Wiederkehrende Kopfschmerzen

Wenn der Kopf immer wieder weh tut

Kopfschmerzen sind bei Schulkindern und Jugendlichen sehr häufig. Trotzdem machen sich Eltern verständlicherweise Sorgen, wenn ihr Kind regelmäßig darüber klagt.

Die beruhigende Nachricht: Meist steckt keine ernsthafte Erkrankung dahinter. Häufig sind Spannungskopfschmerzen oder Migräne. Auch zu wenig Schlaf, Trinken oder Bewegung, unregelmäßige Mahlzeiten, lange Bildschirmzeiten, Stress und Verspannungen können Kopfschmerzen auslösen oder verstärken.

Spannung oder Migräne?

Spannungskopfschmerzen fühlen sich meist dumpf und drückend an – fast wie ein „zu enges Band“ um den Kopf. Sie treten häufig beidseitig auf und verstärken sich bei normaler Bewegung meist nicht wesentlich.

Migräne ist oft stärker. Der Schmerz kann pulsieren oder pochen, Bewegung wird unangenehm. Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit können hinzukommen. Bei Kindern ist Migräne häufiger als bei Erwachsenen beidseitig und die Attacken können kürzer sein. Manche Kinder werden blass und müde, ziehen sich zurück, schlafen ein – und wachen anschließend deutlich gebessert wieder auf.

Gut zu wissen

Kopfschmerzen durch Stress, Anspannung oder Übermüdung sind echte Schmerzen. Das Nervensystem reagiert empfindlich auf körperliche und seelische Belastungen.

Gleichzeitig bedeutet das: Kinder können selbst viel dazu beitragen, ihre Kopfschmerzen zu beeinflussen.

Was Sie zu Hause tun können

Gerade bei wiederkehrenden Kopfschmerzen lohnt sich zunächst ein Blick auf den Alltag:

▪️ ausreichend trinken – Trinkflasche für Schule und Sport mitgeben
▪️ regelmäßig essen – besonders das Frühstück nicht auslassen
▪️ ausreichend schlafen – möglichst mit festem Schlafrhythmus
▪️ täglich bewegen und möglichst viel an die frische Luft
▪️ Bildschirm-Pausen einlegen und den Augen regelmäßig Erholung gönnen
▪️ auf Verspannungen von Nacken und Schultern achten
▪️ Stress, Leistungsdruck und einen zu vollen Tagesplan mitbedenken

Auch eine Überprüfung der Sehfähigkeit kann sinnvoll sein, wenn die Beschwerden vor allem beim Lesen, Lernen oder am Bildschirm auftreten.

Wenn der Kopf akut weh tut

Bei beginnenden Kopfschmerzen helfen häufig Ruhe, ausreichend Flüssigkeit, ein abgedunkelter Raum und ein kühler Waschlappen auf Stirn oder Nacken.

Bei stärkeren Schmerzen können Ibuprofen oder Paracetamol frühzeitig und nach Körpergewicht dosiert eingesetzt werden. Schmerzmittel sollten bei wiederkehrenden Kopfschmerzen jedoch nicht ständig genommen werden – als Faustregel möglichst nicht häufiger als an 2–3 Tagen pro Woche.

Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können wir gemeinsam besprechen, ob eine gezieltere Migränetherapie sinnvoll ist. Die aktuelle Migräne-Leitlinie unterscheidet entsprechend zwischen Akuttherapie und vorbeugenden Maßnahmen.

Dosierung: Ibuprofen / Paracetamol

Kopfschmerz-Tagebuch

Auslöser sichtbar machen

Bei wiederkehrenden Beschwerden empfehlen wir ein Kopfschmerz-Tagebuch über 2–3 Wochen.

