Fiebermedizin, Fieberkrampf
Sicherheit im richtigen Umgang
Fieber ist bei Kindern zunächst eine normale und sinnvolle Reaktion des Körpers. Es zeigt, dass das Immunsystem arbeitet und sich mit einem Infekt auseinandersetzt. Viele Kinder sind trotz erhöhter Temperatur noch relativ fit – in solchen Situationen darf Fieber bewusst zugelassen werden. Nicht jeder Anstieg auf dem Thermometer erfordert sofortiges Eingreifen.
Manchmal kann Fieber für ein Kind sehr anstrengend sein. Wenn Ihr Kind schlecht schläft, kaum trinkt, Schmerzen hat, unruhig oder deutlich benommen wirkt, braucht es Entlastung und Unterstützung. Es ist also nicht die Höhe des Fiebers entscheidend, sondern wie es Ihrem Kind insgesamt geht.
In seltenen Fällen kann Fieber Eltern stark erschrecken, etwa durch einen schnellen Temperaturanstieg oder einen Fieberkrampf. Auch wenn diese Ereignisse meist harmlos verlaufen, ist es wichtig, sie richtig einzuordnen. Wir helfen Ihnen, Fieber sicher zu begleiten – mit Vertrauen, Aufmerksamkeit und dem Wissen, wann ärztlicher Rat notwendig ist.
Medikamente zur Fiebersenkung
Manchmal reichen Ruhe, Zuwendung, pflanzliche Mittel und liebevolle Fürsorge nicht aus, um ein fieberndes Kind ausreichend zu entlasten. Wenn Ihr Kind trotz allem deutlich leidet, Schmerzen hat oder nicht zur Ruhe findet, dürfen Sie ein fiebersenkendes Medikament einsetzen.
In diesen Situationen ist die Gabe von Paracetamol oder Ibuprofen sinnvoll und verantwortungsvoll. Beide Medikamente sind im Kindesalter gut erprobt und helfen, Schmerzen zu lindern und das Allgemeinbefinden zu verbessern – ohne die natürliche Abwehr des Körpers grundsätzlich zu unterdrücken.
Fieberbegleiterscheinungen, wie:
- Schlafstörungen
- Unruhe
- Verwirrtheit
sind Grund zu sorgsamer Aufmerksamkeit.
Paracetamol oder Ibuprofen ...
... wenn ihr Kind unter dem Fieber leidet
- schlecht oder nicht mehr trinkt
- sehr schlapp, energielos wirkt
- viel weint, Schmerzen hat
Die Dosierung von Paracetamol oder Ibuprofen
Die Dosierung richtet sich immer nach dem Körpergewicht, nicht nach dem Alter.
Die empfohlene Einzel-Dosis entnehmen Sie bitte nachfolgender Tabelle:
| Körpergewicht | Alter | Paracetamol – Zäpfchen | Ibuprofen – Saft 2 % (20 mg/ml) |
|---|---|---|---|
| 6–8 kg | 6–10 Monate | 75 mg | 4–5 ml (≈ 100 mg) |
| 9–11 kg | 1–2 Jahre | 125 mg | 5–6 ml (≈ 120 mg) |
| 12–15 kg | 2–3 Jahre | 250 mg | 6–7,5 ml (≈ 150 mg) |
| 16–20 kg | 4–6 Jahre | 250 mg | 7,5–10 ml (≈ 200 mg) |
| 21–30 kg | 7–9 Jahre | 250 mg | 10–15 ml (≈ 300 mg) |
| 31–40 kg | 10–12 Jahre | 500 mg | 5–20 ml (≈ 400 mg) |
| über 40 kg | ab 12 Jahre | 500 mg | 20 ml (≈ 400 mg) |
Anwendungshinweise
- Paracetamol: alle 6 Stunden, maximal 4 Gaben pro Tag
- Ibuprofen: alle 6–8 Stunden, maximal 3–4 Gaben pro Tag
- Beide Mittel nicht gleichzeitig geben – ein Wechsel nur nach ärztlicher Empfehlung
- Paracetamol-Zäpfchen sind ideal bei Übelkeit oder Erbrechen
