Schwitzen, Temperaturregulation

Kalte Hände trotz Schwitzen 

… ist das normal?

Viele Eltern wundern sich: Das Baby schwitzt am Kopf oder Nacken – und trotzdem sind Hände und Füße kalt.
Das wirkt widersprüchlich, ist im Säuglingsalter aber meist völlig normal. Dahinter steckt die noch unreife Temperaturregulation des Babys. Mit etwas Hintergrundwissen und einfachen Alltagstipps können Sie Ihr Kind gut begleiten – ohne es zu über- oder unterzukühlen.

Viele wesentliche Grundfunktionen unseres Körpers werden durch das vegetative Nervensystem autonom gesteuert. Das heißt, sie können nicht willkürlich oder gar willentlich beeinflusst werden. Dazu gehören neben den lebenswichtigen Funktionen Atmung und Herzschlag, auch die Temperaturregulation und die Schweißbildung. Das vegetative Nervensystem ist bei Geburt und im Säuglingsalter, wie alle biologischen Systeme, noch unreif und störanfällig.

Warum Babys ihre Temperatur noch nicht gut halten können

Die Steuerung von Körpertemperatur und Schweißbildung erfolgt über das vegetative Nervensystem. Dieses arbeitet automatisch – wir können es nicht bewusst beeinflussen.

Bei Babys ist dieses System noch unreif und empfindlich:

  • Wärme wird noch schlecht gespeichert
  • Kälte noch schlecht ausgeglichen
  • die Durchblutung der Hände und Füße schwankt stark

Deshalb können kalte Hände oder Füße auftreten, obwohl der Körper warm oder sogar verschwitzt ist. Das ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck der Reifung.

Kalte Hände

worauf sollten Sie achten?

Entscheidend ist nicht die Temperatur der Hände oder Füße, sondern der Rumpf.

So prüfen Sie richtig:

  • Fühlen Sie im Nacken oder zwischen den Schulterblättern
  • angenehm warm und trocken = richtig angezogen
  • heiß und feucht = zu warm
  • kühl = eher zu wenig Kleidung

Hände und Füße dürfen kühl sein – das ist normal.

Praktische Tipps

Kleidung – weniger ist oft mehr

  • lieber mehrere dünne Schichten statt eines dicken Kleidungsstücks
  • Naturmaterialien (Baumwolle, Wolle-Seide) bevorzugen
  • Mütze nur draußen oder bei Kälte
  • im Sommer ggf. dünne Söckchen, wenn Hände/Füße kühl wirken

Schwitzen ernst nehmen

  • feuchte Kleidung zeitnah wechseln
  • unterwegs immer dabei:
    • weiches Handtuch
    • trockener Ersatzbody

Feuchte Haut kühlt durch Verdunstung rasch aus – auch im Sommer.

Schlaf & Temperatur

Gerade im Schlaf ist Zurückhaltung wichtig:

  • Schlafzimmertemperatur ideal: 16–18 °C
  • Baby im Schlafsack statt Decke
  • keine Überwärmung
  • Nackenprobe vor dem Zubettgehen

Ein verschwitztes Baby schläft oft unruhiger.

Homöopathische Arzneien

Die Neigung zum Schwitzen ist konstitutionell bedingt und Teil der individuellen Reifung des vegetativen Nervensystems. Homöopathische Arzneien werden eingesetzt, um diese Regulationsprozesse zu unterstützen. Bewährte Mittel sind unter anderem:

  • Calcium carbonicum
    bei raschem Schwitzen am Kopf, besonders im Schlaf, häufig bei eher gemütlichen, kälteempfindlichen Kindern
  • Calcium phosphoricum
    bei allgemeiner Regulationsschwäche, Wachstumsschüben und vermehrtem Schwitzen bei ansonsten zarten Kindern
  • Sulfur
    bei warmen, leicht überhitzten Kindern mit Neigung zu starkem Schwitzen, besonders nachts
  • Pulsatilla
    bei gefühlvollen, anhänglichen Kindern mit wechselnder Temperaturregulation
  • Silicea 
    bei kühlem, feuchtem Schwitzen hat sich besonders bewährt
  • Mercurius solubilis
    bei starkem, oft feuchtem Schwitzen mit ausgeprägter Unruhe
  • Graphites
    bei kälteempfindlichen Kindern mit feuchter Haut und Neigung zu Hautirritationen
  • Thuja
    bei vegetativer Unausgeglichenheit und auffälliger Schweißneigung

Kalte Hände trotz Schwitzen sind beim Baby meist ein Zeichen von Unreife, nicht von Krankheit. Vertrauen Sie auf Ihren Tastsinn, prüfen Sie den Nacken, vermeiden Sie Überwärmung und wechseln Sie feuchte Kleidung frühzeitig. Mit Beobachtung, etwas Gelassenheit und diesen Tipps unterstützen Sie die natürliche Reifung der Temperaturregulation Ihres Kindes – sicher und liebevoll. Bei Unsicherheiten sind wir jederzeit für Sie da – in der Praxis oder über unseren Praxis-Chat.

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