Notieren Sie kurz:

▪️ Zeitpunkt, Dauer und Stärke
▪️ Schule, Freizeit oder Wochenende?
▪️ Schlaf, Essen und Trinken
▪️ Bildschirmzeit und Bewegung
▪️ Stress oder besondere Belastungen
▪️ Übelkeit, Licht-/Lärmempfindlichkeit oder Sehstörungen
▪️ eingenommene Medikamente und deren Wirkung

Oft wird dadurch bereits sichtbar, ob beispielsweise Schultage, Schlafmangel, wenig Trinken, Bildschirmzeiten oder der weibliche Zyklus eine Rolle spielen. Ein Kopfschmerzkalender wird auch in den Leitlinien ausdrücklich als Bestandteil der Behandlung empfohlen.

Das Protokoll soll Zusammenhänge sichtbar machen – nicht dazu führen, dass Kopfschmerzen ständig zum Thema werden.

Möglichst normaler Alltag, Bewegung, Schule und Freizeit geben Sicherheit und helfen, einer Chronifizierung entgegenzuwirken.

Wann ärztlicher Rat wichtig ist

Bitte lassen Sie Kopfschmerzen zeitnah ärztlich abklären, wenn sie häufiger oder stärker werden, sich deutlich verändern oder das Kind zunehmend im Alltag beeinträchtigen.

Rasch ärztlich beurteilt werden sollten insbesondere:

▪️ plötzlich extrem starke, bisher unbekannte Kopfschmerzen
▪️ zunehmende oder deutlich veränderte Beschwerden
▪️ regelmäßiges nächtliches Erwachen durch Kopfschmerzen
▪️ morgendliche Kopfschmerzen mit wiederholtem Erbrechen
▪️ Gangunsicherheit, Lähmung, Sprach- oder Sehstörungen
▪️ Krampfanfall, Benommenheit oder auffällige Wesensveränderung
▪️ starke Kopfschmerzen mit hohem Fieber und Nackensteife
▪️ auffällige Kopfschmerzen nach einer stärkeren Kopfverletzung

Braucht mein Kind ein MRT?

Diese Frage beschäftigt viele Eltern.

Bei typischer Migräne oder typischem Spannungskopfschmerz und unauffälliger körperlicher und neurologischer Untersuchung ist eine Bildgebung normalerweise nicht erforderlich. Gibt es dagegen Warnzeichen oder lässt sich der Kopfschmerz klinisch nicht sicher einordnen, entscheiden wir über die weitere Diagnostik. Wenn eine Bildgebung notwendig ist, ist bei Kindern grundsätzlich die MRT das bevorzugte Verfahren.

Wenn Kopfschmerzen bleiben

Dann gehen wir strukturiert weiter. Je nach Beschwerdebild können eine körperliche und neurologische Untersuchung, Sehprüfung, gezielte Laboruntersuchungen oder weitere Diagnostik sinnvoll sein.

Bei deutlichen Nacken- und Schulterverspannungen können Physiotherapie und regelmäßige Eigenübungen helfen. Auch Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung haben einen Stellenwert. Bei anhaltenden, ungewöhnlichen oder schwer behandelbaren Beschwerden kann eine neuropädiatrische bzw. kopfschmerzspezifische Abklärung sinnvoll sein.

Wiederkehrende Kopfschmerzen sind bei Schulkindern und Jugendlichen häufig und meistens gutartig. Schlaf, Trinken, regelmäßige Mahlzeiten, Bewegung, Bildschirmzeiten, Muskelverspannungen und Stress beeinflussen das empfindliche Nervensystem erheblich.

Ein Kopfschmerz-Protokoll hilft, persönliche Auslöser zu erkennen. Damit können Kinder und Eltern selbst viel dazu beitragen, dass die Beschwerden seltener werden.

Wenn die Kopfschmerzen trotzdem bleiben, stärker werden oder Sie unsicher sind: Melden Sie sich über unseren Praxis-Chat oder in unserer Sprechstunde. Gemeinsam entscheiden wir, welche weiteren Schritte wirklich notwendig sind.

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