Infektbedingte Nesselsucht (Urtikaria)

Plötzlich Quaddeln

– und meist harmlos

Plötzlich entwickeln sich auf der Haut erhabene, rötliche Flecken. Manche sind handtellergroß, andere klein wie Mückenstiche. Sie verändern ihre Form, verschwinden an einer Stelle und tauchen an anderer wieder auf.  Gerade im Kleinkindalter steckt hinter einer akuten Nesselsucht jedoch häufig ein ganz normaler Virusinfekt. Die Hautreaktion entsteht nicht, weil Ihr Kind „etwas Falsches gegessen“ hat, sondern weil das Immunsystem sehr aktiv arbeitet.

Während ein Virus bekämpft wird, schüttet der Körper Abwehrbotenstoffe aus – vor allem Histamin. Dieses erweitert die kleinen Blutgefäße in der Haut. Flüssigkeit tritt aus den Gefäßen ins Gewebe über, es bilden sich Quaddeln. Das Immunsystem möchte gezielt gegen Viren reagieren. Doch im Kleinkindalter ist diese Feinabstimmung noch nicht vollständig ausgereift. Manchmal reagiert der Körper „zu großzügig“ – und zeigt seine Abwehrreaktion sichtbar an der Haut, ähnlich wie beim Kontakt mit Brennnesseln.  Die Haut wird sozusagen zur Bühne der Immunaktivität.
Nach aktuellen pädiatrischen Erkenntnissen sind Virusinfekte im frühen Kindesalter die häufigste Ursache einer akuten Urtikaria – deutlich häufiger als echte Allergien.

Unterschied zur echten Allergie

Eine echte Allergie bedeutet:
Das Immunsystem reagiert gezielt auf einen bestimmten Stoff – etwa Erdnüsse, Milch, Pollen oder Medikamente. Diese Reaktion ist reproduzierbar. Beim erneuten Kontakt tritt sie wieder auf.

Bei der infektbedingten Urtikaria hingegen:

  • gibt es keinen spezifischen Auslöser
  • tritt sie im Rahmen eines Virusinfekts auf
  • verschwindet sie nach einigen Tagen vollständig
  • bleibt keine dauerhafte „Allergieneigung“ zurück

Das Immunsystem hat sich also nicht „falsch programmiert“, sondern nur vorübergehend überschießend reagiert.

Typische Merkmale

  • plötzlich auftretende Quaddeln
  • wechselnde Lokalisation
  • oft Juckreiz
  • gelegentlich Schwellung von Lippen oder Augenlidern
  • häufig begleitender oder kürzlich durchgemachter Infekt

Die einzelnen Quaddeln halten meist nur Stunden an und wandern weiter.

Was jetzt hilft

Ruhe und Sicherheit

Auch wenn die Haut dramatisch aussieht – die meisten Kinder sind insgesamt nicht schwer krank. Ihre Ruhe überträgt sich unmittelbar auf Ihr Kind.

Kühlung und Hautentlastung

  • kühle Umschläge
  • lauwarmes Abduschen
  • luftige Baumwollkleidung

Wärme verstärkt die Quaddelbildung, daher lieber kühl halten.

Antihistaminika bei starkem Juckreiz

Moderne Antihistaminika sind nach aktuellen Leitlinien im Kindesalter gut verträglich. Sie blockieren die Histaminwirkung und lindern den Juckreiz effektiv. Kortison ist in unkomplizierten Fällen meist nicht notwendig.

Selbsthilfe zur Stabilisierung der Körperregulation

Wie beim Virusausschlag steht die Unterstützung der natürlichen Immunbalance im Vordergrund.

Schlaf und Erholung

Im Schlaf reguliert sich das Immunsystem. Entzündungs- und Stressbotenstoffe werden abgebaut. Ein paar ruhige Tage unterstützen diese Phase.

Ausreichend trinken

Flüssigkeit stabilisiert die Schleimhäute und hilft dem Körper, Entzündungsmediatoren auszuscheiden.

Mikronährstoffe gezielt unterstützen

Während und nach Infekten kann eine vorübergehende Ergänzung sinnvoll sein:

  • Vitamin C
  • Zink
  • Vitamin D je nach Jahreszeit
  • altersgerechte Multivitaminpräparate

Eisen bitte nur nach ärztlicher Kontrolle supplementieren – ein stabiler Eisenstatus unterstützt jedoch die Immunfunktion.

Darmflora stärken

Ein großer Teil der Immunregulation findet im Darm statt. Eine stabile Darmflora fördert die Toleranzentwicklung und verhindert überschießende Reaktionen.

Sinnvoll können sein:

  • Probiotika mit Lactobazillen oder Bifidobakterien
  • ballaststoffreiche Ernährung
  • möglichst zurückhaltender Antibiotikaeinsatz

Studien zeigen, dass ein ausgeglichenes Mikrobiom immunologische Fehlreaktionen reduzieren kann.

Zuckerarme, naturbelassene Ernährung

Stark verarbeitete Lebensmittel und hoher Zuckerkonsum können entzündliche Prozesse verstärken. Eine leichte, natürliche Ernährung unterstützt die Regeneration.

Homöopathische Begleitung

Im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung können individuell gewählte Arzneien die Regulationsfähigkeit unterstützen.

Apis mellifica
Stark gerötete, geschwollene Quaddeln mit brennendem, stechendem Juckreiz. Wärme verschlechtert, Kälte lindert. Meist rascher Beginn.

Ledum
Eher kühle, teils blassere Schwellungen. Deutliche Besserung durch Kälte. Häufig bei punktförmigem Beginn oder nach Stichen.

Urtica urens
Typischer brennnesselartiger Ausschlag mit intensivem Juckreiz und rasch wechselnden Quaddeln.

Pulsatilla
Milde, anhängliche Kinder mit wechselnden Beschwerden. Urtikaria im Rahmen eines Infekts, Bedürfnis nach Nähe.

Thuja
Bei überschießenden Hautreaktionen im Zusammenhang mit viralen Belastungen oder bei wiederkehrender Tendenz.

Die Auswahl erfolgt stets individuell nach Gesamtbild des Kindes.

Wann sofort ärztlich vorstellen?

  • Atemnot
  • Heiserkeit oder Schluckbeschwerden
  • Schwellung von Zunge oder Rachen
  • Kreislaufprobleme
  • deutlich reduzierter Allgemeinzustand

Diese Situationen sind selten, müssen aber umgehend abgeklärt werden.

Infektbedingte Nesselsucht ist meist Ausdruck einer noch reifenden Immunregulation – vorübergehend, selbstlimitierend und ohne bleibende Allergieentwicklung
Mit Ruhe, gezielter Unterstützung von Darmflora, Mikronährstoffen und ausreichend Erholung helfen Sie dem Körper Ihres Kindes, wieder ins Gleichgewicht zu finden. 
Bei Unsicherheit sind wir jederzeit für Sie da – in der Praxis oder im PraxisChat.

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