- Ibuprofen-Saft am besten nach dem Essen geben (magenschonend)
- Auf ausreichend Flüssigkeit, Ruhe und Zuwendung achten
- Fieber über 40 °C, länger als 3 Tage oder sehr mattes Kind → ärztliche Kontrolle
Warnzeichen
Sofortige ärztliche Behandlung bei Gefahr-Symptomen im Fieber, wie:
- Benommenheit
- Trinkschwäche
- ausbleibende Urinausscheidung
- unklare Hautausschläge
- Kopfschmerzen oder Nackensteife
- jeder längere Fieberverlauf über 3 Tage hinaus
- Fieber über 38,5° in den ersten 12 Lebensmonaten
Fieberkrampf
Im Alter zwischen 6 Monaten und 5. Lebensjahr neigen 2 - 5 % der Kinder im Rahmen von hochfieberhaften Infekten zu Krampfanfällen. Meist zu Beginn eines raschen Fieberanstieges (oder auch Abfalles) kommt es bei Kleinkindern zu einer meist harmlosen Kurzschlussreaktion des Gehirns (sog. erniedrigte Krampfschwelle).
Die Neigung zu Fieberkrämpfen ist häufig von den Eltern geerbt (10 - 30%).
Die Kinder verlieren kurzzeitig das Bewusstsein, bekommen einen sog. starren Blick, oder verdrehen die Augen. Das Gesicht , Arme und Beine beginnen seitengleich rhythmisch zu zucken. Anschließend fallen die Kinder in einen Erschöpfungsschlaf.
Die Fieberursache soll ärztlich geklärt werden.
Im Bedarfsfall kann ein EEG im fieberfreien Zustand nach ein paar Tagen gemacht werden.
Erste Hilfe beim Fieberkrampf
- Ruhe bewahren – der Krampf hört meist von allein auf.
- Kind flach auf die Seite legen (stabile Seitenlage) → Atemwege bleiben frei.
- Nichts in den Mund geben (keinen Löffel, keinen Finger!).
- Enge Kleidung lockern, Fenster öffnen, Kind nicht festhalten.
- Uhrzeit merken – Dauer des Krampfes ist wichtig für die Beurteilung.
- Nach dem Krampf: Kind beobachten, atmet es ruhig, wacht es auf?
- Fieber senken (z. B. Paracetamol-Zäpfchen oder Ibuprofen-Saft, s. Tabelle oben).
Wenn der Krampf länger als 5 Minuten dauert oder sich wiederholt, sofort den Notruf 112 wählen.
Notfallmedikament:
Diazepam-Rectiole
Bei bekannten Fieberkrämpfen oder längeren Anfällen kann nach ärztlicher Anweisung ein Diazepam-Rectiole (Rektaltube) gegeben werden.
| Körpergewicht | Dosierung Diazepam-Rectiole |
|---|---|
| unter 15 kg | 5 mg |
| über 15 kg | 10 mg |
- Wirkung: bereits innerhalb weniger Minuten
- Wiederholung möglich nach 10–15 Minuten, falls der Krampf anhält
- Nach Gabe von Diazepam sollte das Kind ärztlich untersucht werden (Notdienst, Praxis oder Klinik)
Besorgniserregend:
- Krampfanfälle unter 6 Monaten und über 5 Jahren
- Krämpfe ohne Fieberinfekt
- halbseitige Krämpfe oder Lähmungen
- Krämpfe, die über 5 Min. anhalten oder auf Fiebermedikamente nicht reagieren.
Gut zu wissen ...
- Ein Fieberkrampf ist keine Epilepsie
- In über 90 % der Fälle bleibt er ein einmaliges Ereignis
- Fieber möglichst frühzeitig senken, um den nächsten Anfall zu vermeiden
- Kind nach dem Krampf ruhen lassen und trinken lassen
- Bei unklarem Zustand oder wiederholten Krämpfen → ärztliche Kontrolle