Krank auf Reisen
Selbsthilfe bei Reisekrankheiten
Reisen fordern Kinder körperlich und seelisch. Klimawechsel, Hitze, lange Fahrten und ungewohnte Umgebung können typische Reisebeschwerden auslösen. Bewährte homöopathische Hilfen unterstützen sanft und gut verträglich. Nachfolgend fünf typische medizinische Reiseprobleme bei Kindern.
1. Reiseübelkeit
Bei langen Fahrten, auf hoher See oder im Flugzeug kann das Gleichgewichtsorgan empfindlicher Kinder überreizen, was Schwindel, Übelkeit und Erbrechen auslöst. Schon leichte, regelmäßige Pausen, frische Luft und einfache Kost vor der Fahrt unterstützen den Organismus und können in Kombination mit bewährten homöopathischen Mitteln helfen, Beschwerden sanft zu mindern. Leichte Kost vor Reisebeginn sowie Fenchel- oder Melissentee wirken unterstützend.
Globuli bei Reiseübelkeit
- Cocculus
Hauptmittel bei Reiseübelkeit mit Schwindel und mäßigem Schwächegefühl - Tabacum
starke Übelkeit mit Kältegefühl, kaltem Schweiß und Blässe, Besserung durch frische Luft und Ruhe - Theridion
ausgeprägte Seekrankheit, Verschlechterung beim Augenschließen, starke Geräuschempfindlichkeit
Flugangst und Flugbeschwerden
- Aconitum napellus
Flugangst oder Panikreaktionen mit starker innerer Unruhe, idealerweise etwa eine Stunde vor Abflug - Argentum nitricum
nervöse Magen-Darm-Beschwerden mit Bauchkrämpfen und Durchfall, ängstlich-gereizt in Menschenmengen - Phosphorus
feinfühlige, lebhafte, zugleich vorsichtige und ängstliche Kinder - Borax
Übelkeit beim Absacken oder Landeanflug, Unruhe, Zittrigkeit, empfindlich gegenüber Tabakrauch
2. Sonne und Hitze
Starke Sonneneinstrahlung, hohe Temperaturen und ungewohnte Klimaverhältnisse stellen den kindlichen Organismus vor Herausforderungen. Kinder reagieren hier besonders sensibel, weshalb ein vorsichtiger Umgang mit Sonne, ausreichender Schatten und Flüssigkeit essenziell sind – flankiert von naturheilkundlichen Maßnahmen, die Kreislauf und Haut gezielt unterstützen. Kleinkinder sollten nie ohne Kopfbedeckung in der prallen Mittagssonne spielen. Aufgrund des großen Kopfumfangs und der geringen Haardichte sind sie besonders gefährdet. Erste Maßnahmen sind Schatten, behutsames Kühlen mit feuchten Tüchern und reichlich Flüssigkeit.
Globuli beim Sonnenstich
- Belladonna
pochende Kopfschmerzen, hochroter Kopf, trockene heiße Haut, Unruhe und Geräuschempfindlichkeit - Glonoinum
heftige, berstende Kopfschmerzen bei eher blassem Gesicht - Veratrum album
Kopfschmerz mit Übelkeit und Erbrechen, ausgeprägte Blässe, kaltschweißige Haut – Achtung: unverzüglich ärztliche Abklärung wegen möglicher Hirnödem-Gefahr
Globuli bei Sonnenbrand
- Apis mellifica
glänzend-rote, geschwollene Haut - Cantharis
starke brennende Schmerzen - Urtica urens
brennende, juckende Bläsche - Causticum
Unterstützung der Akut- und Heilungsphase
Äußerlich bewährt sich Arnikaessenz, z.B. als Combudoron-Gelee.
