Fieber hilft ...
... einer natürlichen Krankheitsabwehr
Fieber ist keine Krankheit, sondern eine sinnvolle Reaktion des Körpers. Gerade bei Kindern zeigt es, dass das Immunsystem aktiv arbeitet und sich mit einem Infekt auseinandersetzt. Die erhöhte Körpertemperatur unterstützt die Abwehr, bremst die Vermehrung von Krankheitserregern und hilft dem Körper, wieder gesund zu werden. Deshalb gilt: Fieber muss nicht automatisch gesenkt werden. Entscheidend ist eine gute Begleitung mit Ruhe, Zuwendung und sanfter Linderung von Beschwerden, etwa durch natürliche Hausmittel.
Wichtiger als die gemessene Temperatur ist die Frage, wie es dem Kind insgesamt geht. Trinkt es ausreichend, kann es schlafen und wirkt zwischendurch ansprechbar, darf Fieber meist seinen natürlichen Verlauf nehmen. Fieber ist im Kindesalter kein Feind, sondern Teil einer biologischen Schutzstrategie – es zeigt, dass der Körper arbeitet und sich selbst hilft.
Was Fieber Gutes leistet
Ein mäßig erhöhtes Fieber:
- aktiviert das Immunsystem
- beschleunigt Abwehrprozesse
- hilft dem Körper, Infektionen selbst zu überwinden
Kinder, die trotz Fieber trinken, zwischendurch spielen oder schlafen können, zeigen meist, dass ihr Körper gut mit der Situation zurechtkommt.
Erhöhte Temperatur ... oder Fieber?
Normale Körpertemperatur: 36,5° - 37,5°
kann im Tagesverlauf um 1° C schwanken.
38°- 39° C: leichtes Fieber
über 39° C: hohes Fieber
über 40,5°C: sehr hohes Fieber
Fieber beginnt häufig mit Frieren und Frösteln.
Es folgt oft eine Phase der Kreislauf-Zentralisierung (kalte Füße u. heißer Kopf)
und schließlich das Schwitzstadium.
Was Eltern tun können
Sie unterstützen Ihr fieberndes Kind am besten durch:
- Ruhe und Nähe
- ausreichendes Trinken
- leichte Kleidung (kein „Ausschwitzen“)
- eine ruhige, verlässliche Umgebung
- aufmerksame Beobachtung statt ständiger Kontrolle
- viel Zuwendung, Trost = “Mutterliebe”
Ruhe, Flüssigkeit, leichte Kost
Fieber braucht Energie. Schlaf, Geborgenheit und Zuwendung sind oft wirksamer als jede Maßnahme von außen. Ein fieberndes Kind sollte zur Ruhe kommen dürfen und nicht zusätzlich belastet werden.
Durch die erhöhte Verdunstung benötigt der Körper mehr Flüssigkeit. Bieten Sie Ihrem Kind daher regelmäßig Getränke an und achten Sie auf eine ausreichende Urinausscheidung (etwa alle 4–5 Stunden). Gut geeignet sind leicht gesüßte Tees oder zimmerwarmes und ausgerührtes Mineralwasser.
Im Fieber essen Kinder meist weniger. Das ist normal und kein Grund zur Sorge. Leichte Kost wie Suppen oder frisches Obst wird oft am besten angenommen. Zwingen Sie Ihr Kind nicht zum Essen. Wichtig ist vor allem das Trinken. Bei deutlicher Trinkschwäche oder ausbleibendem Urin sollte Ihr Kind unverzüglich kinderärztlich vorgestellt werden.
Bewährte Hausmittel
Hausmittel haben bei Fieber nicht das Ziel, die Körpertemperatur möglichst schnell zu senken oder das Fieber „wegzumachen“. Vielmehr sollen sie das Wohlbefinden des Kindes verbessern, Beschwerden lindern und den Körper dabei unterstützen, seine Abwehrarbeit gut zu leisten. Ruhe und Schlaf geben dem Organismus die nötige Energie zur Genesung, ausreichend Flüssigkeit schützt vor Austrocknung und hilft, den Kreislauf stabil zu halten. Leichte, angenehme Kleidung verhindert unnötige Wärmebelastung. Lauwarme Waschungen oder Wadenwickel können ergänzend eingesetzt werden, wenn sie dem Kind als angenehm empfunden werden – nicht als Pflichtmaßnahme. In diesem Sinne begleiten Hausmittel das Fieber und unterstützen den natürlichen Heilungsprozess, ohne ihn zu unterdrücken.
