig und möglichst tief eingeatmet werden.
Die Anwendung ist einfach, sobald ein Kind die notwendige Atemtechnik sicher beherrscht:
- Gerät nach Herstelleranleitung vorbereiten und die Dosis laden.
- Ruhig ausatmen – niemals in das Gerät hinein!
- Mundstück fest mit den Lippen umschließen.
- Kräftig und tief einatmen.
- Gerät absetzen und möglichst 5–10 Sekunden die Luft anhalten.
Pulverinhalatoren eignen sich deshalb eher für größere Kinder und Jugendliche. Bei Kleinkindern oder ausgeprägter Atemnot sind sie häufig ungeeignet.
Wichtig:
Die verschiedenen Pulverinhalatoren werden unterschiedlich vorbereitet. Deshalb lassen Sie sich bitte jedes neue Gerät in der Apotheke ausführlich und persönlich erklären.
Elektrische Inhalationsgeräte – sind sie sinnvoll?
Elektrische Vernebler erzeugen einen feinen Nebel, der über eine Maske oder ein Mundstück eingeatmet wird. Sie können besonders zur Befeuchtung der Atemwege mit Kochsalzlösung, zur Unterstützung der Schleimlösung oder bei speziellen Atemwegserkrankungen sinnvoll sein.
Für die Behandlung verengter oder entzündeter Bronchien ist bei Kleinkindern jedoch häufig das Dosieraerosol mit Spacer wirksamer und deutlich praktischer: Die Anwendung ist schneller, einfacher und auch unterwegs möglich.
Im Fachhandel, in Apotheken und Drogerien gibt es zahlreiche gute Inhalationsgeräte. Welches Gerät für Ihr Kind sinnvoll ist, hängt von seinem Alter und der Erkrankung ab. Gerne beraten wir Sie individuell über unseren Praxis-Chat.
Kleine Fehler – große Wirkung!
Die häufigsten Anwendungsfehler lassen sich leicht vermeiden:
- Mehrere Sprühstöße gleichzeitig: Immer nur einen Hub in den Spacer geben.
- Undichte Maske: Mund und Nase müssen vollständig umschlossen sein.
- Falsche Atemtechnik: Beim Spray langsam, beim Pulverinhalator kräftig einatmen.
- Falsch vorbereitetes Gerät: Die jeweilige Gebrauchsanweisung beachten.
- Keine Mundpflege nach Kortison: Anschließend Mund ausspülen oder etwas trinken lassen, bei Maskenanwendung auch das Gesicht reinigen.
Den Spacer bitte entsprechend der Herstelleranleitung reinigen und vollständig trocknen lassen. Auch die übrigen Inhalationsgeräte benötigen eine regelmäßige, gerätespezifische Pflege.
📍 Merke:
Nicht die Menge des versprühten Medikaments entscheidet – sondern wie viel davon tatsächlich in den Bronchien ankommt!
Videoanleitung
– richtig inhalieren leicht gemacht
Die Deutsche Atemwegsliga bietet anschauliche Videos für zahlreiche Inhalationsgeräte, darunter Dosieraerosole, Spacer mit Kindermaske und verschiedene Pulverinhalatoren.
▶️ Deutsche Atemwegsliga – richtig inhalieren
Bitte wählen Sie dort das Video für Ihr tatsächlich verwendetes Gerät.
Wir zeigen Ihnen die richtige Anwendung gerne auch persönlich in unserer Praxis. Bringen Sie Ihr Inhalationsgerät und den Spacer zu den Kontrolluntersuchungen mit.
Richtig inhalieren ist mindestens so wichtig wie das richtige Medikament!
Mit einer passenden Inhalierhilfe und etwas Übung können auch kleine Kinder ihre Medikamente zuverlässig aufnehmen. Bei Kleinkindern bevorzugen wir den Spacer, bei größeren Kindern und Jugendlichen kommen zunehmend auch Pulverinhalatoren infrage.
💚 Das Ziel: Eine einfache, sichere und wirksame Behandlung – damit Ihr Kind möglichst frei atmen, ungestört schlafen und uneingeschränkt spielen und Sport treiben kann.