Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität

Entwicklung der Aufmerksamkeit – eine persönliche Einordnung

Ein Kleinkind ist von Natur aus neugierig. Seine Aufmerksamkeit gleicht einem Leuchtturm, dessen Lichtkegel ständig durch die Umgebung wandert. Alles ist interessant, alles wird ausprobiert.

Erst im Vorschulalter, etwa zwischen dem 3. und 7. Lebensjahr, entwickelt sich allmählich die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit gezielt zu bündeln – auch dann, wenn eine Tätigkeit nicht unmittelbar spannend ist, etwa bei Spielen mit Regeln, Untersuchungen beim Kinderarzt oder später im Unterricht.

Das Schulkind kann sein Interesse dann für eine begrenzte Zeit – im Durchschnitt etwa 10 bis 15 Minuten – auf eine altersgerechte Aufgabe richten. Die Aufmerksamkeit wird vom wandernden Lichtkegel zum Scheinwerfer-Spot.

Diese Fähigkeit zur zielgerichteten Aufmerksamkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung in Familie, Kindergarten, Schule und sozialen Beziehungen. Bei manchen Kindern ist diese Teilbegabung jedoch nur unzureichend oder kaum entwickelt.

Eine frühe Wahrnehmung und Einordnung ist wichtig, da fördernde Maßnahmen Zeit, Geduld und pädagogisches Fingerspitzengefühl erfordern.

Dr. Lang (2012): ADHS: Vom Zähmen wilder Burschen  

Homöopathische Arzneien bei ADHS

Die Beispiele aus der Praxis verdeutlichen, wie unterschiedlich sich ADS/ADHS darstellen kann.

  • Agaricus
    Fantasiebetonte, hochsensible Kinder mit Mühe bei schulischer Struktur, oft Tics, Muskelzuckungen, Stottern, sensorische Überempfindlichkeiten und verdeckte Ängste
  • Calcium phosphoricum
    Unzufriedene, anhängliche, sensible Kinder mit Reizbarkeit, Ängsten und psychosomatischen Beschwerden, nicht selten mit Entwicklungs- oder Sprachverzögerung
  • Phosphorus
    Lebhafte, kontaktfreudige Kinder, leicht beeinflussbar und ängstlich, rasch überfordert bei Reizüberflutung, gute Intelligenz bei geringer Ausdauer
  • Stramonium
    Impulsive Kinder mit starken Ängsten bis Panik, im Alltag oft freundlich, unter Stress plötzliche Wutanfälle mit enthemmtem Verhalten
  • Sulfur
    Neugierig, intelligent, ideenreich, wenig ordnungsliebend, Schwierigkeiten mit Regeln und Stillsein, reicht vom dominanten Typ bis zum „zerstreuten Professor"
  • Veratrum album
    Frühreife, sehr aktive und ehrgeizige Kinder, perfektionistisch und schnell gekränkt, mit starkem Tatendrang und ausgeprägter Willenskraft

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Begleitung aus ganzheitlicher Sicht

Die Veranlagung zu motorischer Unruhe lässt sich oft schon früh erkennen, während die Fähigkeit zur Konzentration erst ab etwa dem dritten Lebensjahr zuverlässig beurteilt werden kann. Ich spreche entsprechende Beobachtungen bewusst frühzeitig an – nicht zur Etikettierung, sondern um rechtzeitig unterstützend handeln zu können.

ADHS ganzheitlich verstehen:
ADS/ADHS ist stets multifaktoriell. Eine erfolgreiche Behandlung berücksichtigt daher auch:

  • begleitende Ängste, depressive Symptome, Aggressivität oder oppositionelles Verhalten
  • Entwicklungsauffälligkeiten und körperliche Begleitsymptome
  • familiäre Belastungen, Eltern-Kind-Interaktionen
  • schulische Überforderung oder Frustrationserlebnisse

Erste Schritte zuhause:

  • altersgerechte, klare und verlässliche Strukturen
  • liebevolle, aber konsequente Grenzsetzung
  • spielerische Förderung der Aufmerksamkeit
  • Reduktion von Überreizung und Medienkonsum

Ein gut strukturierter Alltag und die Einbindung in körperlich fordernde und sinnstiftende Aktivitäten sind von großer Bedeutung: Sportarten mit klaren Regeln, Klettern, Selbstverteidigung, Tanzen, Musik, Ballett oder rhythmische Bewegungsangebote.

Je nach Situation zusätzlich:

  • Erziehungs- und Familienberatung
  • Verhaltenstherapie
  • Ergotherapie oder psychomotorische Förderung
  • in ausgewählten Fällen Hippotherapie oder Entspannungsverfahren

ADS und ADHS sind keine Erziehungsfehler, sondern Ausdruck einer besonderen neurobiologischen Entwicklung. Jedes betroffene Kind bringt eigene Stärken, Empfindsamkeiten und Ressourcen mit. Entscheidend ist ein ganzheitlicher Blick, der das Kind in seiner Persönlichkeit ernst nimmt und nicht nur Symptome bewertet.

Homöopathische Begleitverfahren können – individuell ausgewählt und fachlich begleitet – helfen, innere Unruhe, Impulsivität oder Überforderung zu regulieren. Sie ersetzen keine notwendige Diagnostik oder schulische Unterstützung, können aber einen wertvollen Beitrag leisten, damit Kinder besser in ihre Balance finden und ihr Potenzial entfalten können.

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