Fieberkrampf
Im Alter zwischen 6 Monaten und 5. Lebensjahr neigen 2 - 5 % der Kinder im Rahmen von hochfieberhaften Infekten zu Krampfanfällen. Meist zu Beginn eines raschen Fieberanstieges (oder auch Abfalles) kommt es bei Kleinkindern zu einer meist harmlosen Kurzschlussreaktion des Gehirns (sog. erniedrigte Krampfschwelle).
Die Neigung zu Fieberkrämpfen ist häufig von den Eltern geerbt (10 - 30%).
Die Kinder verlieren kurzzeitig das Bewusstsein, bekommen einen sog. starren Blick, oder verdrehen die Augen. Das Gesicht , Arme und Beine beginnen seitengleich rhythmisch zu zucken. Anschließend fallen die Kinder in einen Erschöpfungsschlaf.
Die Fieberursache soll ärztlich geklärt werden.
Im Bedarfsfall kann ein EEG im fieberfreien Zustand nach ein paar Tagen gemacht werden.
Was ein Fieberkrampf bedeutet
Ein Fieberkrampf ist für Eltern ein sehr beängstigendes Ereignis. Medizinisch betrachtet handelt es sich jedoch nicht um einen epileptischen Anfall und nicht um eine Schädigung des Gehirns, sondern um eine vorübergehende Reaktion des unreifen kindlichen Nervensystems auf einen raschen Temperaturanstieg.
Nach wissenschaftlichem Kenntnisstand und Langzeitbeobachtungen gilt:
- Einfache Fieberkrämpfe hinterlassen keine bleibenden Schäden
- Sie führen nicht zu einer Schädigung von Nervenzellen
- Sie haben keinen negativen Einfluss auf die geistige Entwicklung, das Lernen oder die Gehirnreifung
Kinder, die einen Fieberkrampf hatten, entwickeln sich neurologisch genauso wie andere Kinder.
Moderne neurophysiologische Untersuchungen zeigen, dass es während eines Fieberkrampfes nicht zu strukturellen Hirnschäden kommt. Das kindliche Gehirn kehrt nach dem Krampf in seinen normalen Funktionszustand zurück.
Erste Hilfe beim Fieberkrampf
- Ruhe bewahren – der Krampf hört meist von allein auf.
- Kind flach auf die Seite legen (stabile Seitenlage) → Atemwege bleiben frei.
- Nichts in den Mund geben (keinen Löffel, keinen Finger!).
- Enge Kleidung lockern, Fenster öffnen, Kind nicht festhalten.
- Uhrzeit merken – Dauer des Krampfes ist wichtig für die Beurteilung.
- Nach dem Krampf: Kind beobachten, atmet es ruhig, wacht es auf?
- Fieber senken (z. B. Paracetamol-Zäpfchen oder Ibuprofen-Saft, s. Tabelle oben).
Wenn der Krampf länger als 5 Minuten dauert oder sich wiederholt, sofort den Notruf 112 wählen.
Notfallmedikament:
Diazepam-Rectiole
Bei bekannten Fieberkrämpfen oder längeren Anfällen kann nach ärztlicher Anweisung ein Diazepam-Rectiole (Rektaltube) gegeben werden.
| Körpergewicht | Dosierung Diazepam-Rectiole |
|---|---|
| unter 15 kg | 5 mg |
| über 15 kg | 10 mg |
- Wirkung: bereits innerhalb weniger Minuten
- Wiederholung möglich nach 10–15 Minuten, falls der Krampf anhält
- Nach Gabe von Diazepam sollte das Kind ärztlich untersucht werden (Notdienst, Praxis oder Klinik)
Besorgniserregend:
- Krampfanfälle unter 6 Monaten und über 5 Jahren
- Krämpfe ohne Fieberinfekt
- halbseitige Krämpfe oder Lähmungen
- Krämpfe, die über 5 Min. anhalten oder auf Fiebermedikamente nicht reagieren.
Gut zu wissen ...
- Ein Fieberkrampf ist keine Epilepsie
- In über 90 % der Fälle bleibt er ein einmaliges Ereignis
- Fieber möglichst frühzeitig senken, um den nächsten Anfall zu vermeiden
- Kind nach dem Krampf ruhen lassen und trinken lassen
- Bei unklarem Zustand oder wiederholten Krämpfen → ärztliche Kontrolle
Ein Fieberkrampf ist ein dramatisches, aber in aller Regel harmloses Ereignis im frühen Kindesalter. Er ist Ausdruck der noch unreifen Reizverarbeitung des kindlichen Gehirns – nicht einer Erkrankung des Gehirns selbst. Fieberkrämpfe sind zeitlich begrenzt, nicht gefährlich für die Entwicklung Ihres Kindes und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Mit zunehmendem Alter reift das Nervensystem, und die Neigung zu Fieberkrämpfen verschwindet meist vollständig.
Wenn Sie Fragen haben oder sich unsicher fühlen, begleiten wir Sie gerne – in der Praxis und über den PraxisChat.