Angina, Streptokokken, Scharlach
Halsschmerzen und geschwollene Mandeln gehören zu den häufigsten Beschwerden im Kindesalter. Die große Mehrheit (etwa 60 – 90 %) aller Halsentzündungen wird durch Viren verursacht. Nur in etwa 15 – 30 % der Fälle liegt eine Infektion mit A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes) vor, und höchstens 10 % dieser bakteriellen Infektionen entwickeln sich tatsächlich zu einem klassischen Scharlach.
Die meisten Verläufe sind also viral bedingt und heilen spontan – ohne Antibiotika. Wichtig ist, den kindlichen Organismus in seiner Abwehrleistung zu unterstützen: ausreichend trinken, schonende Ernährung, Ruhe, frische Luft und liebevolle Zuwendung helfen dem Körper, selbst gesund zu werden.
Streptokokken – wenn Bakterien beteiligt sind
Etwa jedes fünfte Kind mit Halsentzündung hat eine Streptokokkenangina.
Sie beginnt meist plötzlich mit Fieber, starken Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und geschwollenen Lymphknoten am Hals. Der Rachen ist intensiv gerötet, die Mandeln geschwollen, manchmal mit weißlichen Belägen.
Nach den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) muss eine Streptokokkenangina nicht in jedem Fall antibiotisch behandelt werden.
Die Erkrankung verläuft oft selbstlimitierend, das heißt, sie heilt auch ohne Antibiotika innerhalb weniger Tage ab – vorausgesetzt, das Kind bleibt in gutem Allgemeinzustand und es bestehen keine Risikofaktoren oder Komplikationen.
Scharlach – wenn Streptokokken Toxine bilden
Eine Sonderform der Streptokokkeninfektion ist der Scharlach.
Hier bilden bestimmte Streptokokken sogenannte erythrogene Toxine, also Giftstoffe, die das Immunsystem stark aktivieren. Diese Toxine verursachen den charakteristischen Ausschlag und können – unbehandelt – Entzündungen von Herz und Nieren (rheumatisches Fieber, Glomerulonephritis) auslösen.
Typische Scharlachsymptome
- Plötzliches Fieber und Halsschmerzen
- Hochrote, glasig geschwollene Rachenschleimhaut
- Feinfleckiger, roter Hautausschlag („sandpapierartig“)
- Betonung in den Leisten und unter den Achseln
- Aussparung des Munddreiecks („Milchbart“)
- Himbeerzunge und Lacklippen
- Spätere Hautschuppung an Händen und Füßen
In solchen Fällen ist eine antibiotische Behandlung sinnvoll, da sie das Risiko von Folgeschäden deutlich verringert. Wird die Therapie innerhalb der ersten 5 Krankheitstage begonnen, können Komplikationen sicher verhindert werden.
Nicht jeder Streptokokkennachweis bedeutet Gefahr
Ein positiver Streptokokken-Schnelltest allein ist kein Grund für Antibiotika.
Viele Kinder sind sogenannte Streptokokkenträger – sie haben die Bakterien im Rachen, ohne krank zu sein oder andere anzustecken.
Die Entscheidung über eine Therapie sollte sich daher immer am klinischen Bild orientieren: Fieber, Allgemeinzustand, Ausschlag, Scharlachzeichen.
Selbstheilung und Abwehrunterstützung
Bei unkomplizierten Verläufen helfen einfache Maßnahmen, den Körper zu stärken:
- Ausreichend trinken (Wasser, Kräutertee, Brühe)
- Weiche, kühle Speisen (Joghurt, Suppen, Püree)
- Gurgeln mit Salbei- oder Kamillentee
- Halswickel (Quark, Zitrone) zur Linderung
- Frische Luft und viel Ruhe
- Liebevolle Begleitung und Vertrauen in die körpereigene Heilung
Wann Antibiotika angezeigt sind
Antibiotika sind gezielt und bewusst einzusetzen – etwa bei:
- Klinisch gesichertem Scharlach mit Toxinwirkung
- Schwerem Verlauf mit hohem Fieber, stark reduziertem Allgemeinzustand
- Wiederkehrenden eitrigen Mandelentzündungen
- Vorbestehender Herz- oder Nierenerkrankung
- Auftreten von Komplikationen (Mittelohr-, Nasennebenhöhlen- oder Lungenentzündung)
Hier ist Penicillin weiterhin das Mittel der Wahl.
Bei einfacher Streptokokkenangina ohne Scharlachzeichen kann jedoch auf Antibiotika verzichtet werden – sofern das Kind sorgfältig ärztlich begleitet wird.
Die meisten Halsentzündungen im Kindesalter sind viral bedingt und heilen von selbst aus. Auch viele Streptokokkenanginen verlaufen mild und folgenlos.
Eine gezielte antibiotische Therapie ist vor allem beim Scharlach notwendig, wenn bakterielle Toxine gebildet werden und Komplikationen an Herz oder Nieren verhindert werden sollen. Geduld, Zuwendung und Vertrauen in die körpereigene Abwehr – verbunden mit einem verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika – fördern die gesunde Immunentwicklung von Kindern am besten.