Mundfäule, Stomatitis

Bei der Mundfäule (Stomatitis aphthosa) handelt es sich um eine akute Entzündung der Mundschleimhaut. Meist ist es die erste spürbare Begegnung eines Kleinkindes mit dem Herpes-simplex-Virus, oder einem anderen Virus. Für die Kinder ist sie sehr schmerzhaft: Trinken tut weh, Essen wird verweigert, dazu kommen Fieber und ein insgesamt stark reduzierter Allgemeinzustand.

Typisch ist ein rascher Beginn mit schmerzhaften Bläschen, wunden Schleimhautarealen und einer deutlichen Empfindlichkeit beim Schlucken. In der Folge fällt es vielen Kindern schwer, zu essen oder zu trinken.

Gut zu wissen: Auch wenn das Krankheitsbild heftig wirkt, heilt die Mundfäule in aller Regel vollständig und folgenlos aus. Mit der richtigen Unterstützung zu Hause lässt sich diese Phase deutlich erleichtern.

  • Die Mundfäule wird durch Viren ausgelöst
  • Antibiotika verkürzen den Verlauf nicht und helfen nicht gegen die Schmerzen
  • Entscheidend ist eine gute schmerzlindernde Therapie, damit das Kind ausreichend trinkt und ein wenig ißt.

Schmerz ist das Hauptproblem

Nicht die Bläschen an sich sind das Hauptproblem, sondern die starken Schmerzen beim Schlucken. Diese führen dazu, dass Kinder Essen und Trinken meiden.

Behandlung zu Hause

1. Großzügige Schmerztherapie – besonders vor den Mahlzeiten

Schmerzen ernst nehmen ist die Voraussetzung dafür, dass Ihr Kind wieder trinken und essen kann. Unzureichend behandelte Schmerzen sind der Grund, warum Kinder trinken verweigern und erschöpfen.

Bewährt und medizinisch empfohlen sind:

Viele Kinder trinken und essen erst dann wieder ausreichend, wenn die Schmerzen konsequent und vorausschauend gelindert werden.

Ausführliche Hinweise zur sicheren Anwendung, Dosierung und Kombination von Schmerz- und Fiebermedikamenten: 

Fieber- und Schmerzbehandlung

Diese Informationen helfen, die Schmerztherapie im Alltag gut und sicher umzusetzen.

2. Lokale Schmerzlinderung im Mund

Zusätzlich helfen lokal wirksame Präparate:

  • schmerzstillende Mundgele oder Haftsalben (z.B. Kamistad)
    auf die betroffenen Stellen auftragen
  • schmerzstillende Mundsprays mit Lidocain, (Rezept über die Praxis)
    vor der Mahlzeit  einsetzen
  • sanfte Pflege der Lippen mit neutralen Fettcremes oder Zinksalbe

3. Essen: weich, kühl, reizarm

Ziel ist nicht eine „vollwertige Ernährung", sondern eine schmerzfreie Kalorienzufuhr.
Essen und Trinken dürfen jetzt therapeutisch gedacht werden.

Gut geeignet:

  • kühles Apfelmus
  • Fruchtzwerge, Joghurt, Quark (gekühlt)
  • kalte Milch, Trinkjoghurt
  • Wassereis oder gefrorenes Fruchtpüree
  • fein pürierte, lauwarme Kost

Bitte meiden:

  • Saft, Zitrusfrüchte, Kohlensäure
  • salzige, scharfe oder harte Speisen
  • warme Speisen, die zusätzlich brennen

Entscheidend ist nicht die Menge, sondern regelmäßige kleine Schlucke.

4. Trinken hat Vorrang

Die Flüssigkeitszufuhr ist entscheidend für den Verlauf.

Hilfreich sind:

  • kleine Schlucke, häufig angeboten
  • Wasser, Tee, verdünnte Säfte
  • Trinkbecher, Schnabelbecher oder Strohhalm ausprobieren
  • Trinken bevorzugt nach Schmerzmittelgabe

Kalorien sind vorübergehend zweitrangig – Trinken ist wichtiger als Essen.

Praktische Alltagstipps

  • Trinken mit Strohhalm oder aus einem weichen Becher kann weniger schmerzhaft sein
  • nachts ggf. Schmerzmittel vor dem Einschlafen, um Trinkpausen zu ermöglichen
  • kein Zwang – Druck verstärkt die Abwehr
  • Geduld: Die schlimmste Phase dauert meist 3–5 Tage

5. Homöopathische Begleitung

Bewährt haben sich u. a.:

  • Mercurius solubilis
    bei stark entzündeter, übelriechender Mundschleimhaut, vermehrtem Speichelfluss
  • Acidum nitricum
    bei tief schmerzhaften Schleimhautläsionen, Berührung kaum tolerabel
  • Natrium muriaticum
    bei Lippenherpes, trockenen Krusten, Rückzug und Reizbarkeit

Verlauf

Die akute Phase dauert meist 5 bis 7 Tage, gelegentlich etwas länger. Sobald die Schmerzen nachlassen, bessern sich Trink- und Essverhalten oft rasch.

Die Mundschleimhaut regeneriert sich schnell – nach Abklingen der Akutphase heilt sie in der Regel vollständig und folgenlos ab.

Bitte melden Sie zeitnah, wenn:

  • Ihr Kind über mehrere Stunden kaum oder gar nicht trinkt
  • der Urin deutlich seltener wird
  • ausgeprägte Müdigkeit oder Teilnahmslosigkeit auffällt

In seltenen Fällen kann bei ausgeprägter Trinkverweigerung eine Infusionstherapie erforderlich werden – nicht wegen der Viren, sondern zur sicheren Flüssigkeits- und Schmerzmittelgabe.

Mundfäule ist eine schmerzhafte Erkrankung im Kleinkindalter, verläuft meist gutartig und vorübergehend. Die Ursache ist in aller Regel viral, Antibiotika sind nicht hilfreich. Entscheidend für den Verlauf sind eine konsequente Schmerzlinderung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Schmerzmittel sollten rechtzeitig, besonders vor den Mahlzeiten, gegeben werden. Kühle, weiche Speisen erleichtern das Essen zusätzlich. Bei Unsicherheit oder anhaltender Trinkschwäche unterstützen wir Sie gerne – in der Praxis oder über den PraxisChat.

Print