Vorhautverengung &
Vorhautverklebung
Der Penis besteht aus der Eichel und dem Penisschaft. Beide sind durch eine ringförmige Furche voneinander getrennt, den Sulcus coronarius. Die Vorhaut (Präputium) bedeckt die Eichel und ist im Kindesalter ein wichtiger Schutz.
Veränderungen der Vorhaut gehören zu den häufigen Fragen in der kinderärztlichen Praxis. Viele Befunde wirken für Eltern beunruhigend, sind aber Teil der normalen Entwicklung. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen entwicklungsbedingt, behandlungsbedürftig und wirklich operationsnotwendig.
Vorhautverklebung ...
... normal im Baby- und Kleinkindalter
Bei Geburt und im Säuglingsalter ist die Vorhaut regelhaft nicht verschieblich.
Vorhaut und Eichel sind durch Schleimhautverklebungen miteinander verbunden.
- Lösung meist zwischen dem 1. und 4. Lebensjahr
- bei manchen Jungen erst in der Pubertät
- dies ist physiologisch und sinnvoll
Gut zu wissen: Vorhautverklebungen schützen im Windelalter vor Entzündungen (Balanitis).
Sichtbare Smegma-Ansammlungen (weißliche „Kügelchen“) sind keimfrei und harmlos – kein Behandlungsbedarf.
Vorhautverschieblichkeit
Vor Beginn der Pubertät muss die Vorhaut vollständig von der Eichel gelöst und schmerzfrei bis hinter die Eichel zurückziehbar sein. Dies ist notwendig, da der Penis in dieser Entwicklungsphase deutlich wächst und sich bei Erektionen stark vergrößert. Nur eine ausreichend dehnbare Vorhaut ermöglicht eine gute hygienische Reinigung und schützt zuverlässig vor schmerzhaften und gefährlichen Einklemmungen der Eichel.
Wann ist es eine Phimose?
Hinweise auf eine behandlungsbedürftige Vorhautverengung:
- Harnstrahl schwach, gefächert oder ballonierende Vorhaut
- Harnröhrenöffnung nicht sichtbar
- schmerzhafte Dehnung
- weiße narbige Ringe an der Vorhautspitze
- wiederholte Entzündungen
👉 Die sichere Unterscheidung zwischen Entwicklung und echter Phimose gelingt nur durch erfahrene ärztliche Untersuchung.
Richtige Genitalpflege – altersgerecht und sanft
- Baby- und Kleinkindalter:
- äußerlich reinigen
- keine forcierte Vorhautmanipulation
- zunehmende Verschieblichkeit:
- Eichel vorsichtig mitreinigen
- ab Pubertät:
- tägliche Reinigung von Eichel und Vorhaut
- wichtig auch zur späteren Infektprophylaxe beim Partner
Der richtige Zeitpunkt der Behandlung
In Deutschland wird eine Beschneidung häufig (zu) früh empfohlen. Medizinisch ist das meist nicht begründet.
Internationale Erfahrungen zeigen:
- In skandinavischen Ländern erfolgen notwendige Eingriffe meist erst in der Vorpubertät
- Die Operationsrate ist dort deutlich niedriger
- Viele Phimosen lösen sich bis ins Schulalter spontan oder mit einer Salbentherapie (s.u.)
Gut zu wissen:
Nicht das Vorschulalter, sondern die Vorpubertät (ca. 8.–10. Lebensjahr) ist der richtige Zeitpunkt für die entscheidende Beurteilung.
Salbenbehandlung –
oft erfolgreich
- Einsatz ab frühem Schulalter
- niedrig dosierte steroidhaltige Salbe
- tägliches vorsichtiges Dehnen
- Behandlungsdauer 4–6 Wochen
Erfolgsrate: 60–80 %
Hormonhaltige Salben (z.B. Östrogene) sind wegen möglicher Nebenwirkungen zurückhaltend zu bewerten.
Operative Verfahren – Unterschiede
1. Totale Beschneidung (Zirkumzision)
- vollständige Entfernung der Vorhaut
- dauerhafte Freilegung der Eichel
- nicht rückgängig zu machen
- mögliche Langzeitfolgen bei ungünstigem Verlauf
2. Teilbeschneidung
- Entfernung nur der Engstelle
- oft reichen 20–50 % Freilegung
- Frenulum kann meist erhalten bleiben
3. Vorhauterhaltende Techniken
- Dorsalinzision
- Triple-Inzision
- Schwenklappenverfahren
Diese Verfahren sind bei korrekter Indikation funktionell und kosmetisch sehr zufriedenstellend.
Eine Vorhautverengung (Phimose) muss spätestens bis zum Eintritt der Pubertät zuverlässig gelöst sein. Besonders gefährlich ist die Paraphimose, bei der sich die zu enge Vorhaut hinter der Eichel einklemmt, starke Schmerzen verursacht und die Durchblutung der Eichel gefährdet. Sie stellt einen akuten medizinischen Notfall dar und muss sofort ärztlich behandelt werden.
Vorhautverklebungen sind im Kindesalter meist normal und harmlos, echte Phimosen dagegen selten. In vielen Fällen führt bereits eine Salbenbehandlung zum Erfolg. Operative Maßnahmen sollten deshalb gut abgewogen und möglichst vorhautschonend erfolgen. Die Vorsorgen U10 und U11 bieten einen guten Rahmen für eine ruhige Beurteilung – wir beraten Sie dazu gern in unserer Sprechstunde oder im Praxis-Chat.