Wadenwickel
Nur bei heißen Waden - nicht bei fröstelnden Kindern oder kalten Füssen anwenden.
2 Leinentücher in Schüssel mit ca. 18° C (zimmerwarmen) Wasser mit einem Schuss Essig tauchen, auswringen und glattgestrichen um jeweils einen Unterschenkel wickeln. Tuchbreite vom Fußknöchel bis zum Knie. Darüber ein trockenes Frottiertuch schlagen, das auf beiden Seiten das feuchte Tuch überlappen soll. Darüber ein schmaleres Wolltuch fest wickeln, oder große Erwachsenensocken über Wickel ziehen.
Merke:
Die Wickel sollten straff sitzen. Nach ½ Stunde abnehmen und Unterschenkel gut abfrottieren. Stündliche Wiederholung möglich.
Waschungen und Abkühlungsbäder
Anwendung nur im warmem Zimmer. Eine Schüssel kaltes Wasser mit einem Schuss Zitronensaft oder Kamillentee vorbereiten. Darin ein grobes Frottiertuch eintauchen, kurz ausdrücken. Hände und Arme, Füße und Beine, Brust, Bauch und Rücken abreiben. Abreibung von außen zur Körpermitte hin. Anwendung rasch - Kind soll nicht frieren und nicht sehr nass werden. Anschließend ohne Abtrocknung Schlafanzug anziehen und gut zudecken.
Lindenblütentee
(schweißtreibend) mit Holunder-Sirup:
1 EL Lindenblüten mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen,
10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen.
Etwas Honig und Zitrone oder Holunder-Sirup (Reformhaus) zugeben.
3 - 4 Tassen täglich, frisch zubereitet, wiederholen.
Fiebersenkende Einläufe
1 EL Kamillenblüten mit 1 Liter kochenden Wasser übergießen und 10 Min. ziehen lassen. Abseihen und eine Prise Salz zugeben; abkühlen lassen. Den zimmerwarmen Tee in ein Gummiklistier oder Irrigator (Apotheke) füllen, in den After einführen und mit kräftigen Druck entleeren.
Füllmengen:
Säugling 70 - 100 ml
Kleinkind bis zu 250 ml
Schulkind bis zu 500 ml (bis zu dreimalige Anwendung täglich)
Achten Sie auf das Kind - nicht auf den Fieberwert
Für Eltern verständlicherweise im Mittelpunkt steht oft der Thermometerwert. Medizinisch entscheidend ist jedoch vor allem der Allgemeinzustand des Kindes.
Gute Zeichen sind:
- das Kind trinkt
- es ist ansprechbar
- es sucht Nähe und reagiert auf Zuwendung
- zwischen den Fieberspitzen wirkt es zeitweise wacher
In diesen Situationen funktioniert die Abwehr in der Regel zuverlässig – auch bei höheren Temperaturen.
Wann Fieber kritisch wird
Problematisch wird Fieber nicht durch die Zahl auf dem Thermometer, sondern wenn:
- das Kind kaum oder nicht trinkt
- sehr schlapp, apathisch oder schwer weckbar wirkt
- starke Schmerzen hat
- nicht mehr schlafen kann
👉 Die Befindlichkeit ist entscheidend – nicht die Fieberhöhe
Wann Sie noch ärztlichen Rat suchen sollten
Bitte stellen Sie Ihr Kind zeitnah vor, wenn:
- Ihr Kind jünger als 3 Monate ist
- das Fieber länger als 3 Tage anhält
- Ihr Kind sehr schlapp, teilnahmslos oder kaum weckbar wirkt
- Atemnot, anhaltendes Erbrechen oder starke Schmerzen auftreten
- Sie als Eltern ein ungutes Bauchgefühl haben
Ihr Gefühl ist wichtig – und darf ernst genommen werden.
Fieber fordert Eltern heraus – und stärkt Kinder langfristig.
Mit Wissen, Ruhe und Vertrauen können Sie Ihr Kind sicher begleiten.
Und wenn Unsicherheit bleibt, sind wir selbstverständlich für Sie da – im Praxischat und auch in der Sprechstunde.