Harnwegsinfekte (HWI)
Harnwegsinfektionen sind im Kindesalter häufig und müssen ernst genommen werden. Besonders bei kleinen Kindern zeigen sie sich oft nur unspezifisch, z. B. durch Fieber oder Unruhe. Eine frühe Abklärung ist wichtig, um Nierenbeteiligungen zu vermeiden. Typisch sind Beschwerden beim Wasserlassen, häufiger Harndrang sowie trüber oder übelriechender Urin.
Homöopathische Arzneien
- Cantharis D12
hochakute Blasenentzündung – starkes Brennen, trüber Urin, tröpfchenweises Wasserlassen, heftiger Harndrang - Sarsaparilla D12
akut nach Unterkühlung – stärkste Schmerzen am Ende des Wasserlassens, Urin wird aus Angst zurückgehalten - Dulcamara D12
nach Nässe oder Kälte – häufiger Harndrang, Schmerzen, evtl. Einnässen, erkältungsanfälliges Kind - Mercurius corrosivus D12
schwere fieberhafte Verläufe – krampfartiger Harndrang, starke Schmerzen, übelriechender Schweiß - Pulsatilla D12
wechselnde Beschwerden – anhänglich, weinerlich, kalte Füße, infektanfällig bei Kälte und Nässe
Antibiotikum
Bei Verdacht auf einen akuten Harnwegsinfekt ist eine Urinuntersuchung mit Keimnachweis notwendig. Die Behandlung erfolgt in der Regel antibiotisch und darf nicht verzögert werden, um Komplikationen zu vermeiden. Homöopathische Arzneien können die Akuttherapie begleitend unterstützen, ersetzen jedoch keine notwendige antibiotische Behandlung.
Immunstärkung
Antibiotikagaben verhindern Rückfälle nicht. Umso wichtiger sind unterstützende Maßnahmen:
- reichlich trinken, ggf. milde Blasentees (Birke, Goldrute, Schachtelhalm)
- Füße und Unterleib warm halten
- Urin leicht ansäuern, z. B. durch Preiselbeersaft
- Aufbau einer gesunden Darmflora, da Darm- und Harnwegsimmunität eng verbunden sind
- bei häufigen Infekten ggf. immunmodulierende Therapie, z. B. mit Uro-Vaxom® (ärztlich begleitet)
Genitalhygiene bei Mädchen
Häufig verbleiben kleine Urinmengen in der Scheide, was die Schleimhaut reizt und die lokale Abwehr schwächt.
Einfache Maßnahmen reduzieren die Rückfallrate:
- beim Wasserlassen nach vorne beugen („Rennfahrerhocke“)
- ggf. spielerische Hilfe, z. B. Buch oder Bild vor die Füße legen
- nach dem Wasserlassen die Scheide äußerlich trocken abtupfen
- feuchte Unterwäsche zeitnah wechseln
- Windelregion immer von vorne nach hinten reinigen
Wiederkehrende Harnwegsinfekte
Kommt es mehrfach zu Harnwegsinfekten, muss über die Akutbehandlung hinaus eine gründliche Ursachenklärung erfolgen. Wiederholte Infekte deuten oft auf einen bislang unbehandelten Teufelskreis hin.
Abzuklären sind u. a.:
- welche Keime wurden im Urin nachgewiesen
- war die antibiotische Therapie jeweils wirksam
- bestehen Resistenzen
- liegen Störungen des Harnabflusses vor (z. B. vesikoureteraler Reflux, Harnröhrenverengung, Reflexblase, Fehlbildungen)
- gibt es Hinweise auf eine Störung der Immunabwehr
Erst nach gesicherter Diagnostik kommen stabilisierende Maßnahmen, immunmodulierende Therapien oder auch eine begleitende homöopathische Langzeitstrategie sinnvoll zum Einsatz.
Homöopathische Kur
Nach antibiotischer Akuttherapie
Zur Unterstützung der Regulationsfähigkeit hat sich bewährt:
- Sulfur D12, 3×5 Globuli täglich über 14 Tage
Stabilisierende Kur der Harnwege
- Berberis D12, 3×5 Globuli täglich, 4 Wochen
- anschließend Solidago D12, 3×5 Globuli täglich, 4 Wochen
- anschließend Causticum D12, 3×5 Globuli täglich, 4 Wochen
Diese Abfolge zielt auf Durchspülung, Entzündungsregulation und funktionelle Stabilisierung der ableitenden Harnwege.
Harnwegsinfekte im Kindesalter sind gut behandelbar, wenn sie früh erkannt und ernst genommen werden. Die homöopathische Begleittherapie kann – insbesondere bei leichten, unkomplizierten Verläufen – die körpereigene Regulation unterstützen, Symptome lindern und die Heilung fördern. Wichtig bleibt dabei immer der wachsame Blick auf Warnzeichen wie Fieber, Schmerzen oder wiederkehrende Infekte.