Globuli bei Hitzeunverträglichkeit
- Pulsatilla
weinerliche, wechselhaft gestimmte Kinder, Abneigung gegen Hitze, enge Kleidung und stickige Räume - Gelsemium
Benommenheit, Kopfschmerzen, lähmige Schwere von Gliedern und Augenlidern - Natrium muriaticum
ausgeprägte Erschöpfung bereits bei geringer körperlicher Anstrengung - Antimonium crudum
Überanstrengung mit drohendem Kollaps, häufig bei mürrischen, reizbaren Kindern - Carbo vegetabilis
milde Hitzeohnmacht mit Blässe, Kaltschweißigkeit und Missempfindungen
3. Insektenstiche
Unterwegs im Freien gehören Insektenstiche zu den häufigen Begleiterscheinungen. Die Reaktion des kindlichen Körpers kann von Rötung und Schwellung bis zu starker Empfindlichkeit reichen. Homöopathisch geeignete Mittel und einfache Hausregeln können helfen, die örtliche Reaktion zu lindern und gleichzeitig den Organismus zu entlasten. Zur Vorbeugung helfen Knoblauch, Zwiebelsaft oder Duftöle wie Lavendel, Zeder oder Zitronella. Bei frischen Stichen können Zwiebelscheiben aufgelegt oder Zwiebelsaft aufgetragen werden.
Globuli bei Insektenstichen
- Apis mellifica
Hauptmittel bei Insektenstichen, brennender Schmerz, Schwellung, Röte und Überwärmung - Ledum
starke lokale Reaktion oder entzündete, infizierte Einstichstelle - Aconitum napellus + Veratrum album
bei drohender anaphylaktischer Kreislaufreaktion als Überbrückung bis zum Eintreffen des Notarztes
4. Sommergrippe
Temperaturschwankungen, Nässe nach dem Baden oder Wind können das Immunsystem unterwegs belasten und zu Infekten führen. Gerade bei Kindern zeigt sich das oft zuerst als schleppender Infekt mit Husten, Schnupfen oder allgemeiner Erschöpfung. Sanfte homöopathische Begleitung und ruhige, unterstützende Maßnahmen helfen, die Selbstregulation des Körpers zu fördern.
Globuli bei Sommergrippe
- Dulcamara
Infekt nach Nässe oder Verkühlung, zäher gelb-grüner Schnupfen, evtl. Augen/Ohren, schleimige Durchfälle - Aconitum
plötzlich rasch ansteigendes Fieber mit Schüttelfrost nach Wind oder Kälte - Belladonna
weiterer Fieberverlauf mit hochrotem Kopf bei kalten Händen und Füßen - Ferrum phosphoricum
infektanfällige, eher blasse Kinder, nur geringe Allgemeinbeeinträchtigung - Chamomilla
stark gereizte, zornige Fieberkinder - Rhus toxicodendron
Erkältung nach starkem Schwitzen, Gelenkschmerzen, Fieberbläschen - Gelsemium sempervirens
schleppende Sommergrippe mit ausgeprägter Schwäche und Zittrigkeit - Eupatorium perfoliatum
starke Glieder- und Knochenschmerzen, ggf. galliges Erbrechen
5. Heimweh
Neue Umgebung, ungewohnter Tagesrhythmus oder fehlende vertraute Bezugspersonen können bei Kindern emotionalen Stress auslösen. Heimweh ist ein häufiges, ernst zu nehmendes Gefühl, das sich in Appetitlosigkeit oder Kummer äußern kann. Zuwendung, strukturierte Tagesabläufe und gegebenenfalls unterstützende homöopathische Mittel können helfen, das emotionale Gleichgewicht zu stabilisieren.
Bewährte Globuli bei Heimweh
- Ignatia
introvertierte, gefühlsbetonte Kinder
Appetitverlust, häufiges Seufzen, Trostabweisung - Natrium muriaticum
still getragenes Heimweh
Abneigung gegen Hitze und Menschenmengen - Pulsatilla
offen gezeigtes Heimweh
viel Weinen, deutliche Besserung durch Nähe und Zuwendung
Dosierung
Für die Selbstbehandlung werden meist tiefe bis mittlere Potenzen eingesetzt. Bei akuten Beschwerden können diese anfangs häufiger gegeben werden, bei Besserung werden die Abstände verlängert. Tritt keine rasche Besserung ein oder verschlechtern sich die Symptome, sollte immer ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.
Die homöopathische Reiseapotheke darf notwendige medizinische Behandlung nicht verzögern.
Gerade fernab der Heimat gilt: Klingen die Symptome nicht rasch ab oder verschlechtern sie sich, ist ärztlicher Rat einzuholen.
Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie einen erholsamen und gesunden Urlaub.